Lutherkirche

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Lutherkirche

Die Lutherkirche ist die evangelische Kirche in der Karlsruher Oststadt. Sie gehört zur Luthergemeinde.

Geschichte und Architektur

Die gerade erst gegündete Gemeinde suchte ab 1889 nach Möglichkeiten, eine eigene Kirche zu bauen. Zunächst hatte man sich um einen Bauplatz auf dem Alten Friedhof bemüht. Alsich aber die Möglichkeit ergab, ein erschlossenes Gundstück an der Durlacher Allee zu erwerben, wurde dies vorgezogen.

Die Kirche wurde zwischen 1905 (Grundsteinlegung am 31. Mai) und 1907 vom Architekturbüro Curjel & Moser im Auftrag der Kirchengemeinde Karlsruhe gebaut. Sie ist die evangelische Kirche in der Karlsruher Oststadt. Obwohl der Bauherr auf einer konsequenten romanischen Bauweise bestanden hatte, setzten sich die Architekten in einigen Bereichen mit Jugenstilelementen durch. Die Kirche ist als Zentralbau mit einem quadratischen Mittelraum angelegt.

Die Weihe wurde am 10. November 1907 gefeiert, Luthers Geburtstag. Ursprunglich hätte die Weihe früher stattfinden sollen, wurde jedoch wegen des Todes von Großherzog Friedrich I. von Baden verschoben.

Die Lutherkirche als Stadtteilkirche im Osten wurde fast zur gleichen Zeit gebaut wie die Christuskirche im Westen. Für beide Kirchen hatten Curjel und Moser den Auftrag. Während jedoch die Christuskirche noch eher vom neogotischen Stil zum Jugendstil überleitet, kann man die Lutherkirche bereits als Jugendstilkirche bezeichnen, wenngleich auch deutlich neuromanische und zum Teil klassizistische Züge erkennbar sind.

Aus den Besprechungsprotokollen der von Kommerzienrat Friedrich Hoepfner geleiteten Baukommission wird deutlich, wie umstritten die Jugendstilelemente waren. Während der Bauherr auf einer konsequenteren romanischen Bauweise bestand, legte das Architekturbüro besonderen Wert auf eine Fülle von Jugendstilelementen am Pfarrhaus, Fenster, Giebel, Erker. Aus den Änderungen in den Plänen geht hervor, dass sich die Architekten in einzelnen Bereichen schließlich der eher jugendstilfeindlichen ästhetischen Auffassung des Bauherrn fügten.

Kirche, Pfarrhaus und Gemeindesaal verschmelzen zu einer Einheit, die blockhaften, mächtigen Formen und die Verwendung großer rauer Steine sollen Bodenständigkeit und Kraft betonen, so dass man unwillkürlich an Luthers Lied „Ein feste Burg ist unser Gott“ denken soll. Die Kirche folgt dem Bauideal des "Wiesbadener Programms", welches die Gemeinde stärker als frühere Bauideale ins Zentrum des Geschehens rückt. Dies war bereits in der Christuskirche weitgehend geschenen, konnte in der Lutherkirche aber noch genauer und vor allem kostengünstiger umgesetzt werden.

Dieser Eindruck der starken Kirche inmitten ihrer Gemeinde war gewollt: Die Melanchthonstraße, die bewusst nach dem Theologen und Reformator des 16. Jahrhunderts benannt ist, wurde 1902 eigens zu diesem Zweck angelegt, und die Wohnbebauung fällt auch in diese Zeit. Die Häuser an der Melanchthonstraße mit den Hausnummern 1 bis 4 entstanden zwischen 1901 und 1904 und stehen heute alle unter Denkmalschutz. Das Doppelmietwohnhaus Nr. 1/Georg-Friedrich-Straße 34 wurde vom Architekturbüro Curjel und Moser mitentworfen.

In der Architektur und Lage der Lutherkirche spiegelt sich kämpferisches Neuluthertum, eine Bewegung des 19. Jahrhunderts innerhalb der protestantischen Kirche, die die Offenbarung in den Mittelpunkt stellt und einen starken Akzent auf die Kirche setzt. Der Gesamteindruck wird verstärkt durch die überlebensgroße, von Oskar Kiefer geschaffene Lutherfigur am Turmfuß.

Im Innern schuf Hermann Binz eine Plastik, die, über der Kanzel angebracht und die Berpredigt darstellend, die Philosophie des Kirchbaus versinnbildlichen sollen. Es wurde nach mehreren Veränderungen Mitte der 1980er Jahre in seinen ursprünglichen Zustand zurückversetzt. Über Kanzel und Kunstwerk wurde die Orgel positioniert. Die Glasfenster stammten von Max Laeuger, wurden aber bei einem Luftangriff auf Karlsruhe zerstört.

Der Wiederaufbau der Lutherkirche erfolgte unter anderem aus Kostengründen nicht ganz originalgetreu. Neue Glasfenster erhielt das Gebäude aus den Händen von Klaus Arnold, der in abstrakten Bildern das Thema "Thron, Herrlichkeit, Krone" über der Emopre darstellte, sowie unterhalb dieser das Vater Unser.

1984 wurde ein neuer Kronleuchter installiert, der den im Krieg zerstörten Jugendstilleuchter sehr ähnelt.

Sanierung 2017/18

Seit April 2017 läuft die Sanierung, die auf 15 Monate angesetzt ist. Neben dem Reinigen der Wände werden die Heizungsanlage, die Elektrik und die Beleuchtung erneuert, eine neue Akustikanlage und zwei behindertengerechten Zugänge werden errichtet. In dieser Zeit werden die Gottesdienste im Gemeindesaal abgehalten.

Glocken

Das ursprüngliche mechanische Uhrwerk ist erhalten, deshalb geht die Turmuhr nicht immer genau. Im 21. Jahrhundert wurde es mit einer elektrischen Nachtabschaltung ausgerüstet.

Die Glocken von 1907 wurden 1916 auf Beschluss des patriotisch gesinnten Kirchengemeinderates an die Rüstungsproduktion abgegeben. Vom zweiten Glockensatz wurden im 2. Weltkrieg alle bis auf eine konfisziert. Alle drei Sätze stammen von der Glockengießerei Bachert.

Bilder

Innenraum der Kirche 
siehe Lutherkirche (Innenraum)

Adresse

Durlacher Allee 23

Dieser Ort im Stadtplan:

Siehe auch

Literatur

  • Curjel & Moser: Städtebauliche Akzente um 1900 in Karlsruhe von Wilfried Rößling; 29. März bis 10. Mai 1987, Badischer Kunstverein Karlsruhe/Europäische Kulturtage Karlsruhe 1987, Jahrhundertwende. (Hrsg.: Badischer Kunstverein. Ausstellung und Redaktion: Wilfried Rößling), Karlsruhe: Badischer Kunstverein, 1987

Weblinks