Wilhelm II.

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Wilhelm II.
Wilhelm II. eröffnet den Reichstag; in weißer Uniform: Reichskanzler Fürst Bismarck (Gemälde Anton v. Werners, 1888)
Großes Kaiserwappen unter Wilhelm II.

Wilhelm II. (* 27. Januar 1859 in Berlin; † 4. Juni 1941 in Doorn, Königreich der Niederlande) war Deutscher Kaiser und König von Preußen.

Der Geburtstag des Kaisers wurde auch im Großherzogtum Baden als Kaisers Geburtstag begangen.

Während des Ersten Weltkrieges (1914 bis 1918) machten die Vereinigten Staaten es zur Bedingung für Waffenstillstandsverhandlungen, dass Wilhelm II. nicht mehr Kaiser wäre. Schließlich gab der Reichskanzler, Prinz Max von Baden (1867–1929), am 9. November 1918 in Berlin eigenmächtig die gar nicht vorhandene Abdankung Wilhelms II. bekannt, die in allen Zeitungen verbreitet wurde. Generalfeldmarschall v. Hindenburg (1847–1934) drängte den Kaiser daraufhin zum Übertritt in die neutralen Niederlande.

Während der Zeit der sogenannten Weimarer Republik war auch in Baden der 1918/’19 gegründete „Bund der Aufrechten“ für die Rückkehr Wilhelms II. auf den Thron aktiv.

Leben und Wirken

Als Achtjähriger unternahm der damalige Prinz Wilhelm von Preußen mit seinem Erzieher Georg Hinzpeter (1827–1907) und dem späteren Großherzog Friedrich II. eine Wanderung, über die er fast 60 Jahre danach in seiner Autobiographie „Aus meinem Leben“ (1926) schreibt:

„Auf einer Fußwanderung mit Hinzpeter und dem mit mir ungefähr gleichaltrigen Erbgroßherzog Friedrich, nachmaligem Großherzog von Baden, lernte ich im Sommer 1867 den schönen Schwarzwald kennen. Der Zauber der noch nie geschauten Berge, das geheimnisvoll düstere Rauschen der hohen Tannen und das leise Plätschern der Quellen machte auf mein Kindergemüt starken Eindruck. Auch entsinne ich mich, daß wir einmal einen Fernblick auf den Hohenzollern gehabt haben, so daß ich damals zum ersten Male die Stammburg meines Geschlechtes[1] zu sehen bekam. Auch daß wir eine Uhren- und eine Zigarettenfabrik besucht haben, ist mir deutlich in Erinnerung geblieben. Ich weiß auch noch, wie beschwerlich es für mich auf der Wanderung bei der großen Hitze war, daß Hinzpeter uns das Wassertrinken unterwegs verboten hatte. Es entsprang das einer veralteten hygienischen Anschauung der damaligen Zeit, die auch im Kriege 1866 viele Opfer gefordert hat; erst später erkannte man, daß der menschliche Körper auf dem Marsche der Flüssigkeit bedarf [...]“ (Seite 42 f.)

Im September 1885 war Prinz Wilhelm, damals Major, während der großen Herbstübungen zur Dienstleistung beim Generalkommando des XIV. Armeekorps kommandiert.[2] Er erinnerte sich später in seinen Memoiren „Aus meinem Leben“ daran:

„Während des Kaisermanövers wurde ich zum Stab des Generals v. Obernitz, Kommandierendem General des XIV. Armeekorps, kommandiert. In dem abwechslungsreichen Gelände zwischen Karlsruhe und Ettlingen zeigten sich die Truppen in bester Verfassung. Die von Oberst Edler von der Planitz, dem späteren Generalinspekteur der Kavallerie, kommandierte Kavalleriebrigade zeichnete sich durch schneidige Attacken besonders aus. Auf der Höhe von Ettlingen erhielt ich am 16. September, dem letzten Manövertage, die Allerhöchste Kabinettsorder mit der Ernennung zum Kommandeur des Garde-Husarenregiments unter Beförderung zum Oberst. Planitz war der erste, der mir gratulierte.
[...] Ich begleitete dann meinen Großvater zu den Kaisermanövern des XIII. Armeekorps nach Stuttgart.“
(Seite 210 f.)

ab 1888

Wilhelm II. (ganz links im Bild) 1908 beim Kaisermanöver in Elsaß-Lothringen.

Am 4. Mai 1890 unterzeichnete Kaiser Wilhelm II. die Order, die Bundesfestung Rastatt aufzugeben.

Am 18. Dezember 1895, dem 25sten Jahrestag der Schlacht bei Nuits, stellte Wilhelm II. Seine Großherzogliche Hoheit den Prinzen Wilhelm von Baden (1829–1897) à la suite des 1. Badischen Leib-Grenadier-Regiments Nr. 109. Gleichzeitig verlieh er dem Prinzen, der damals in jener Schlacht schwer verwundet worden war, den Orden pour le Mérite, die höchste preußische Tapferkeitsauszeichnung.

Anlässlich des 100. Geburtstages seines Großvaters, Kaiser Wilhelms I. stiftete Kaiser Wilhelm II. am 22. März 1897 die als Centenarmedaille bekannte „Medaille zur Erinnerung an des Hochseligen Kaisers und Königs Wilhelm I., des Großen, Majestät“[3], die auch an badische Militärangehörige verliehen wurde.

Die von Wilhelm II. verliehene Fahne des Badischen Fußartillerie- Regiments Nr. 14

Am 18. April 1900 verlieh Wilhelm II. dem zum XIV. Armeekorps gehörenden Badischen Fußartillerie-Regiment Nr. 14, das in Straßburg garnisonierte, eine mit dem badischen Wappen und dem Namenszug Großherzog Friedrichs (I.) geschmückte Fahne.

„Ich verleihe dem Badischen Fußartillerie-Regiment Nr. 14 ein Fahne. Ich lasse diesen Beweis Meiner besonderen Königlichen Gnade dem Regiment heute, am Tage der Erstürmung der Düppeler Schanzen, in der zuversichtlichen Erwartung zuteil werden, daß es seine Fahne stets in hohen Ehren halten und [...]zum Ruhme des Heeres führen wird.“[4]

heißt es dazu in der Allerhöchsten Kabinetts-Ordre.

Für Kaiser Wilhelm II. wurde 1903 der Forchheimer Bahnhof als "Staats"-Bahnhof erbaut. Grund für den Bau war der nahegelegene Exerzierplatz der Karlsruher Garnison der nach Manövern regelmäßig von Wilhelm II. besucht wurde.

Zehn Jahre später verlobte sich 1913, dem Jahr des Silbernen Thronjubiläums des Kaisers, am 11. Februar in Karlsruhe sein jüngstes Kind und einzige Tochter Prinzessin Viktoria Luise (1892–1980) mit Prinz Ernst August von Hannover (1887–1953).

Wilhelm II. (rechts) mit GFM v. Hindenburg, während des Ersten Weltkriegs (1914–’18)

Zu Beginn des Ersten Weltkrieges erneuerte Wilhelm II. 1914 das Eiserne Kreuz.

In der Nachfolge seines Großvaters Wilhelm I. war Wilhelm II. Chef des 1852 aufgestellten 2. Badischen Grenadier-Regiments „Kaiser Wilhelm I.“ Nr. 110, das in Mannheim und Heidelberg (II. Bataillon, ab 1881. Zuvor lag es in Durlach) garnisonierte.

Im Wehrgeschichtlichen Museum im Rastatter Schloss wird eine Uniform Wilhelms II. vom Regiment Garde du Corps gezeigt. Das Museum verwahrt auch den militärischen Nachlass seiner Tochter Viktoria Luise (1892–1980).

Im Elsass trägt die Feste Kaiser Wilhelm II. in Mutzig seinen Namen.[5]

Kaiser Wilhelm II. war Protektor des Johanniterordens.

Anders als sein Vater und sein Großvater war Wilhelm II. kein Freimaurer.

Besuche in Karlsruhe

1907 zur Beisetzung Friedrichs I.: Der Kaiser führt den Trauerzug an
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Wilhelm II. kam erstmals am 19. August 1889, also gleich im ersten Jahr seiner Herrschaft, nach Karlsruhe. In der Haupt- und Residenzstadt des Großherzogtums Baden wurde er unter anderem von 20.000 ehemaligen badischen Soldaten empfangen. Wilhelm II. kommt bis 1914 noch dreißig Mal nach Karlsruhe[6], insbesondere 1907 anlässlich des Todes Friedrichs I. (1826–1907).

1904 besuchte der Kaiser zusammen mit Seiner Gemahlin Kaiserin Auguste Viktoria die Großherzogliche Majolika-Manufaktur.[7]

Für im Karlsruher Generallandesarchiv verwahrte Bestände zu Besuchen Wilhelms II. in Karlsruhe siehe unten den Abschnitt Archivalien.

Photographie und Film

Kaiser Wilhelm II. war während seiner Regierungszeit die meistphotographierte und meistgefilmte Person der Welt (Auch in Karlsruhe war Wilhelm II. auf bewegten Bildern zu sehen: So wurde beispielsweise im 1907 von Otto Alban Kasper in der Waldstraße 26 eröffneten Kinematograph der Kurzfilm „Der deutsche Kaiser in England – Ankunft in Portsmouth“ gezeigt). Er gilt deshalb heute als der erste „Medienstar“. – Bei den Karlsruher Stummfilmtagen 2008 („112 Jahre Film in Karlsruhe“) waren daher am Samstag 6. September 2008 im Rahmen des Programmpunktes „Filme des frühen Kinos zwischen 1894 und 1910“ auch die Aufnahmen „Kaiser Wilhelm II. und Zar Nikolaus II. zu Pferde in Breslau” sowie „Kaiserparade mit Zar Nikolaus II. in Görlitz” zu sehen.[8]

Der Photograph Wilhelm Kratt (1869–1949) dokumentierte im Auftrag von Kaiser Wilhelms II. das Schloss Hornegg bei Heilbronn.[9]

Wilhelm II. auf dem Reservistenbild eines Soldaten vom Bad. Train-Bataillon Nr. 14 aus dem Jahr 1900...
...und auf einem Reservistenbild des Feld-Artillerie-Regiments „Großherzog“ (1. Badisches) Nr. 14 um 1910 (unten)

Familie und Verwandtschaft mit dem Haus Baden

Prinz Wilhelm 1888 am Sterbebett Kaiser Wilhelms I. (Gemälde Anton v. Werners, 1898)
Die Verlobung des Bruders am Geburtstag des Großvaters. Rechts im Bild Prinz Wilhelm, der spätere Wilhelm II.
Die Großmutter: Kaiserin Augusta
Die Kaiserliche Familie

Wilhelm II. war ein Enkel Wilhelms I. (1797–1888) und der Kaiserin Augusta (1811–1890). Er war somit der Neffe der Großherzogin Luise von Baden, Prinzessin von Preußen (1838–1923), der einzigen Tochter Wilhelms I., und ein Cousin Großherzog Friedrichs II. von Baden (1857–1928).

Nach Kaiserin Auguste Viktoria (1858–1921), der Gemahlin Wilhelms II., ist in Bruchsal die Viktoriastraße benannt.

Nach beider gemeinsamen erstgeborenen Sohn, Prinz Wilhelm von Preußen (* 6. Mai 1882 Potsdam; † 20. Juli 1951 in Hechingen, Baden-Württemberg) – seit 15. Juni 1888 Kronprinz des Deutschen Reiches und von Preußen – wurde 1911 die Kronprinzenstraße in Beiertheim benannt.

Einer der Hofprediger des Kaisers war Emil Frommel (1828–1890).

Mehrere familiäre Ereignisse hielt der Maler Anton v. Werner (1843–1915) im Bild fest, darunter auch die Verlobung des Prinzen Heinrich (= jüngerer Bruder des späteren Kaisers Wilhelm II.) am 90. Geburtstag Kaiser Wilhelms I. 1887

Literatur

(Auswahl)

  • Max Barack: „Die deutschen Kaiser”, 1888
  • Rudi Dorsch: Kaiser Wilhelm II. und das Heidelberger Schloss : 1913 stimmte er den Argumenten der Wiederaufbau-Gegnern zu, in: Unser Land (2007), Seiten 231 – 234
  • Ulrich Feldhahn: Im Bann des Kaisers: Fürst Max Egon II. und das Haus Fürstenberg im Wilhelminischen Zeitalter, in: Schönes Schwaben, 14/15. (2000), 7/8, Seiten 18 – 20
  • Georg Goerlipp: Das Luftschiff Z 1 über Donaueschingen: Kaiser Wilhelm II. und Graf Zeppelin zu Gast bei Fürst Max Egon II. vor 75 Jahren in: Schwarzwald-Baar-Kreis: „Almanach“ (Heimatjahrbuch des Schwarzwald-Baar-Kreises), 9. (1985), Seiten 128 – 131
  • Ulrich Herr: Des Kaisers "alte" Kleider im Badischen Armeemuseum, in: Der Bote aus dem Wehrgeschichtlichen Museum, Nr. 40 (2002), Seiten 12 – 14
  • Bernhard Mann: Kaiser Wilhelm II., König Wilhelm II. von Württemberg und die Zukunft der Monarchie um 1900, in: Zeitschrift für württembergische Landesgeschichte, 68. (2009), Seiten [377] – 390
  • John C. G. Röhl: Kaiser Wilhelm II., Großherzog Friedrich I. und der "Königsmechanismus" im Kaiserreich : unzeitgemäße Betrachtungen zu einer badischen Geschichtsquelle, in: Historische Zeitschrift, Nr. 236 (1983), Seiten 539 – 577

In dem von Heinz Schmitt herausgegebenen Buch „Denkmäler, Brunnen und Freiplastiken in Karlsruhe 1715-1945“ (Band 7 der Veröffentlichungen des Karlsruher Stadtarchivs, 2. Auflage, Karlsruhe 1989; ISBN 3761702647) wird Wilhelm II. auf den Seiten 55, 113 f., 376 und 538 erwähnt.

Archivalien

Im Karlsruher Generallandesarchiv

Weblinks

Fußnoten

  1. = Die Burg Hohenzollern, eines der meistbesuchten Ausflugsziele in Baden-Württemberg. – Zu ihr siehe auch: Die deutschsprachige Wikipedia zum Thema „Burg Hohenzollern“
  2. Kapitel Der Chef der Armee: Kaiser Wilhelm II. (Seiten 5–9), in: Klaus v. Bredow und Ernst v. Wedel: Historische Rang- und Stammliste des deutschen Heeres, Berlin (Scherl) 1905
  3. Siehe allgemein zu dieser: Die deutschsprachige Wikipedia zum Thema „Zentenarmedaille“
  4. zitiert nach: „Badische Fahnen und Standarten“ („Amtliche Veröffentlichung des Armeemuseums Karlsruhe“, Karlsruhe 1936), Seite 30
  5. Siehe zu dieser: Die deutschsprachige Wikipedia zum Thema „Feste Kaiser Wilhelm II.“ und Offizielle Webpräsenz „Feste Kaiser Wilhelm II.“
  6. Die offizielle Webpräsenz der Stadt Karlsruhe zum Thema „Stadtchronik Karlsruhe: Die Jahre 1880 bis 1889“
  7. Bad. Landesmuseum Karlsruhe (Hrsg.): „Karlsruher Majolika: Führer durch das Museum in der Majolika (ISBN 3881903682 u. ISBN 9783881903684), Seite 11
  8. Die offizielle Webpräsenz Karlsruher-Stummfilmtage.de zum Thema „Karlsruher Stummfilmtage 2008“
  9. Die offizielle Webpräsenz der Stadt Karlsruhe zum Thema „Wilhelm Kratt, Schöpfer des badischen Denkmälerarchivs. Ausstellung vom 6. Juni bis 23. August 2009 im Stadtmuseum im Prinz-Max-Palais“
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