Erster Weltkrieg

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Gedenkstele auf dem Hauptfriedhof für die Opfer des Luftangriffs
Gedenkstele auf dem Hauptfriedhof für die Opfer des Luftangriffs
SMS „Karlsruhe“ im Einsatz: das „neueste und schnellste Schiff unserer Marine hat 7 englische  Dampfer in den Grund gebohrt“
SMS „Karlsruhe“ im Einsatz: das „neueste und schnellste Schiff unserer Marine hat 7 englische Dampfer in den Grund gebohrt“

Die Zeit des Ersten Weltkrieges (1914 bis 1918) in der Region Karlsruhe.

Inhaltsverzeichnis

Kampfhandlungen

Karlsruhe wurde wegen seiner Bedeutung für Verkehr und Rüstungsindustrie sowie wegen seiner Nähe zu Frankreich früh Ziel der damals neuen Luftangriffe und Erprobungsort für die noch zu entwickelnden Schutzmaßnahmen.

Beim dem als „Kindermord von Karlsruhe“[1] in die Geschichte eingegangenen zweiten Angriff am 22. Juni 1916 benutzten die Flieger eine veraltete Karte und bombardierten den Standort des alten Hauptbahnhofs (seit 1913 befindet sich der Hauptbahnhof am heutigen Platz), an dem sich ein Zirkuszelt befand, in dem gerade eine Kindervorstellung stattfand. Es gab 240 Tote (Beleg fehlt), die meisten davon noch Kinder.

Auch die Vogesen waren Schauplatz fürchterlicher Kämpfe. Auch heute noch sind an vielen Stellen die Verläufe von Schützengräben deutlich sichtbar, in denen sich die feindlichen Heere oft nur wenige Meter voneinander entfernt gegenüber lagen. Der Künstler Johann Ferdinand Winkler (1884–1952) brachte noch während des Krieges eine Mappe mit seinen Kriegserinnerungen aus den Vogesen heraus.

Auswirkungen

In Karlsruhe mussten zwei Glocken der katholischen Stadtkirche St. Stephan abgegeben werden. Die katholische Kirche St. Peter und Paul in Durlach verlor im Juli 1917 alle Glocken außer der kleinsten.[2] Auch die Glocken der evangelischen Lutherkirche in der Oststadt wurden zum Einschmelzen abgegeben[3]; ebenso die der evangelischen Auferstehungskirche in Rüppurr.[4]

Das Goethe-Schulhaus wurde zu Kriegsbeginn zur Kaserne.[5]

In der Nähmaschinenfabrik Haid & Neu musste die Produktion auf Rüstungsaufträge umgestellt werden. Da die männlichne Mitarbeiter größtenteils eingezogen waren, arbeiteten in der Fabrik nun überwiegend Frauen unter äußerst harten Arbeitsbedingungen. Am Großherzoglich-Badischen Lehrerinnen-Seminar vertrat während des Krieges die Komponistin und Geigerin Margarete Schweikert (1887–1957) den eingezogenen Violinlehrer.[6]

Der Karlsruher Mundartdichter und Kaufmann Fritz Römhildt (1857–1933) veranstaltete am Lidellplatz wöchentliche Konzerte für die im dortigen Lazarett Liegenden.

Während des Ersten Weltkrieges tat sich der von Anna Zeiser (1861–1947) geführte Vincentiusverein durch die Herstellung von Decken und durch Lebensmittelversorgung hervor. Zeiser leitete zudem die Fürsorgearbeit der Vereinigten Frauenvereine Bruchsals.

Auch das Vereinsleben und der Sport sind vom Krieg betroffen: Der Kriegsausbruch im August 1914 bringt den Spielbetrieb beim FC Germania Friedrichstal 1913 zum Erliegen. Die Fastnacht fällt während des Krieges aus – und wird in Karlsruhe bis 1925 nicht mehr gefeiert.[7] Auch die musikalische Arbeit des Musikverein Hügelsheim wird unterbrochen.

Während des Krieges findet keine Gernsbacher Konvention statt.

nach dem Krieg

Nach dem Ersten Weltkrieg waren Handelsbeziehungen Richtung Westen kaum noch möglich und aus dem Elsass konnte keine billige Braugerste mehr bezogen werden; dies führte in Karlsruhe zur Schließung von Brauereien. Die Gebäude des Zeughauses werden der Universität übereignet.

Frankreich baut nach dem Krieg die Maginot-Linie.

Der bereits 1876 in die USA ausgewanderte gebürtige Bruchsaler John Bopp (1858–1936) unter­stützt in der Not­zeit nach dem Krieg aus ei­genen Mitteln und aus gesammelten Spenden soziale Einrichtungen in seiner Geburtsstadt. Schwerpunkte setze er hierbei auf die Unterstützung von Kindern und alten Menschen.

Erinnerung

Denkmal der Stadt
Denkmal der Stadt
Gefallenendenkmal Bietigheim
Gefallenendenkmal Bietigheim
jüdische Gedenktafel
jüdische Gedenktafel

Den Gefallenen wird alljährlich im November am Volkstrauertag gedacht.

95 Jahre nach Kriegsbeginn 1914 nahm am 11. November 2009, dem 91. Jahrestag des Waffenstillstands von 1918, Karlsruhes Oberbürgermeister Heinz Fenrich in Paris an den dortigen Gedenkfeiern (in Frankreich ist der 11. November ein Feiertag!) teil und erklärte dazu, er sehe „darin auch eine Bestätigung für die besondere, aktive Rolle, die Karlsruhe und die gesamte Region bei der Annäherung zwischen Frankreich und Deutschland gespielt haben.“

Denkmäler

Nach dem Krieg wurden in Karlsruhe und der Region zahlreiche Denkmäler errichtet:

Kriegsgräber und Friedhöfe

Auf dem Friedhof Bulach befindet sich eine Gräberreihe mit Kreuzen und einer großen Gedenktafel für die Bulacher Gefallenen des Ersten Weltkrieges; auf dem Friedhof Durlach-Aue eine Gedenktafel für die Gefallenen des Ersten Weltkriegs.

Auf der Ostseite der Vogesen finden sich große Kriegsfriedhöfe.

Straßennamen

Nach Schlachten des Krieges wurden in Karlsruhe folgende Straßen und Plätze benannt:

Nach dem 1915 als Kompanieführer im 1. Badischen Leib-Grenadier-Regiment Nr. 109 bei den Kämpfen um die Loretto-Höhe gefallenen Oberbaurat Prof. Friedrich Ostendorf wurden in Rüppurr der Ostendorfplatz noch im selben Jahr und 1974 auch die Ostendorfstraße benannt.

Zwei weitere Straßen tragen die Namen von im Ersten Weltkrieg Gefallenen:

  • Nach dem 1914 am 26. September bei Reims gefallenen Dichter Hermann Löns wurde 1935 die Lönsstraße in Knielingen benannt, die bis dahin Gutenbergstraße hieß.
  • Die Franz-Marc-Straße in Durlach wurde 1972 nach dem expressionistischen Maler und Graphiker Franz Marc benannt, der am 4. März 1916 bei Verdun fiel.

Fünfzig Jahre nach Kriegsbeginn 1914 wurden 1964 in Karlsruhe auf dem Bergwald zwei Straßen nach Personen benannt, die auch in Zusammenhang mit dem Ersten Weltkrieg stehen:

  • die Fridtjof-Nansen-Straße nach dem Polarforscher und Friedensnobelpreisträger (1922) Fridtjof Nansen (1861–1930), der nach dem Krieg als Hochkommissar des Völkerbundes für Flüchtlingsfragen half, dass innerhalb von 18 Monaten mehr als eine halbe Million Kriegsgefangene aus 26 Nationen in ihre Heimat zurückkehren konnten; und
  • die Elsa-Brändström-Straße nach der als "Engel von Sibirien" bekannten Schwedin Elsa Brändström (1888–1948), die durch ihren selbstlosen Einsatz für die Kriegsgefangenen in den russischen Gefangenenlagern des Ersten Weltkrieges prominent wurde.

Kasernennamen

Nach Heerführern des Krieges wurden in Karlsruhe folgende Kasernen benannt:

  • die Mackensen-Kaserne 1938 nach Generalfeldmarschall August v. Mackensen (1849–1945)
  • die Mudra-Kaserne nach dem General der Infanterie Bruno v. Mudra (1851–1931)

Ausstellungen

Dauerausstellungen
Mehrere Museen in der Region beschäftigen sich auch mit dem Ersten Weltkrieg:
  • Im Wehrgeschichtlichen Museum in Rastatt gibt es einen Raum mit Schwerpunkt Erster Weltkrieg. Dazu gehört auch ein lebensgroßes Diorama „Blick in einen Schützengraben“.
  • In Karlsruhe haben sowohl das Stadtmuseum im Prinz-Max-Palais als auch das Badische Landesmuseum im Karlsruher Schloss eine Ecke zum Ersten Weltkrieg in den Samlungsausstellungen eingerichtet.
Sonderausstellungen
Vom 15. September 2007 bis 3. Februar 2008 zeigte das Wehrgeschichtliche Museum in Rastatt die Sonderausstellung „1917 – Jahr des Panzers“. Begleitend erschien ein Katalog (-> siehe unten, Abschnitt Literatur)

Aktuell

  • VortragDer Erste Weltkrieg im historischen Kontext“ von Prof. Rolf Peter Sieferle, Universität St. Gallen, am Montag, 1. Februar 2010 in Karlsruhe, um 14:00 Uhr im Hörsaal im Architekturgebäude der Universität. Der Vortrag im Rahmen der Vorlesung „Der Erste Weltkrieg“ steht auch jenen offen die nicht die Vorlesung besuchen.[8]

Personen

Kaiser Wilhelm II. (rechts) mit GFM v. Hindenburg während des Krieges
Kaiser Wilhelm II. (rechts) mit GFM v. Hindenburg während des Krieges
Der Abgeordnete Ludwig Marum MdL (1882–1934) 1915 als Trainsoldat
Der Abgeordnete Ludwig Marum MdL (1882–1934) 1915 als Trainsoldat

Kriegsteilnehmer mit Artikel im Stadtwiki:

Der Jurist Dr. iur. Adolf v. Grolman, von 1914 bis 1916 Schriftführer und Gesamtvorstandsmitglied des Badischen Landesvereins vom Roten Kreuz wird im Ersten Weltkrieg mit dem badischen Kriegshilfekreuz ausgezeichnet.

Gefallene

am Ettlinger Rathausturm mahnt ein Infanterist: „Habt Ehrfurcht vor den Toten“
am Ettlinger Rathausturm mahnt ein Infanterist: „Habt Ehrfurcht vor den Toten“

Der großherzoglich-badische Kammerherr Dr. iur. Eugen v. Freydorf fiel als Hauptmann d. Res. im Leibgrenadierregiment am 31. Oktober 1914 in Flandern. Robert Sinner jun. (der Bruder von Rudolf Sinner) fiel als Soldat gleich zu Beginn des Ersten Weltkrieges. Joseph Werner aus Rust – der Ehemann von Anna Werner (1889–1985) und Vater von Josef Werner (*1914) – fiel mit nur 28 Jahren.[10] Auch der Ehemann von Anna Leimbach (1887–1965) kam im Ersten Weltkrieg ums Leben. Anna Zeiser (1861–1947) verlor einen Sohn, Karl, der im Oktober 1914 fiel.

In den Reihen von Unternehmen und Vereinen riss der Krieg Lücken: Der Musikverein 1886 Grötzingen hatte fünf Tote zu betrauern. Auch die Orgelbauanstalt H. Voit und Söhne verlor einige Mitarbeiter. Die „Deutsche Eisenbahnsignalwerke AG" (heute Siemens Technopark Bruchsal GmbH & Co. KG) verlor 68 Mitarbeiter.

aus dem Umland...

100 Linkenheimer Kriegsteilnehmer mussten im Ersten Weltkrieg ihr Leben lassen. Aus Spöck kehrten 64 nicht zurück. [11] Neuthard hatte 35 Todesopfer zu verzeichnen.


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Zahlen für Hochstetten, Bruchsal, Ettlingen, Baden-Baden und Rastatt

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...und den heutigen Stadtteilen

103 Soldaten aus Teutschneureut und 45 aus Welschneureut fallen.[12] Aus Grötzingen fielen 153[13] und aus Stupferich 26[14] Soldaten. 132 Knielinger kommen um.[15]

Siehe auch

Plakat Artillerie-Stellungen am Rennbuckel
Plakat Artillerie-Stellungen am Rennbuckel

Literatur

  • Rudolf v. Freydorf: „Die Erzwingung des Sommeübergangs in der "großen Schlacht in Frankreich" am 23./24. März 1918“, Karlsruhe 1939
  • Hans Schmidt: „Badische Leibgrenadiere bei Loretto.“ Nach den Aufzeichnungen des inzwischen auf dem Felde der Ehre gefallenen Leutnant d. R. und Kompagnieführer H. Schmidt herausgegeben von Major a. D. Piper, Lille: Verlag der Liller Kriegszeitung, 1917
  • Richard Volderauer: „Neun Monate an der Westfront. Aus dem Kriegstagebuch eines badischen Leibgrenadiers“, Heilbronn 1916
  • Kameradschaft Badischer Leibgrenadiere: „Ehrentafel des 1. Badischen Leib-Grenadier-Regiments Nr. 109: Die Toten des Weltkrieges“, Karlsruhe 1937
  • Josef Münch: „Bruchsal im Weltkrieg 1914–1920“, Verlag Glaser & Sulz, Stuttgart, 1921
  • Flugblatt „Deutschlands moralische Aufgabe im Weltkrieg“ (über zwei Kundgebungen des Prinzen Max von Baden), Weimar 1918
  • Thomas Madeja: „1917 – Jahr des Panzers, Beginn eines Mythos“, Katalog zur Sonderausstellung vom 15.9.2007 bis 3.2.2008 im Wehrgeschichtlichen Museum Rastatt, Rastatt 2007

Aufsätze:

  • Robert Albiez: „Prinz Max von Baden und sein Ringen um einen Verständigungsfrieden 1917/18 : zum 60. Todestag am 6.11.1929“, in: Badische Heimat, 70. (1990), Seiten 147 – 158
  • Rainer Brüning und Manfred Hennhöfer: Baden im Ersten Weltkrieg: die Neuerschließung des XIV. Armeekorps im Generallandesarchiv Karlsruhe hat begonnen“, in: Archivnachrichten Landesarchiv Baden-Württemberg, 37 (2008), Seite 20

Regimentsgeschichten

von Truppenteilen aus der Region[16]:

Archivalien

Generallandesarchiv Karlsruhe:
Die Bestände im Generallandesarchiv zum XIV. Armeekorps, die auch die Zeit des Ersten Weltkriegs einschließen, umfassen 1.200 Regalmeter und sind von überregionaler, nationaler Bedeutung, da Unterlagen zu dieser Zeit in anderen Archiven meist im Zweiten Weltkrieg (1939–1945) vernichtet wurden.[17]
Stadtarchive in der Region Karlsruhe:


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Stadtarchiv Karlsruhe, Stadtarchiv Ettlingen etc.

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Weblinks

Fußnoten

  1. vgl. Kurt Kranich: Karlsruhe: Schicksalstage einer Stadt, Karlsruhe (Badische Neueste Nachrichten, Badendruck) 1973, Seite 75, sowie Dittmar Dahlmann: Kinder und Jugendliche in Krieg und Revolution: vom Dreissigjährigen Krieg bis zu den Kindersoldaten Afrikas (=Krieg in der Geschichte, Band 7) Paderborn (Schöningh) 2000 ISBN 3506744763 und ISBN 9783506744760, Seiten 86 und 89 sowie Dr. Josef Münch: "Bruchsal im Weltkrieg 1914-1920", Verlag Glaser & Sulz, Stuttgart, 1921 Seite 43
  2. www1.karlsruhe.de/Historie/Denkmaltag/peterpaul.php
  3. www.karlsruhe.de/kultur/stadtgeschichte/denkmaltag/2008/oststadt/lutherkirche.de
  4. www.karlsruhe.de/kultur/stadtgeschichte/denkmaltag/2007/rueppurr/auferstehungskirche.de
  5. Geschichte: Goethe-Schulhaus 100 Jahre alt, in: StadtZeitung vom 18. Juli 2008
  6. Birgitta Schmid: Margarete Schweikert, in: Blick in die Geschichte Nr. 83 vom 19. Juni 2009
  7. 1. Große Karnevals-Gesellschaft Karlsruhe 1902#Geschichte
  8. Institut für Geschichte: www.RZ.Uni-Karlsruhe.de/~geschichte/index.php?page=moeser
  9. Die offizielle Webpräsenz der Stadt Karlsruhe zum Thema „Hohenwettersbach und die Familie Schilling von Canstatt“
  10. Josef Werner: Anna Werner, in: Blick in die Geschichte Nr. 65 vom 17. Dezember 2004
  11. Gefallenendenkmal Spöck – Inschrift auf der linken Seite
  12. Karlsruhe.de: Neureuter Chronik
  13. Karlsruhe.de: Zur Geschichte Grötzingens
  14. Karlsruhe.de: Stupfericher Chronik
  15. Karlsruhe.de: Knielinger Chronik
  16. vgl. Friedensstandorte in XIV. Armeekorps#Einheiten
  17. www.Erster-Weltkrieg.clio-online.de/site/lang__de-DE/mid__12116/ModeID__0/PageID__146/40208736/default.aspx
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