Neuthard

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Das Wappen
Lage von Neuthard in Karlsdorf-Neuthard
Ortsansicht von Spöck aus

Neuthard ist ein Ortsteil von Karlsdorf-Neuthard mit etwa 3.800 Einwohnern (Stand: 31.12.2006).

Geografie

Nächstgelegener Fluss ist die Pfinz, die gleichzeitig eine Gemarkungsgrenze darstellt. Zu den in unmittelbarer Umgebung gelegenen Naherholungsgebieten zählt der Sieben-Erlen-See.

Geschichte

Die erste urkundliche Erwähnung datiert vom 22. Mai 1281 unter dem Namen „Nithart“, als der Edelherr Otto von Bruchsal an das Domkapitel von Speyer verkaufte. Eine einheitliche Schreibweise gab es in der Folgezeit nicht, sie konnte innerhalb eines Jahres auf unterschiedlichen Urkunden variieren.

Ab 1394 wurde der Ort mehrfach verpfändet, kam aber spätestens 1483 wieder zurück ans Hochstift. Das älteste Einwohnerverzeichnis stammt aus dem Jahre 1495, das allerdings auch ohne genaue Trennung die Bewohner von Büchenau auflistet. So stammt die früheste gesicherte Einwohnerzahl aus dem Jahre 1530, als anlässlich einer Volkszählung im Hochstift ein Einwohnerverzeichnis aufgestellt wurde. Neuthard zählte damals 160 Einwohner in 28 Haushalten. Neuthard war damals bereits frei von Leibeigenschaft; die meisten Bewohner genossen Bruchsaler Bürgerrecht.

Im Zusammenhang mit dem Dreißigjährigen Krieg gerieten Neuthart und die umliegenden Gemeinden früh in Bedrängnis. Im Oktober 1619 wurde der Ort von badischen Soldaten überfallen und beraubt. Ein Jahr später wurde Neuthard von den Truppen Grafs Ernst von Mansfeld niedergebrannt. 1645 bis 1652 war Neuthard zusammen mit Büchenau und Altenbürg an den Freiherrn Philipp Franz von Sötern, einem Verwandten des regierenden Speyerer Bischofs Philipp Christoph von Sötern, verpfändet. Überliefert ist eine Klage der Gemeinde, wonach die geforderten Abgaben ebensowenig aufgebracht werden konnte den verlangten Frondienst leisten konnte, da das Dorf sich in einem Elendszustand befände. Im Pfälzischen Erbfolgekrieg wurde Neuthard abermals in Mitleidenschaft gezogen.

Kurz nach Amtsantritt Kardinals Damian Hugo von Schönborn wurde das Schloss Altenbürg ausgebaut, wofür Neuthard Land abtreten musste. Die Streitigkeiten um die zugesagten Ersatzländereien zogen sich bis 1757 hin. Streit gab es ebenfalls im Zusammenhang mit den von Schönborn veranlassten Reformen, insbesonders wegen der neuen Waldverordnung, die das Weiden des Viehs im Wald strenger als bisher reglementierte, und wegen der Abgaben. 1743, kurz nach Schönborns Tod, versuchte Neuthard gemeinsam mit Büchenau zu intervenieren, blieb jedoch erfolglos. 1744, im Österreichischen Erbfolgekrieg, lagerten bayrische Truppen bei Neudorf und versuchten wiederholt Neuthard zu plündern, wurden jedoch jedes mal von kaiserlichen Truppen daran gehindert. Zwischen 1759 und 1762 quartierten sich im Zuge des Siebenjährigen Krieges französische Truppen ein, die daraus resultierende zunehmende Not nahmen einige Neutharder Familien zum Anlass nach Ungarn auszuwandern. Diese Not kehrte in den 1790er Jahren wieder, als sowohl französische Besatzer als auch Kaiserliche Truppen hohe Abgaben verlangten.

1802 besetzten badische Truppen im Zuge des sich ankündigenden Reichsdeputationshauptschlusses die rechtsrheinischen Gebiete des Hochstifts Speyer. Neuthard schwor den neuen Machthabern am 30. November 1802 den Treueeid.

Neuer Gesetzgebung folgend, trat 1839 erstmals ein Gemeinderat in Neuthard zusammen. Von einer einmaligen Personalie abgesehen wurden aber bis 1846 keinerlei Beschlüsse gefasst, anschließend wurden die Sitzungen vorübergehend nicht mehr protokolliert.

Die Badische Revolution ging an Neuthard völlig vorbei, von einem kleinen Scharmützel zwischen Karlsdorf und Neuthard abgesehen, das in der Nacht vom 20. auf den 21. Juni 1849 stattfand und an dem der Politiker Friedrich Engels Anteil hatte.

Zwischen 1858 und 1874 erlebte Neuthard eine Ausreisewelle nach Brasilien, überwiegend in das erst wenige Jahre zuvor gegründete Dorf Brusque. Nachwirkungen dieser Auswanderungen waren bis in die 1970er Jahre hinein zu spüren, denn der in Neuthard geborene Adrian Schäfer war 1895 Bürgermeister von Brusque geworden, wie anschließend viele seiner Nachkommen. Nach einigen dieser Bürgermeister sind später Straßen in Brusque benannt worden.

Im traditionell landwirtschaftlichen Neuthard gewann ab etwa 1850 der Tabakanbau zunehmend an Bedeutung. Zeitweise waren 90 % aller Landwirtschaftsbetriebe im Ort auf Tabak ausgerichtet und es gab sechs Zigarrenfabriken im Ort. Die entscheidende Wende setzte nach einem großen Ernteausfall im Jahr 1960 ein, der letzte Betrieb stellte 1975 die Arbeit ein. Neuthard hatte sich zu diesem Zeitpunkt bereits zu einem Ort entwickelt der vorwiegend als Wohnstätte für Mitarbeiter umliegender Fabriken diente.

Im Rahmen der Pfinz-Saalbach-Korrektion veränderte sich die Neutharder Gemarkung mehrfach, bis sie 1960 schließlich in diesem Zusammenhang deutlich vergrößert wurde.

Von den militärischen Auseinandersetzungen des Zweiten Weltkrieges und der anschließenden Besatzung blieb Neuthard weitgehend unbehelligt, die örtliche Ordnung war zudem bereits vor den dafür vorgesehenen Verordnungen der Besatzungsmacht wiederhergestellt. Die vorgeschriebene Aufnahme Heimatvertriebener und später der allgemeine Bevölkerungswachstum sorgten ab 1946 für einen Bauboom. Zwischen 1948 und 1975 wuchs die bebaute Wohnfläche von rund 20 ha auf etwa 68 ha an, Sport- und Gewerbeflächen nicht mitgerechnet.

Die Infrastruktur Neuthards entwickelte sich hingegen eher langsam. Mit der Elekrifizierung wurde im Mai 1920 begonnen, eine zentrale Wasserversorgung gab es ab 1959.

Als Anfang der 1970er Jahre die Gemeindereform diskutiert wurde, orientierte sich Neuthard zunächst nach Spöck. Die von Bruchsal forcierte Eingemeindung wurde abgelehnt. Anfang 1974 wurden jedoch die zunächst unverbindlich geführten Gespräche mit Karlsdorf konkret, und im April beschloss der Gemeinderat der Zusammenschluss mit Karlsdorf, der zum 1. Januar 1975 vollzogen wurde.

Kirchen und -gemeinden

und Soziales:

Vereine

Siehe: Verein in Karlsdorf-Neuthard

Literatur

Bilder