Nähmaschinenfabrik Haid & Neu

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Ehemaliges Magazingebäude, Haid-und-Neu-Straße 5a

Die Karlsruher Georg Haid und Carl Wilhelm Neu gründen am 14. April 1860 eine Reparaturwerkstatt für Nähmaschinen. Bereits 1862 stellen sie erste Nähmaschinen her.

Produkte

Die Maschinen hatten Namen wie Badenia, Bharat Mata, Original Badenia , Carlton, The Coronet, Cehaspol, Christo, Durance, Durex, Ekzena, Emu, Estrella, Eterna, Flower, Hanu, Gazelle, Gimpex, Guelar, Maharani, Majex, Margot, Mercedes, Miabella, Neuhaid, Novata, Perlios, Pickuett, Plejade, Rex, Romstar, Segura, Senior, Solidarität, Superso, Svelta, Torpedo, Triumf, Tyba, Velma, Vici und Zion. [1]

Geschichte

Ehemaliges Magazingebäude, Haid-und-Neu-Straße 5a

19. Jahrhundert

Nachdem Baden 1835 dem Zollverein beigetreten ist, entwickelt sich Karlsruhe sehr schnell bis zum Ende des 19. Jahrhunderts von einer Beamtenstadt zu einem der wichtigsten industriellen Zentren des Großherzogtums. Die wichtigsten Zweige sind die Metall- und Maschinenbauindustrie.

1860 eröffnen die Mechaniker Haid und Neu eine Werkstatt in der Waldstraße, 1862 beginnen sie mit der Nähmaschinenherstellung. Zunächst werden die Werkzeugmaschinen noch in Hand- und Fußbetrieb bedient, 1868 kann auf Dampfmaschinen umgestellt werden. Dies führt zu einer beträchtlichen Produktivitätssteigerung, so dass die Werkstatt in der Waldstraße zu klein wird. Sie verlagern zunächst in die Akademiestraße, später in die Lange Straße, die heutige Kaiserstraße. Zwischen 1860 und 1870 wurden insgesamt etwa 5000 Nähmaschinen produziert. 1882 wird die Firma in eine Aktiengesellschaft umgewandelt. Sie heißt nun Nähmaschinenfabrik Karlsruhe AG vorm. Haid & Neu, zu den Gesellschaftern zählt die Badische Bank, Mannheim.

1883 wird an der heutigen Haid-und-Neu-Straße ein großes modernes Werk errichtet. Bis 1887 leitet Neu den Betrieb.

Jahrhundertwende

Um 1900 verlässt die 500.000ste Maschine das Werk, jährlich werden 20.000 Maschinen hergestellt. Etwa 1907 verlässt die millionste Nähmaschine das Werk, daraufhin werden 40.000 Mark an die Belegschaft verteilt. [2]

20. Jahrhundert

Ehemaliger Schreinereibau, Haid-und-Neu-Straße 7, heute Technologiefabrik

Ein großer Teil der Maschinen geht als Export ins Ausland. Es wird mehrfach erweitert, die Firma erhält eine eigene Eisengießerei, baut eine Dampfschreinerei, ein neues Verwaltungsgebäude und einen fünfstöckigen Bau für die Holzbearbeitungswerkstätten. Seit den 1880er Jahren existiert eine staatliche Sozialversicherung, die Firmenleitung garantiert eine Zusatzversorgung durch die Einrichtung eines Arbeiterunterstützungsfonds. Während des Ersten Weltkriegs muss die Produktion auf Rüstungsaufträge umgestellt werden. Die Männer sind größtenteils eingezogen, in der Fabrik arbeiten nun überwiegend Frauen unter äußerst harten Arbeitsbedingungen. Nach einigen Anlaufschwierigkeiten kann die Firma auch nach dem Kriegsende wieder Handelsbeziehungen aufnehmen.

1958 übernimmt die Singer AG die Firma. In den 1960er Jahren beginnen Rationalisierung, Modernisierung und Abbau der Belegschaft. 1968 wird ein Teil der Produktion nach Blankenloch verlegt. In der Oststadt gehen dadurch viele Arbeitsplätze verloren. 1982 wird die Fabrik stillgelegt, zuletzt waren noch 450 dort beschäftigt.

1984 wurde der Schornstein gesprengt.

Heute

Das nordwestlich der Haid-und-Neu-Straße liegende Gebäude der Nähmaschinenfabrik, der Schreinereibau, beherbergt seit 1983(?) die Technologiefabrik. Das Magazingebäude wurde einige Jahre lang von der Firma Farben Holl genutzt.

Der südöstlich der Straße liegende Gebäudeteil wurde in den 1970er Jahren samt der die Straße überquerenden gedeckten Verbindungsbrücke (wie zwischen Rathaus und Technischem Rathaus) abgerissen und dort von der damaligen Bauträgerfirma Mosch ein Hochhaus mit Eigentumswohnungen, das Mosch-Center, erbaut, westlich davon wurde etwas später das Gebäude des Forschungszentrums Informatik (FZI) errichtet.

Der Betrieb der Nähmaschinenfabrik hat im Boden Altlasten hinterlassen, die z. B. von einer Grundwasser-Sanierungsanlage aufgearbeitet werden.

Ehrung

Nach den Firmengründern ist die Haid-und-Neu-Straße in Karlsruhe benannt.

Literatur

  • Michael Obert: Hundert Jahre Bürgerverein Oststadt, Jubiläumsbuch 1996, Hrsg.: Bürgerverein der Oststadt e.V., Karlsruhe, 1996 (keine ISBN), hieraus das Kapitel „Haid & Neu“, S. 85-88.

Fußnoten

  1. Quelle: http://www.needlebar.com/makers/germany/#n
  2. Quelle: Jubiläumsbuch 1996, 100 Jahre Bürgerverein der Oststadt, S. 85