Schilling von Canstatt

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Wappen auf einem Grabstein
Andere Wappendarstellung

Die Freiherren Schilling von Canstatt sind eng mit der Geschichte der Markgrafschaft Baden-Durlach und der von Hohenwettersbach verbunden.

Am Gut Hohenwettersbach

Geschichte

Schon 1268 werden die ersten „Schilling“ als altes schwäbisches Adelsgeschlecht erwähnt. Durch späteren Besitz bei Cannstatt kamen sie zu ihrem Beinamen.

Zu den bekanntesten Persönlichkeiten der frühen Zeit zählte „Georg Schilling von Canstatt“ (1490-1554). Er war Großprior des Johanniterordens. Im Laufe der Zeit teilte sich die ritterliche Familie in verschiedene Äste, deren Angehörige hauptsächlich dem Haus Württemberg und dem Haus Baden dienten.

Zwischen 1803 und 1903 dienten fünf Angehörige des Geschlechts im Infanterie-Regiment „v. Stockhorn" bzw. Leib-Grenadier-Regiment. Nur vom Haus Baden selbst standen in diesem Zeitraum mehr Mitglieder in den Reihen des Regiments.

Ludwig Friedrich Schilling von Canstatt (1634–1729)

Baden-durlachischer Generalmajor und Generalquatiermeister des schwäbischen Kreises, Ritter des badischen Ordens der Treue und Freiherr zu Owen und Thalheim.

1686 nahm er als Hauptmann des baden-durlachischen Regiments des Prinzen Karl Gustav von Baden-Durlach (1648-1703) und unter dem Oberbefehl des Reichsfeldmarschall Markgraf Ludwig Wilhelm von Baden gegen die Türken bei Ofen (Buda) in Ungarn und bei der Belagerung von Belgrad 1888 teil. Markgraf Friedrich Magnus von Baden-Durlach ernannte ihn zum Oberstwachtmeister. Bei der Eroberung Durlachs im Pfälzischen Erbfolgekrieg 1689 durch die Franzosen unter Marechal Duras (Jacques Henri de Durfort, duc de Duras), musste er sich jedoch geschlagen geben, da auch der Kurfürst von Bayern (Maximilian II. Emanuel) mit seinem Heer, Ende Juli 1689 zur Verteidigung der Festung nach Mainz zog.

Zum Schutz des Landes hatte, nachdem der Markgraf nach Basel geflüchtet war, Generalfeldmarschallieutenant zu Fuß Prinz Karl Gustav, den Baden-Durlachischen Oberstwachtmeister Ludwig Friedrich von Schilling mit vier Kompanien zurückgelassen und zwar 30 Mann im Schloss zu Staffort, 60 Mann im Schloss zu Mühlburg und 360 Mann davon 50 Reiter in der markgräflichen Residenz Durlach. „Am 3. August 1689 morgens 3 Uhr waren die ersten Franzosen von Weingarten kommend vor der Stadt erschienen und eine halbe Stunde später lagerte der Feind mit der ganzen Armee von ca. 9.000 Mann am Turmberg, nördlich der Pfinz vor den Toren der Stadt“. Ludwig Friedrich musste auf Order von Prinz Markgraf Karl Gustav die Stadt an die Franzosen übergeben, „wollte er sich doch lieber niederhauen lassen als zu kapitulieren“. „Nachdem die Stadt ausgeplündert war wurden die Straßen am 5. August mit Stroh und Pechkränzen belegt und den folgenden Tag ein schreckliches Feuer angezündet, welches das schöne fürstliche Schloß (an der Stelle, wo heute die Karlsburg steht) und die ganze Stadt bis auf fünf Häuser zerstörte“.

Wilhelm Friedrich Schilling von Canstatt (1694–1743)

Wilhelm Friedrich Schilling von Canstatt war Markgräflich Baden-Durlachischer Geheim- und Staatsrat und Freiherr zu Hohenwettersbach.

Das Hofgut Hohenwettersbach übertrug 1725 Markgraf Karl Wilhelm von Baden-Durlach seiner aus einer morganatischen[1] Verbindung stammenden Tochter Karoline Luise von Wangen anlässlich ihrer Eheschließung mit Wilhelm Friedrich Schilling von Canstatt.

Der Spitalhof der Freiherren Schilling von Canstatt

Carl Friedrich Schilling von Canstatt (1757–1822)

Großherzoglich badisch-durlachischer Kammerherr und Wirklicher Geheimrat, Freiherr von Hohenwettersbach.

Verbesserte und vergrößerte den hohenwettersbacher Gutsbesitz mit dem Batzenhof und dem Thomashäusle enorm. 1818 änderte er die Familien-Statuten und Gut Hohenwettersbach wird (unteilbares) „Fideikommis“. 1819 übergibt er das Gut an seinen Sohn Wilhelm Heinrich mit einer Fläche von „1100 morgen wovon die Stupfericher 40 morgen besitze“".

Wilhelm Heinrich Schilling von Canstatt (1796–1856)

Großherzoglich Badischer Kammerherr, Hauptmann à la suite und Grundherr zu Hohenwettersbach.

Tritt in das Grenadierbataillon des Badischen Leibinfanterieregiments ein. Kämpft 1814 vor Paris gegen Napoleon. Im Jahr 1833 wird Hohenwettersbach Kolonie und es wird wie folgt verlautbart: „Das der Grundherrschaft von Schilling gehörige Hofgut Hohenwettersbach eine Stunde von Durlach gelegen mit einer Bevölkerung von 628 Seelen, 110 Familien, 1.000 Morgen Güter, wovon 40 für Wege abgehen und 97 Häusern, die alle auf grundherrlichem Boden stehen, durch Staatsministerial Reskript vom 20. Oktober 1833 Nr. 2517 zur Kolonie im Sinne des Gemeindegesetzes erklärt worden ist. In Bezug auf die Verhältnisse der Kolonie wird gesagt, dass das Hofgut Hohenwettersbach eine eigene grundherrliche Gemarkung bildet, deren Eigentum größtenteils dem Grundherrn gehört“.

Karl Wilhelm Friedrich Schilling von Canstatt (1825–1888)

Großherzoglich Badischer Kammerherr und Grundherr zu Hohenwettersbach. Er erlebte den „Vormärz“ der badischen Revolution 1849 in Karlsruhe.

Am 1 .Oktober 1864 wurde Hohenwettersbach selbständige Gemeinde.

Victor Schilling von Canstatt (1863–1952)

Grabstein auf dem Hohenwettersbacher Friedhof

Victor Georg Wilhelm Friedrich Schilling von Canstatt (18631952), Großherzoglich Badischer Kammerherr und Grundherr zu Hohenwettersbach. Aus seiner Deszendenz gibt es keine männlichen Nachkommen.

Am 11. Juni 1892 fand in Gegenwart des Großherzog Friedrich I. von Baden die Einweihung der Wasserversorgung des Alb-Pfinz-Plateaus statt, ein Ereignis, das für die Orte Reichenbach, Busenbach, Palmbach, Grün- und Hohenwettersbach, sowie für die anliegenden Höfe von größter wirtschaftlicher Bedeutung war.

Friedrich Wilhelm August Schilling von Canstatt (1865-1960)[2]

Friedrich war der Halbbruder von Victor, aus der Ehe des Karl Wilhelm Friedrich SvC mit Amalia Gräfin von Waldeck, der Schwester seiner ersten verstorbenen Gattin Augusta Gräfin von Waldeck. Da sein älterer Bruder den Fideikomiß übernahm, wanderte er nach Ungarn aus, um die Ländereien und Wirtschaftshöfe der Familie Waldeck an der Theiss zu verwalten. Er begründete auf dem Gutshof Puszta-Sorhát den ungarischen katholischen Zweig der Familie.

Wilhelm Schilling von Canstatt (1899-1993)

Unter Wilhelm musste die Familie vor der heranrückenden Roten Armee im Jahre 1944 nach Budapest fliehen und die Bewirtschaftungen an der Theiss aufgeben. Er konnte Ungarn gemeinsam mit seiner Frau Klara Beliczey de Bajca erst im Jahre 1974 verlassen, um in Wachtberg bei Bonn bis zu seinem Tode zu leben.

Miklós Schilling von Canstatt (1930)

Miklós gelang die Flucht aus Ungarn im Jahre 1956 und begründete in Deutschland mit seiner ebenfalls aus Ungarn stammenden Frau Polyxena Baroness Thierry den deutschen katholischen Zweig der Familie. Mit seinen drei Kindern (Christian 1960, Felix 1962, Stephanie 1965) und 6 Enkeln ist der Fortbestand der Familie gewährleistet.

Das Gut Hohen-Wettersbach ging durch Herausheirat in töchterlicher Linie nach 270 Jahren als Stammsitz der Familie verloren. Durch den Rückerwerb von Teilen der Bewirtschaftung Puszta-Sorhát und der Kapelle und Grablege des ungarischen Teiles der Familie durch Felix in den 1990er Jahren wurde der ungarische Familiensitz wiederbelebt und neu begründet.


Hohenwettersbach

Ehrung

Ihnen zur Erinnerung gibt es dort eine Schilling-von-Canstatt-Straße.

weitere

Weblinks

Fußnoten

  1. Siehe dazu: Die deutschsprachige Wikipedia zum Thema „Morganatische Ehe“
  2. Genealogisches Handbuch des Adels, Freiherrliche Häuser, Abt. A, Band XIII, 1982, C.A. Starcke Verlag, Limburg an der Lahn