Julius Hirsch

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Julius Hirsch (geboren 7. April 1892 in Achern; ermordet 1943 im KZ Auschwitz-Birkenau, zum 8. Mai 1945 für tot erklärt worden) war ein deutscher Fußballspieler und Opfer des Nationalsozialismus.

Leben

Der Sohn eines Karlsruher Tuchwarenkaufmannes trat im Jahr 1902 dem Karlsruher Fußballverein (KFV) bei, zu dessen erster Mannschaft er ab 1909 gehörte. Von den Fans „Juller” genannt, unterschrieb er auch mit diesem Namen.

1910 wird der KFV mit Julius Hirsch, Gottfried Fuchs und Fritz Förderer (genannt „Frieder“) Deutscher Meister. Im Folgejahr wurde Hirsch erstmals in die Nationalmannschaft berufen, wo er bei seinem Zweiten Einsatz im März 1912 vier Tore schoss.

Nach Ende seiner kaufmännischen Lehre zog Hirsch nach Fürth, da er in der Nürnberger Spielwarenfabrik eine Anstellung fand. Mit der SpVgg wurde er 1914 noch einmal Deutscher Fußballmeister. Julius Hirsch war 1912/13 aktiv beim 1. Badischen Leib-Grenadier-Regiment 109 und von 1914 bis 1918 im Kriegseinsatz beim 12. Bayerischen Landwehr-Infanterie-Regiment; ihm wurden hierfür das EK II und die bayerische Dienstauszeichnung verliehen.

1919 kehrte er zum Karlsruher FV zurück, konnte jedoch nicht mehr an alte Erfolge anknüpfen. Nach dem Ende seiner aktiven Laufbahn blieb er als Trainer im Spielausschuss des KFV tätig. Daneben arbeitete er in der Firma seines Vaters, der Deutschen Signalflaggenfabrik, die er später mit seinem Bruder Max übernahm und ab 1929 in Sigfa-Sport GmbH umfirmierte, da der Betrieb vollständiug auf Sportartikel umgestellt worden war. Im Februar 1933 meldete sie Konkurs an.

1933, nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten, kam er dem drohenden Vereinsausschluss durch eigenen Austritt zuvor.

Er versuchte im Ausland als Trainer Fuß zu fassen, was jedoch misslang. Kleinere sportliche Erfolge gelangen ihm als Aktiver noch einmal mit dem Jüdischen Turnklub 03 in Karlsruhe, während er sich als Vertreter und Hilfsbuchhalter finanziell über Wasser hielt.

Im November 1938 stürzte er sich aus einem fahrenden Zug, aber sein Selbstmordversuch scheiterte. 1942 ließ er sich von seiner Frau scheiden zum Schutze der Familie. Hirsch wurde am 1. März 1943 nach Auschwitz deportiert. Sein genaues Todesdatum ist unbekannt, wurde aber 1950 vom Amtsgericht Karlsruhe auf den 8. Mai 1945 festgelegt.

Julius Hirsch hatte zwei Kinder: Esther Hirsch († 2012) und Heinold Hirsch, der das Reisebüro Hirsch-Reisen am Ludwigsplatz gründete.

Ehrungen

Nach Julius Hirsch ist seit 1998 die Sporthalle Julius-Hirsch-Halle des Ludwig-Marum-Gymnasiums in Pfinztal-Berghausen benannt, in der seitdem auch eine bronzene Gedenktafel an den Namensgeber erinnert[1].

Im Jahr 2005 rief der Deutsche Fußball-Bund den Julius-Hirsch-Preis ins Leben.

Am 9. November 2006 wurde ein Stolperstein für ihn verlegt.

Vor dem Haus Haus Karlsruher Weg hat die Stadt eine Gedenktafel eingerichtet, im Mai 2013 beschloss der Gemeinderat die Umbenennung eines Teilstücks des Karlsruher Weges in Julius-Hirsch-Straße.

Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus

Zum Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus am Sonntag, 27. Januar 2008, lud die Stadt Karlsruhe in das Neue Ständehaus ein. Der Sporthistoriker Professor Dr. Lorenz Peiffer von der Leibniz-Universität Hannover hielt einen Vortrag über das Schicksal jüdischer Sportler während des „Dritten Reichs“. Dabei stand der deutsche Nationalfußballer Julius Hirsch im Mittelpunkt.[2]

Der Enkel von Julius Hirsch, Andreas Hirsch, sprach ein Grußwort, ebenso Oberbürgermeister Heinz Fenrich. Die Pianistin Heike Bleckmann begleitete den Abend musikalisch.

Literatur

Weblinks

Fußnoten

  1. Siehe dazu www.bzpf.ka.bw.schule.de/lmg/archiv/einweihung_halle.html mit der Rede des Schulleiters Hans Riehm zur Einweihung und Abbildung der Gedenktafel.
  2. Vortrag am 27.01.2008, online auf der offiziellen Webpräsenz der Jüdischen Kultusgemeinde Karlsruhe