Lokalbahn
Aus dem Stadtwiki Karlsruhe:
Damit einige Gemeinden im Umland von Karlsruhe eine leistungsfähige Schienenanbindung an Karlsruhe erhalten konnten, initiierten diese Ende des 19. Jahrhunderts den Bau der Karlsruher Lokalbahn (KLB).
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Der Bau der KLB
Eine normalspurige Dampfbahn stellte sich als zu teuer heraus, daher fiel die Wahl auf eine schmalspurige Dampfbahn mit 1000 mm Spurweite.
Ein Konsortium aus mehreren Firmen baute und betrieb die Strecke mit Unterstützung der Gemeinden. Für den Lokalbahnhof nebst Nebenanlagen nahe des alten Hauptbahnhofs stellte die Stadt Karlsruhe einen Teil des 1874 geschlossenen Friedhofs an der Kapellenstraße zur Verfügung.
Lobberle
"Das Lobberle" wurde im Volksmund die dampfbetriebene Schmalspurbahn genannt, die von 1891 bis 1922 Durmersheim mit Spöck verband. Sie führte über Forchheim und Grünwinkel durch die Kapellenstraße zum Durlacher Tor, weiter durch die Haid-und-Neu-Straße am Hauptfriedhof vorbei über Staffort bis nach Spöck. 1937 wurde sie endgültig stillgelegt. Erst 2001 wurden in der Kriegsstraße in der Nähe des Mendelssohnplatzes Gleise entfernt (die nun am Ettlinger Tor zu sehen sind, siehe Bild unten). Letzte Reste der Gleise befinden sich noch an den alten Lade- und Entladestationen der Technologiefabrik, die seiner Zeit das Gebäude der Nähmaschinenfabrik Haid & Neu war.
Herkunft des Wortes
"Lobberle" kommt vom Verb "lobbre", was im Badischen soviel wie "rütteln", "schlecht befestigt sein" bedeutet. Auch die frühere Lokalbahn Schwarzach-Rastatt und der Dampfzug durch das Achertal von Achern nach Ottenhöfen hießen, beziehungsweise heißen so.
Verlauf der Strecke um 1930
Chronik
- 20. März 1888: Beantragung der Konzession für eine Lokalbahn Durmersheim - Mühlburg - Karlsruhe
- 2. Dezember 1889: Erteilung dieser Konzession und Erteilung einer Konzession auch für die Strecken Karlsruhe - Spöck und Grünwinkel - Daxlanden
- 6. Oktober 1890: Eröffnung der Strecke Durmersheim - Lokalbahnhof
- 29. Januar 1891: Eröffnung der Strecke nach Spöck
- 1. Mai 1895: Eröffnung der normalspurigen "strategischen" Bahn Graben - Karlsruhe - Durmersheim - Rastatt, eine im Laufe der Jahre tödliche Konkurrenz zur Lokalbahn.
- 1. April 1897: KLB ging an die Süddeutsche Eisenbahngesellschaft über. Diese beabsichtigte, realiserte aber nicht die teilweise Elektrifizierung
- 1905/1906 Bau der Wartehalle in der Haid-und-Neu-Straße 33 durch Friedrich Beichel
- 8. Dezember 1913: Eröffnung der Strecke Grünwinkel - Daxlanden
- 1. Januar 1915: Die Stadt Karlsruhe übernimmt die KLB
- ab 1917 Beginn von Elektrifizierungen einiger Abschnitte
- 1. Januar 1922: Stilllegung Hagsfeld - Spöck
- ca. 1927?: der mittlere Abschnitt wird nicht mehr von schmalspurigen Bahnen bedient. Sie pendeln nur noch zwischen Hagsfeld und Hauptfriedhof bzw. Daxlanden und Kühler Krug
- 1932 Bahnhof in der Kapellenstraße wird aufgegeben
- 26. April 1936: Stilllegung Durmersheim - Mörsch
- 14. August 1937: Stilllegung Mörsch - Kühler Krug
- 1. April 1938: Stilllegung der Strecke nach Daxlanden
- 30. April 1955: Stilllegung der Strecke nach Hagsfeld
Nachkriegszeit
Die Strecke nach Hagsfeld erlebte 1945 eine kurze Blütezeit, da eine Brücke der Reichsbahnstrecke gesprengt wurde und Reisende aus Richtung Mannheim in Hagsfeld in die KLB umsteigen mussten.
Neben dem Personenverkehr gab es auf den Strecken der KLB auch Güterverkehr, beispielsweise zu diversen Brauereien, der IWK und der Nähmaschinenfabrik Haid & Neu. Normalspurige Güterwaggons wurden im Bahnhof Karlsruhe-West oder -Hagsfeld übernommen und auf Rollböcken weiter gezogen. Diese Verkehre hielten sich noch bis 1952 beziehungsweise 1956.
2005
Vor der Technologiefabrik liegt noch ein Rest Dreischienengleis. Ein weiteres Dreischienengleis der KLB wurde 2001 im Zuge von Bauarbeiten vom Originalplatz in der Kriegsstraße kurz vorm Mendelssohnplatz an die Südwestecke des Ettlinger Tores verlegt.
Mittlerweile ist ein Großteil der damaligen Verbindungen wieder "auferstanden" als Stadtbahn der Linie S2, teilweise auf historischer Trasse (z.B. Ortsdurchfahrt Rheinstetten), teilweise auf neuer Trasse (die 2005 noch in Bau befindliche Strecke Blankenloch - Friedrichstal - Spöck).
Die mit Weichen am Ortsende von Rheinstetten bereits vorbereitete "Wiederaufnahme" des Betriebes nach Durmersheim scheiterte bisher an Widerständen des Durmmersheimer Gemeinderates. Eine Bürgerinitiative Pro S2 bemüht sich um die Wiederaufnahme.
An Häusern in der Weststadt, z.B. in der Weinbrennerstraße, sind noch so genannte Oberleitungsrosetten mit Haken zu sehen.
Literatur
- Daten aus dem Buch "unter Strom, Geschichte des öffentlichen Nahverkehrs in Karlsruhe" zum Jubiläum der "Elektrischen", ISBN 3-7617-0324-4
- Das Lobberle: Die Geschichte einer kleinen Eisenbahn 1890-1937 Willi Coerdt ISBN 3-00-016753-6
- Die Karlsruher Lokalbahn, Wolfram Chr. Geyer, Hrsg. von der AVG, ISBN 3-89735-464-0 bzw. ISBN-13: 978-3-89735-464-7
Lokalbahn als Name
Die ehemalige Gaststätte Lokalbahn in Grünwinkel neben der Brauerei Moninger wurde in Brauhaus Moninger umbenannt.
In Rheinstetten gibt es die Gaststätte Lobberle.
del.icio.us
Mr.Wong
