Alois Kimmelmann

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Alois Kimmelmann

Alois Kimmelmann (* 21. Juni 1886 in Oberbalbach (Franken); † 13. April 1946 in Bad Mergentheim) war ein Beamter und Verbandsfunktionär.

Leben und Wirken

Am 21. Juni 1886 wurde Alois Kimmelmann im fränkischen Oberbalbach geboren. Nach seiner Ausbildung zum Volksschullehrer hatte es ihn beruflich zum ersten Mal nach Karlsruhe verschlagen. Zwischen 1905 und 1912 war er zunächst in der Südstadt an der Uhland- und der Nebeniusschule, anschließend in Mühlburg an der Hardtschule als Unterlehrer tätig.

Die größte politische und pädagogische Bedeutung erlangte Kimmelmann während der Zeit der Weimarer Republik. Mittlerweile Hauptlehrer in Pforzheim, gründete der Reserveoffizier und Weltkriegsteilnehmer nach seinem Eintritt in die SPD (1919) einen Ortsverband der sozialdemokratischen Frontkämpfervereinigung Reichsbanner (1925). Als führendes Mitglied im Badischen Lehrerverein (ab 1921) hatte er erheblichen Einfluss auf die bildungs- und berufspolitischen Konzepte des Verbandes und genoss darüber hinaus aufgrund seiner schulpolitischen, pädagogischen und didaktisch-methodischen Publikationen hohes Ansehen.

So wurde er 1926 als Dozent für Allgemeine Unterrichtslehre und Methodik an die neu organisierte Lehrerfortbildungsanstalt Karlsruhe berufen. Im selben Jahr erschien seine über Lehrergenerationen hinweg populäre „Geschichte der Lehrerbewegung in Baden 1876–1926“.

Ab 1929 übernahm Kimmelmann als Stadtoberschulrat die Leitung des Karlsruher Volksschulwesens. Unter schwierigen wirtschaftlichen und politischen Rahmenbedingungen gingen von seiner Amtsführung reformpädagogische Ansätze und Impulse für das Volksschulwesen aus.

Im Frühjahr 1933 wurde der sozialdemokratische Leiter des Stadtschulamts von den Nationalsozialisten entlassen und zwangspensioniert. Die zwölf Jahre des NS-Regimes verbrachte er in seiner fränkischen Heimat.

Im Sommer 1945 wurde Alois Kimmelmann unter Beteiligung der US-Militärregierung zum Wiederaufbau des Schulwesens in die neu konstituierte Unterrichtsverwaltung für Württemberg-Baden in Karlsruhe berufen. In der im selben Jahr veröffentlichten Schrift „Erziehung und Bildung in neuem Geiste“ bot der neu ernannte Ministerialrat rückblickend eine erste breitere Nachkriegsanalyse der Erziehungsideologie und Schulwirklichkeit der NS-Zeit und umriss sein pädagogisches Leitbild:

„Der Geist der Humanität muss hineinstrahlen in die Schulen. Unter Abkehr von den verderblichen und verabscheuungswürdigen Irrlehren des Nationalsozialismus, unter Verurteilung der verbrecherischen Taten muss die Schule die Kinder wieder hinführen zur Ehrfurcht vor allem Hohen und Erhabenen, vor der Heiligkeit menschlichen Lebens, und sie bilden zu (...) rechtschaffenen, vernünftigen, religiös sittlichen Menschen und brauchbaren Gliedern einer neuen Gemeinschaft.“

Als Mann der ersten Stunde nutzte Kimmelmann 1945/'46 die Möglichkeiten seines neuen Amtes rasch und zielsicher zur Behebung der akuten Schulnot in Nordbaden. Er organisierte unter anderem Schnellkurse für Volksschullehrer, veröffentlichte die „Badischen Schulblätter“ als Schullektüre-Sammlung und gab als Mitarbeiter eine neue Kinderfibel heraus. Auch an der Reorganisation der Lehrerbewegung hatte Kimmelmann großen Anteil. Er beantragte noch bei der US-Militärregierung die Herausgabe der „Südwestdeutschen Schulzeitung“ als Organ des badischen Lehrervereins (1950 in die GEW integriert)

1946 wurde Alois Kimmelmann am 13. April mit 59 Jahren durch einen plötzlichen Tod mitten aus seiner Arbeit gerissen.

Werke

(Auswahl)

  • „Geschichte der Lehrerbewegung in Baden 1876–1926“ (1926)
  • „Erziehung und Bildung in neuem Geiste“ (1945)

Ehrungen

Literatur

Weblinks