Stadtgas

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Blick auf das erste Gaswerk Karlsruhes
Gaslaterne am Mühlburger Tor
Die Gaslaternen entlang der Kaiserstraße
Der Schlossplatz mit etlichen Gaslaternen im Jahr 1896
Das Innenleben einer alten Gaslaterne
Blaue Tafel am Standort des ehemaligen ersten Gaswerks
Blaue Tafel am Standort des ehemaligen zweiten Gaswerkes

Karlsruhe wurde ursprünglich mit dem sogenannten Stadtgas versorgt, welches seit dem 30. November 1846 vor den Toren Karlsruhes mit Hilfe von Kohle produziert und anfänglich nur zur Raum- und Straßenbeleuchtung genutzt wurde. Erst danach wurde das Gas auch zum Heizen und Kochen verwendet. Das erste Gaswerk westlich des Mühlburger Tors übernahm zunächst die Belieferung. Später übernahm das neue gebaute „Gaswerk Ost“ die komplette Karlsruher Versorgung. Später wurden auch umliegende Gemeinden mit Stadtgas versorgt.

Durlach wollte sich allerdings mehrere Jahrzehnte lang nicht in Karlsruher Abhängigkeit begeben und verfügte bis Anfang 1949 über sein eigenes Durlacher Gaswerk, von dem aus auch Grötzingen mit Stadtgas versorgt wurde.

Seit dem Jahr 1965 wird Karlsruhe nur noch mit Erdgas aus verschiedenen Quellen versorgt und dient in Privathaushalten nun ausschließlich zu Heiz- und Kochzwecken.

Allgemeines

Das Stadtgas wurde durch die sogenannte Kohlevergasung gewonnen. Hierzu wurde Kohle unter Luftabschluss in einer Kammer auf 1.200 Grad Celsius erhitzt, jedoch nicht verbrannt. Durch diese hohe Temperatur entwichen alle flüchtigen Anteile der Kohle und bildeten so das „Rohgas“. Zurück blieb der überwiegend reine Kohlenstoff, den man als Koks bezeichnet und zur Verbrennung weiter benutzen konnte. Aus diesem Grund werden Gaswerke auch als „Kokereien[1] bezeichnet.

Das „Rohgas“ bildete seinerseits ein Gemisch verschiedener Stoffe: Neben dem eigentlichen verbrennungsfähigen Gas bestand es aus Wasserdampf und „Teernebel“. Der Wasserdampf konnte durch Kondensierung entfernt werden, weil das Gas von rund 70 Grad Celsius auf etwa 16 Grad abgekühlt wurde. Während eines Reinigungsprozesses konnte der Teer[2] und Ammoniak[3] durch einen Abscheider getrennt werden. Dabei wurde auch Schwefel sowie Benzol[4] gewonnen. Dampfmaschinen trieben dabei einen so genannten „Sauger“ an, welcher das Gas durch die Kühl- und Reinigungsstufen sog, dann verdichtete und schließlich mit einem bestimmten Druck in die Gasleitungen presste. Die Dampfmaschinen wurden dabei wieder mit dem Koks beheizt, welcher aus dem eigentlichen Vergasungsprozess entstanden war. Zusätzlich fielen bei der Verarbeitung große Mengen von Schlacke an.

Die Nebenprodukte der eigentlichen Gasproduktion wurden an verschiedenste Abnehmer verkauft, was in der Anfangszeit der Stadtgaserzeugung noch nicht möglich war und sich erst im Lauf der Zeit heraus bildete.

Durch die später verwendeten, großtechnischen Anlagen konnten ca. 80 % der Bestandteile der Kohle genutzt werden und ca. 20 % gingen verloren.

Geschichte

Die Anfänge von 1844 bis 1869

Im Jahr 1846 belieferten die beiden englischen Unternehmer Barlow und Manby seit dem 30. November die Stadt Karlsruhe mit dem zunächst nach ihrer Hauptfunktion genannten „Leuchtgas“. Später wurde es als Stadtgas bezeichnet. Es wurde im ersten Karlsruher Gaswerk westlich des Mühlburger Tores auf dem nördlichen Gelände der heutigen Nottingham-Anlage mit Hilfe von Kohle erzeugt. Zu jener Zeit befand sich das ab dem Jahr 1844 gebaute Werk noch vor den westlichen Toren der Stadt Karlsruhe.

Die ersten Abnehmer des Gases waren der Großherzog Leopold von Baden, um den Schlossplatz sowie die Räume im Karlsruher Schloss mit Gaslaternen zu beleuchten. Ebenso profitierten von der Gasanbindung auch die an den Schlossplatz angrenzenden Ministerien sowie das Hoftheater. Im Jahr 1846 wurden auch die ersten Gaslaternen an der Kaiserstraße aufgebaut.

Die Gaslaterne wurde bereits Anfang des 19. Jahrhunderts entwickelt[5]. Sie hatte den Vorteil, dass das Gas grundsätzlich dauerhaft zur Verfügung stand und nicht ständig Brennmaterial besorgt bzw. nachgefüllt werden musste. Allerdings wurde weiterhin eine offene Flamme zur Lichterzeugung benötigt, was am 28. Februar 1847 im Hoftheater zum verheerenden Theaterbrand führte.

Neben dieser Tragödie führten auch die hohen Kosten bei den Karlsruher Bürgern zur Zurückhaltung vor der neuen Technik. Hinzu kam, dass sich die weiteren Verwendungsmöglichkeiten des Gases zu Heiz- und Kochzwecken noch nicht durchgesetzt hatten. Ferner bestand für die ersten Gashersteller das Problem, die aus der Vergasung der Kohle anfallenden Abfallprodukte Koks, Schlacke und Teer zu verwenden bzw. Abnehmer dafür zu finden. Dies führte insgesamt dazu, dass die beiden ersten Gaswerkgründer und -Betreiber ihr Werk schließlich verkaufen mussten, da der Betrieb für wenige Abnehmer nicht rentabel genug war.

Im Jahr 1869 übernahm die Stadt Karlsruhe das Gaswerk zu einem Preis in Höhe von 469.000 Mark und führte die Gaserzeugung in eigener Regie weiter. Zum Betrieb wurden die Stadtwerke Karlsruhe gegründet, deren Hauptsitz sich ebenfalls beim ersten Gaswerk befand.

Die Wachstumsphase von 1869 bis 1917

Im Jahr 1869 verbrauchten rund 1.000 Gasabnehmer eine Million Kubikmeter Gas pro Jahr. Der Verbrauch des Gases stieg nun stetig an, nachdem die Kunden die Vorteile des Gasbezugs für sich entdeckt hatten. Deshalb musste die Erzeugungskapazität fortlaufend ausgebaut werden. In den Jahren 1884 und 1885[6] wurden bereits 3,5 Kubikmeter Gas erzeugt.

Die Zahl der privaten Gasabnehmer stieg von 153 Haushalten im Jahr 1848 auf 2.220 Haushalte im Jahr 1870. Die weiter steigende Nachfrage wurde auch dadurch erreicht, dass der Bezug des Stadtgases zwischenzeitlich günstiger geworden war als der Kauf von Petroleum.

Bereits bei der Übernahme des Gaswerkes durch die Stadt wurden Überlegungen darüber angestellt, den Betrieb an der vorhandenen Stelle einzustellen und ein neues Werk an anderer Stelle neu zu errichten. Neben dem ständig steigenden Platzbedarf spielte auch eine festgestellte Verunreinigung des Grundwassers eine Rolle. In einem Trinkwasserbrunnen in der Nähe des Werkes wurde ein um das Zehnfache erhöhter Gehalt an Teerverunreinigungen gemessen als in anderen Brunnen in Karlsruhe. Daraus entstand ein Streit, der zu Gutachten und Gegengutachten führte. Ein hierzu angerufenes Gericht entschied schließlich, dass die Erweiterung des Werkes an seinem bestehenden Standort vorgenommen werden könne.

Um die Kapazitäten weiter steigern zu können und weil sich die Besiedelung Karlsruhes auch weiter Richtung Westen ausdehnte, sodass die Umgebung des ersten Gaswerks zunehmend bebaut wurde, erfolgte im Jahr 1885 der Bau eines zweiten Gaswerks im Osten der Stadt, welches auch „Gaswerk Ost“ genannt wurde. Es befand sich direkt südwestlich des Geländes des Messplatzes und südlich des Schlachthofes und wurde 1886 in Betrieb genommen. Es wurde ständig ausgebaut und erreichte eine so große Leistungskapazität, dass am 6. Januar 1917 das erste Gaswerk abgeschaltet und größtenteils zurückgebaut werden konnte.

Ende der Stadtgaserzeugung 1965

Das Gaswerk Ost wurde fortlaufend erweitert und die Schäden, die der Zweiter Weltkrieg gebracht hatte, repariert. Durch den Fund und die Ausbeute von Erdgasfeldern wurde der Betrieb der Gaswerke zunehmend unrentabel und schließlich 1965 ganz eingestellt. Seither wird Karlsruhe durch „Ferngas“ erzeugt, welches zunehmend durch die Förderung von Erdgas gewonnen wurde.

Der große Gasspeicher

Der Scheibengasbehälter noch ohne Beschriftungen
Eine spätere Aufnahme des Speichers mit den Beschriftungen „erdgas“ und „Karlsruhe“
Bau der zweiten Erdgas Haupttransportleitung im Hardtwald 1990

Bereits 1917 standen als Gasspeicher drei sogenannte Teleskopgasbehälter[7] mit einem Gesamtfassungsvermögen von 87.000 Kubikmeter Gas zu Verfügung. Während des Krieges waren allerdings zwei Behälter stark beschädigt worden. Somit war es lediglich möglich, rund 40 Prozent der Gastageskapazität des Jahres 1957 zwischenzuspeichern.

Deshalb wurde beschlossen, in unmittelbarer Nachbarschaft zum Werk einen Gasspeicherbehälter, einen so genannten „Scheibengasbehälter“[8], zu errichten. Er sollte eine Speicherkapazität von 130.000 Kubikmeter Gas besitzen mit der Option, die Kapazität nachträglich auf 215.000 Kubikmeter erhöhen zu können.

Umgangssprachlich wurde dieser Gasspeicher häufig schlicht als „Gaskessel“ oder nur als „Kessel“ bezeichnet.

Der 60 Meter hohe Speicher wurde von Februar 1957 bis zum Jahresende errichtet. Er befand sich südlich der Durlacher Allee 100 an der Stelle, an welcher sich seit 1990 die Landesaufnahmestelle für Flüchtlinge befindet. Er stand damit östlich des dort befindlichen Bahnhochdamms der Rheintalbahn, während sich das Gaswerk selbst westlich dieser Bahnstrecke befand.

Später zierte den Speicher auch der weithin sichtbare Schriftzug „Karlsruhe“ und war aufgrund seiner Größe und Lage in der Nähe zur A5 und der Rheintalbahn ein bekanntes „Aushängeschild“ Karlsruhes.

Nachdem Karlsruhe 1965 ausschließlich mit Fremd- und Erdgas beliefert wurde, übernahm er die Funktion eines Puffers, um Abnahmespitzen abfedern zu können, da der Bezug von mehr Gas in Spitzenzeiten höhere Bezugspreise für die Stadtwerke verursachte. Nachdem allerdings diese Funktion durch die neue Erdgas Hauptleitung übernommen wurde, die überwiegend im Hardtwald verläuft und teilweise aus Rohren mit 1,2 Metern Durchmesser besteht, können darin bis zu 250.000 Kubikmeter Gas „zwischengelagert“ werden.

Somit entfiel auch diese Anforderung und der Abbau des Speichers erfolgte im Jahr 1990. Dies empfahl sich für den Besitzer, die Stadtwerke, auch deshalb, weil zur Erhaltung des Speichers umfangreiche Instandhaltungsinvestitionen benötigt worden wären, die man sich durch den Abriss ersparen wollte.

Lage des ehemaligen Gasspeichers

Dieser Ort im Stadtplan:

Die Gasfernversorgung

Bereits zu Beginn des 20. Jahrhunderts kamen immer wieder Überlegungen auf, eine Gasfernversorgung im süddeutschen Raum einzurichten. Darunter ist ein größeres, außerhalb des kommunalen Bereichs betriebenes, regionales oder überregionales Gasnetz zu verstehen. Einer der Beweggründe für den Betrieb eines Netzes lag darin, die Versorgungssicherheit für alle daran angeschlossenen Kommunen zu erhöhen und damit die Eigenverantwortung der jeweiligen Stadtwerke reduzieren zu können.

Die Überlegungen wurden allerdings nicht nur in Karlsruhe angestellt, sondern beispielsweise auch in Pforzheim 1927/1928, wo drei württembergische Gemeinden an das Pforzheimer Gasnetz angeschlossen werden wollten. Generell wurde auch deutschlandweit über diese Möglichkeiten nachgedacht.

Auch im damaligen Karlsruher Umland wuchs der Wunsch an die Anbindung an die bequeme, saubere und zuverlässige Energiequelle. Die Gemeinde Eggenstein schloss im Jahr 1909 mit einem gewissen Ingenieur „Gärtner“ einen Gaslieferungsvertrag. Da das Großherzogliche Bezirksamt diese Person nicht kannte und nicht wusste, um welche Art von Gaslieferung es sich handeln sollte, wurde von Karlsruher Seite diesem Ansinnen kurzer Hand widersprochen. Statt dessen wurde in einer Stellungnahme gegenüber dem Badischen Innenministerium der Vorschlag ausgesprochen, dass sich Eggenstein dem Karlsruher Stadtgasnetz anschließen könne. Wenn sich auch die beiden südlicher gelegenen und zu jener Zeit noch selbstständigen Gemeinden Teutschneureut und Welschneureut diesem Wunsch anschließen würden, könnte die Anbindung noch wirtschaftlicher erfolgen.

Im Rahmen einer Stellungnahme der Stadtwerke wurde festgestellt, dass die Anbindung dieser drei Gemeinden zusammen mit der bereits geplanten Fernleitung zur Versorgung von Forchheim, Mörsch, Durmersheim, Bietigheim und weiterer Gemeinden möglich sein könnte.

Teutsch- und Welschneureut beschlossen den Anschluss an das Karlsruher Stadtgasnetz im darauffolgenden Jahr 1910. Im Jahr 1927 wurde auch Ettlingen nach langwierigen Vertragsverhandlungen, da die Kostenfrage hart verhandelt wurde, an das Netz angeschlossen. Dabei erklärte sich Ettlingen dazu bereit, sein eigenes Gaswerk stillzulegen und das Gas ausschließlich aus Karlsruhe zu beziehen. Neben Ettlingen wurde auch Durmersheim, das Albtal und Herrenalb versorgt. Die Gasleitung verlief dabei über den Stadtteil Rüppurr.

Gasverwendung in Privathaushalten

Ursprünglich diente das Gas nur zur Beleuchtung, da der Brennstoff mittels Gasleitung quasi automatisch angeliefert wurde und kein ständiges Ersetzen von Brennstoffen mehr notwendig war, wie dies zum Beispiel bei Öl-, Petroleumlampen oder Kerzen erforderlich ist.

Bald darauf wurde es mittels Gasöfen und später als Etagenheizung und Gaszentralheizung zu Heizzwecken verwendet, wobei die beiden Letztgenannten auch zur Warmwassererzeugung verwendet wurden und werden. Ebenso wird mittels Gasherden gekocht, in dem das verbrennende Gas direkt zur Erhitzung von Pfannen und Töpfen verwendet wird.

Im Lauf der Zeit entwickelten sich weitere Anwendungsbereiche. So gab es auch alleinige Warmwassererhitzer, Kaffeemaschinen und sogar Bügeleisen, die mit Gas betrieben wurden. Da hierbei aber stets ein Gasanschluss notwendig war, setzten sich in diesen Fällen die mit ausschließlich mit Strom betriebenen Geräte durch. Die Warmwasserzubereitung wurde mit sogenannten Gasthermen oder Gasetagenheizungen kombiniert, welche auch die Heizung einer Wohnung übernehmen.

Bilder

Literatur

  • „Vom Stadtgas zum Erdgas“ – Aufbau der Karlsruher Gasversorgung, Herausgeber: Stadtwerke Karlsruhe GmbH als Begleitbroschüre zur Ausstellung „Karlsruhe gibt Gas – Vom Stadtgas zum Erdgas“ im Stadtmuseum Karlsruhe vom 18. März bis 19. Juni 2011

Siehe auch

Weitere Artikel zum Themengebiet im Stadtwiki

Weblinks

Fußnoten

  1. Die deutschsprachige Wikipedia zum Thema „Kokerei“
  2. Die deutschsprachige Wikipedia zum Thema „Teer“
  3. Die deutschsprachige Wikipedia zum Thema „Ammoniak“
  4. Die deutschsprachige Wikipedia zum Thema „Benzol“
  5. Die deutschsprachige Wikipedia zum Thema „Gasbeleuchtung“
  6. Quelle: Die offizielle Webpräsenz der Stadt Karlsruhe zum Thema „Stadtchronik 1880-1889“
  7. Die deutschsprachige Wikipedia zum Thema „Teleskopgasbehälter“
  8. Die deutschsprachige Wikipedia zum Thema „Scheibengasbehälter“