Kombilösung Vorhaben

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Kombilösung Vorhaben beschreibt detailliert die Maßnahmen, welche im Rahmen der Karlsruher Kombilösung umgesetzt werden sollen.

U-Strab

Ost-West-Tunnel

Der Ost-West-Tunnel der U-Strab (Untergrund-Straßenbahn) ist eine zweigleisige Röhre, in Zeichen  O , die im Schildvortrieb von oben nicht sichtbar gebohrt wird. Allerdings wird etliches auch mit oberirdischen Baustellen gebaut werden müssen, so die Rampen samt Anschlüssen in offener Bauweise, die (außen gemessen) rund 110 m langen Haltestellen und das Gleisdreieck am Marktplatz in Halbdeckelbauweise.

Der Südabzweig

Der Südabzweig, der nicht per Schildvortrieb gebohrt werden wird, weil sich für diese verhältnismäßig kurze Strecke das Umsetzung der großen Tunnelbaumaschine nicht lohnt, wird vom Marktplatz bis zum Ettlinger Tor in bergmännischer Bauweise erstellt. Die Strecke beträgt rund 250 Meter. Der Tunnelaushub erfolgt unterirdisch. Da sich der Tunnel unterhalb des Grundwasserspiegels befindet, muss dieser unter Druckluftbedingungen erstellt werden. Hierzu sind 1,1 Bar notwendig, was einer Wassersäule von 11 Metern entspricht. Damit wird verhindert, dass das umgebende Grundwasser in den Tunnel eindringen kann. Der Tunnelbau erfolgt vom Ettlinger Tor ausgehend in nördlicher Richtung. Dort befinden sich auch die Schleusenanlagen, die notwendig sind, um den Überdruck aufrecht erhalten zu können.

Um die vor Ort befindlichen Sand- und Kiesschichten stabilisieren zu können, werden in zwei Phasen zuvor von der Oberfläche aus Niedrigdruckinjektionen vorgenommen. In der ersten Phase wird eine Zementsuspension eingebracht, die ein Verkleben der gröberen Bodenbestandteile ermöglicht. In einer zweiten Phase wird eine dünnere Wasserglasverbindung[1] eingebracht, die jene feinen Porenbereiche bindet, die von der ersten Phase nicht erreicht wurden. Der anschließende Tunnelaushub findet damit eine verfestigte Umgebung vor.

Aus diesem Grund sind trotz unterirdischer Tunnelbaumaßnahmen auch oberirdische Arbeiten und damit verbundene Absperrungen erforderlich.

Südlich des Ettlinger Tors bis hin zur Südrampe an der Augartenstraße wird der Südabzweig in offener Bauweise erstellt.

Baumaßnahmen

Gebaut wird ungefähr zwischen Scheffelstraße und Veilchenstraße:

  • neue oberirdische Haltestelle vor dem Helmholtz-Gymnasium (ersetzt Haltestelle Mühlburger Tor) mit kurzem 55cm-Bahnsteig für Mittelflur Straßenbahnen, sonst 34cm Höhe
    • die Haltestelle Schillerstraße (Kaiserallee) entfällt wegen der Nähe zur neuen Haltestelle, die Haltstelle Schillerstraße (Schillerstraße) bleibt
  • Einfädelung der Strecke in die Nordstadt (hat Haltestelle in der Grashofstraße)
  • westliche Rampe samt zweier linienmäßig genutzter Umfahrungsgleise
  • neue oberirdische Haltestelle in der Kaiserstraße zwischen Leopoldstraße und Hirschstraße, weil sonst der Abstand Helmholtzgymnasium - Europaplatz zu groß ist, die Kaiserstraße wird dort Fußgängerzone
  • unterirdische Haltestelle Europaplatz unter diesem, ein unterirdischer, ebenerdiger Zugang zur Post Galerie im Süden und zum Saturn im Norden ist vorgesehen
  • oberirdische Haltestelle Europaplatz nur noch in der Kaiserstraße mit nur 40 m langen Bahnsteigen
  • unterirdische Haltestelle Lammstraße, unterirdisch verbunden mit der Haltestelle Marktplatz des Südabzweigs, ein unterirdischer, ebenerdiger Zugang zum Kaufhaus Karstadt ist vorgesehen
  • niveaugleiches Gleisdreieck
  • unterirdische Haltestelle Kronenplatz
  • oberirdische Haltestelle Kronenplatz nur noch in der Fritz-Erler-Straße
  • unterirdische Haltestelle Durlacher Tor
  • vorbereitete Abzweigoption Richtung Haid-und-Neu-Straße (?)
  • östliche Rampe mit Umfahrungsgleisen, die aber vermutlich in der Fahrbahn liegen und linienmäßig nicht genutzt werden
  • Verlegung der Haltestelle Gottesauer Platz auf die Ostseite der Kreuzung mit kurzem 55cm-Bahnsteig für Mittelflur Straßenbahn, sonst 34cm Höhe

Der Südabzweig wird zwischen Marktplatz und Nebeniusstraße gebaut:

  • Gleisdreieck (s.o.)
  • unterirdische Haltestelle Marktplatz mit drei Gleisen (drittes Gleis für dort endende geplante Stadtbahnlinie nach Landau oder Germersheim aus Kapazitätsgründen[2])
  • unterirdische Haltestelle Ettlinger Tor unter dieser Kreuzung und noch unter Kriegsstraßen-Autotunnel. Die heutige Auto-Unterführung muss abgerissen und neu gebaut werden. Vorgesehen ist eine unterirdische, ebenerdige Anbindung an das Einkaufszentrum.
  • unterirdische Haltestelle Kongresszentrum, die aber schon nahe der Oberfläche liegen wird
  • südliche Rampe ohne Umfahrungsgleise
  • Verlegung der Haltestelle Augartenstraße nach südlich derselben mit kurzem 55cm-Bahnsteig für Mittelflurer, sonst 34cm Höhe

Zwischen Scheffel-, Veilchen- und Nebeniusstraße kommt man so (für ca. 1,2 km straßenbahnfreie Fußgängerzone in Kaiserstraße und auf dem Marktplatz) auf eine Baustellenlänge von 4.770 m, von denen aber auf 1.510 m (32%) keine oberirdischen Bauarbeiten stattfinden. [3]

Kurze Signalabstände sollen eine ähnliche Kapazität wie bei oberirdischen Strecken ermöglichen, reduzieren aber auch die maximale Geschwindigkeit. Bei einer von Ost nach West durchfahrenden Linie sollen bis zu 2 Minuten Fahrzeit gespart werden. Ein Kunde, der nur in die Innenstadt will wie die Mehrheit profitiert davon wegen längeren Wegen zur Haltestelle aber nicht. Außerdem müssen einige Linien einen Umweg über die Tullastraße fahren, um die U-Strab-Rampe zu erreichen.

Die unterirdischen Haltestellen werden innen ca. 100 m lang. Die Bahnsteige haben dabei einen 80 m langen 34 cm hohen Bereich, passend zu den Niederflurbahnen, und einen 15 m langen 55 cm hohen Bereich, passend zu den Mittelflur-Stadtbahnen, um Rollstuhlfahrern einen stufenfreien Einstieg zu ermöglichen, in Mittelflur-Stadtbahnen aber nur an den ersten zwei Türen des ersten Wagens.

Kriegsstraße

Die Kriegsstraße zwischen Karlstor im Westen und Mendelssohnplatz/Kapellenstraße im Osten mit einer Länge von rund 1,6 Kilometer wird komplett umgebaut. Die bestehenden Bauten und Rampen müssen abgerissen und neu gebaut werden. In diesem Bereich wird ein vollständig unterirdischer Autotunnel errichtet. Jede Fahrspur verfügt dabei über eine eigene Röhre mit einem Fahrstreifen und einem durchgängigen Standstreifen. Im Bereich des nordöstlichen Karlstors, an Stelle der bislang noch vorhandenen Brunnenanlage, wird ein Abluftkamin mit einer Größe von drei bis vier Metern installiert, der die abgesaugte Abluft aus dem Tunnel entsorgen soll. Im östlichen Bereich ist eine solche Maßnahme nicht vorgesehen.

Die Kriegsstraße wird täglich von etwa 65.000 Fahrzeugen pro Tag benutzt. Die Verkehrsentwicklungsprognosen gehen davon aus, dass sich diese Zahl kaum ändern wird. Nach Fertigstellung des Autotunnels dürfte sich der Fahrzeugverkehr je zur Hälfte auf den Tunnel und die oberirdischen Straßen verteilen.

Die Decke des Tunnels wird überwiegend rund zwei Meter unter der Oberfläche liegen, um eine geplante Bepflanzung mit Bäumen zu ermöglichen, und damit höher liegen als der Straßenbahntunnel. Die Tunnelerstellung erfolgt deshalb in einem anderen Verfahren als die U-Haltestellen und wird in komplett offener Bauweise in fünf Bauphasen erstellt. Während der Baumaßnahmen wird stets mindestens eine Fahrspur in jede Richtung verfügbar sein.

Um den aktuellen Bauvorschriften Genüge zu tun, erfolgt der Tunnelbau in „doppelbödiger“ Bauweise. Unterhalb des Tunnelbodens wird eine flexible Dichtsohle eingebracht, die Gel/gummiartig ausfallen wird und das darunter liegende Erdreich absichern soll für den Fall von Unfällen, bei denen Treib- oder Gefahrenstoffe auslaufen und in den Untergrund gelangen könnten. Die Dichtsohle wird dabei selbst durch das Erdreich, welches sich zwischen dieser und dem Tunnelboden befindet, stabilisiert.

Untersuchungen der Grundwasserströme, die sich aus südöstlicher in nordwestlicher Richtung bewegen, im Bereich der beiden Tunnels durch das KIT haben ergeben, dass das Grundwasser maximal um bis ca. 10cm angestaut werden könnte, was keine Probleme darstellen wird. Dabei ist zu beachten, dass der Grundwasserspiegel natürlicherweise um bis zu 1,5 Meter schwankt.

Weitere Details:

  • Der Westausgang der Unterführung Karlstor bleibt unverändert
  • Die oberirdische Haltestelle Karlstor wird von nördlich der Kreuzung nach südlich der Kreuzung verlegt, außerdem kommt eine weitere Haltestelle auf der neuen Trasse durch die Kriegsstraße östlich der Kreuzung hinzu
  • Östlich des Karlstores bis kurz vor die Ritterstraße wird es zwei Rampen geben: eine nach oben aus Richtung Brauerstraße, eine nach unten in Richtung Brauerstraße.
  • im weiteren Verlauf wird es unterirdisch nur je eine Autospur je Richtung geben, was einer Halbierung der heutigen Straßenkapazität bedeutet
  • Im Zuge der Ritterstraße ist für Fußgänger eine ebenerdige Querungsmöglichkeit geplant
  • Im Zuge der Lammstraße ist eine ebenerdige Querungsmöglichkeit auch für den Autoverkehr geplant
  • Ab etwa Lammstraße westlich des Ettlinger Tores wird es zwei Rampen geben: Eine nach unten in Richtung Osten und eine nach oben aus Richtung Osten
  • Die oberirdische Haltestelle Ettlinger Tor wird westlich der Kreuzung liegen
  • Aus Richtung Osten ins Ettlinger Tor Karlsruhe (ETK) und aus dem ETK heraus in Richtung Westen wird eine Anbindung innerhalb des Tunnels erfolgen und mit entsprechenden Signalanlagen abgesichert
  • Zwischen Ettlinger Tor und Mendelssohnplatz wird es keine Rampen geben. Nach Osten führen unterirdisch zwei Spuren, aus Richtung Osten kommt eine Spur
  • Eine oberirdische Haltestelle Mendelssohnplatz wird es südlich der Kreuzung geben, statt nördlich davon und die Haltestelle Baumeisterstraße ersetzen wird
  • Östlich des Mendelssohnplatzes wird eine weitere Straßenbahnhaltestelle angelegt
  • Die südliche Einmündung der Kapellenstraße wird nach Osten verschoben, die dann einen schwach-S-förmigen Verlauf haben wird
  • Nach dieser neuen Einmündung kommt die Rampe, die bis kurz vor die Ostendstraße reicht

Eine Ausdehnung des Tunnels in westliche Richtung ist nicht vorgesehen oder geplant, weil die Breite der Kriegsstraße in diesen Bereichen zu eng ist. Dies gilt nicht für den Autotunnel, da dieser unterirdisch verläuft. Da die Kriegsstraße aber in der Innenstadt liegt, müssen entsprechende Rampen errichtet werden, um in den Tunnel gelangen bzw. aus diesem herausfahren zu können. Diese Rampen benötigen zusätzlichen, nicht vorhandenen Platz.

Straßenbahnfrei

Oberirdisch straßenbahnfrei wird nach Realisierung der Kombilösung der Abschnitt der Kaiserstraße zwischen Kronenplatz und Europaplatz sowie der Abschnitt der Karl-Friedrich-Straße zwischen Marktplatz und Kongresszentrum am Festplatz. Östlich und südlich des Kronenplatzes sowie westlich und südlich des Europaplatzes werden weiterhin Schienen oberirdisch liegen. Der oberirdische Abschnitt südlich des Marktplatzes wird, unabhängig vom Ausbau der Kriegsstraße, schon nach Fertigstellung der U-Strab stillgelegt werden, da in der Ettlinger Straße eine Umfahrungsmöglichkeit der Rampe nicht geplant ist.

Im Januar 2015 erklärte die KASIG auf den ursprünglich geplanten überirdischen Südabzweig bis 2019 zu verzichten [4]. Somit wird in der Ettlinger Straße erst mit dem Start der Kombilösung der Stadtbahnverkehr wieder aufgenommen. Laut den Freien Wählern verstößt diese Entscheidung unter Umständen gegen den Planfeststellungsbeschluss[5].

Schicksal von Denkmälern während der Bauarbeiten

Die Pyramide im Jahr 2002
Der Ludwigsbrunnen im Januar 2005
Das Großherzog-Karl-Denkmal im Februar 2009
Der in einer Halle auf dem Betriebshof Tullastraße eingelagerte und „eingegitterte Greif“ des Leibgrenadierdenkmals im September 2012

Pyramide auf dem Marktplatz

Die Pyramide sowie die sich darunter befindliche Gruft kann während der gesamten Bauarbeiten an ihrem Ort verbleiben. Da der Bereich der Pyramide nicht untertunnelt wird, ist keine Verlagerung erforderlich.

Ludwigsbrunnen auf dem Marktplatz

Der Ludwigsbrunnen befindet sich auf dem benötigten Baugelände und muss daher für die Dauer der Arbeiten am Marktplatz abgebaut und eingelagert werden. Der Wiederaufbau des Brunnens nach Abschluss der Bauarbeiten ist vorgesehen.

Großherzog-Karl-Denkmal auf dem Rondellplatz

Das Denkmal kann an seinem Ort verbleiben, da der Tunnelaushub des Südabzweigs an diesem Abschnitt unterirdisch erfolgen wird.

Leibgrenadierdenkmal am Europaplatz

Das Leibgrenadierdenkmal musste abgebaut werden, weil es sich auf dem Haltestellengelände befand. Damit ergab sich die Gelegenheit, den Greif auf der Denkmalspitze restaurieren zu lassen. Das Denkmal wurde auf einem Gelände der VBK eingelagert und wird nach Abschluss der Bauarbeiten wieder errichtet werden. In den Statikberechnungen der Haltestelle wurde das Gewicht des Denkmals berücksichtigt.

Siehe auch

Fußnoten

  1. Die deutschsprachige Wikipedia zum Thema „Wasserglas“
  2. Aus dem Erläuterungsbericht zum Antrag auf Planfeststellung: Die neue Stadtbahnlinie S8 aus Richtung Landau bzw. Germersheim wird über die Rampe am Albtalbahnhof und die Ettlinger Straße in den Tunnel eingebunden und in der City am Stumpfgleis der unterirdischen Haltestelle Marktplatz enden. Damit belastet diese Linie das Innenstadtnetz nicht zusätzlich.
  3. http://city2015.cousin.de/baubilanz.html
  4. Presserklärung KASIG [1]
  5. FW Karlsruhe [2]