Erdgas

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Gasfernleitung bei Wössingen
Gasfernleitung bei Wössingen

Erdgas ist ein brennbares Naturgas, das in unterirdischen Lagerstätten vorkommt. Häufig tritt es zusammen mit Erdöl auf, da es auf ähnliche Weise entsteht. Erdgase unterscheiden sich in ihrer Zusammensetzung, Hauptbestandteil ist aber immer Methan.

Seit Ende Juli 1965 wird Karlsruhe nur noch mit Erdgas und bis 5. Oktober 1972 zu einem Teil auch mit Gas aus den Raffinerien versorgt. Zuvor erfolgte die Versorgung durch Stadtgas, welches in Karlsruhe selbst erzeugt wurde.

Erdgas als Kraftstoff

Siehe CNG-Tankstellen

Karlsruher Anbindung an das Erdgasnetz ab 1965

Gelbe Gasschiebertafel, die darauf verweist, wo sich ein Gasschieber in der Nähe dieser Tafel befindet
Otto Dullenkopf bei der symbolischen Öffnung des Gashahns, durch den nur noch Erdgas fließt

Am 30. Juli 1965 wurde das Gaswerk in Karlsruhe stillgelegt. In den Monaten zuvor bezogen die Stadtwerke bereits zu einem Viertel „fremdes“ Gas, welches von der Ruhrgas AG bezogen wurde. Zu einem Teil wurde das Gas nun auch von den Raffinerien am Rhein erzeugt.

Es wurde beschlossen, das Gas mit einem Duftstoff zu versehen, um es im Falle eines Lecks dadurch schneller und besser wahrnehmen zu können. Zwar ist Erdgas nicht so toxisch wie das herkömmliche Stadtgas, allerdings doppelt so energiereich und entsprechend explosiver.

Da das Erdgas mit einem vierfach höheren Druck angeliefert wurde als das Stadtgas, war es erforderlich, alle Anschlüsse entsprechend umzurüsten. Dazu wurden rund 500.000 „Erdgas-Informationsbriefe“ von den Stadtwerken verschickt. In der Kaiserstraße 97 wurde ein Informationszentrum eingerichtet. Die Umstellungskosten beliefen sich auf rund 18 Millionen Deutsche Mark.

Die Besonderheit dieser Umstellungsmaßnahmen lag darin, dass der Umbau während des Betriebs erfolgte. Der Anteil der Erdgas beziehenden Abnehmer stieg, während der Anteil der Stadtgas beziehenden sank. Möglich wurde dies dadurch, dass die Stadtwerke zunächst um die ganze Stadt eine Ringleitung verlegten, deren Anfang und Ende auf dem Gelände des Gaswerks lag. Im einen Teil floss bereits Erdgas, im anderen Teil noch Stadtgas. Karlsruhe wurde dabei von den Stadtwerken in 102 Umstellungsbezirke eingeteilt die jeweils mittels eines so genannter Schiebers von Stadtgas oder Erdgas versorgt werden konnten. Während viele andere Städte diese Schieber nur temporär vorgesehen hatten, wurden in Karlsruhe rund 1.000 hochwertige Schieber eingebaut. Die Zahl wurde später auf 2.400 erhöht. Dadurch besteht auch heute noch die Möglichkeit, im Falle von Störungen kleinere Bezirke vom Gasnetz zu trennen, während Nachbarbezirke weiterhin mit Gas versorgt werden können.

Die Nachfrage von Gas in Karlsruhe stieg weiter kontinuierlich an. Im Jahr 1969 betrug der höchste Tagesverbrauch 566.000 Kubikmeter Gas und lag zwei Prozent über dem Verbrauch des Vorjahres. Das Wachstum wurde dabei hauptsächlich durch die Verwendung als Heizgas getragen. Die Umstellung der Straßenbeleuchtung auf elektrische Energie schritt voran, ebenso der Betrieb von modernen Elektroherden in den privaten Haushalten. Das Gasnetz, welches von den Stadtwerken Karlsruhe betrieben wurde, hatte eine Länge von 483 Kilometern erreicht und war an 74.859 Abnehmerzähler angeschlossen. Der Jahresgewinn aus dem Gasverkauf betrugt 700.000 Deutsche Mark.

Ab dem 6. Oktober 1972 bezogen die Stadtwerke Karlsruhe nur noch Erdgas. Der Bezug von Gas aus den Raffinerien endete. Der Grund dafür war, dass die Anlagen in den Raffinerien sehr störanfällig waren und ihr vertraglich vereinbartes Liefersoll von 50 % der in Karlsruhe benötigten Gasmenge nicht erreichen konnten.

Im Jahr 1974 betrug die Länge des Karlsruher Gasverteilungsnetzes 500 Kilometer.

Das starke Wachstum in der Vergangenheit nahm ab, blieb aber weiterhin auf deutlich niedrigem Niveau erhalten.

Seit 1978 werden die Gasmengen auch in Karlsruhe nach der internationalen Norm in der Maßzahl „Megawattstunden“, abgekürzt MWh, gemessen und ausgewiesen. Zuvor erfolgte die Erfassung in „Megakalorien“, abgekürzt Mcal. Das Gasnetz erreichte eine Länge von 517 Kilometern und 19.922 Haushalte wurden mit Gas beliefert. Der Verbrauch lag wie in den Jahren zuvor bei rund zwei Dritteln in der Verwendung als Heizgas für Heizung und Warmwasser.

Zum 11. Dezember 1980 wurde die Erzeugung von Flüssiggas an die Firma Scharr OHG verkauft, die bis dahin im ehemaligen Gaswerk Durlach abgewickelt wurde.

Der Ausbau des Erdgasnetzes in Karlsruhe schritt weiter voran. Ende 1981 erreichte es die Länge von 540 Kilometern, im Jahr 1986 von 565 Kilometern.

Ab 1986 sollte in das Gasnetz das energiereichere „H-Gas“ eingespeist werden. Hierzu waren erneut Umstellungsarbeiten notwendig, die von einer Spezialfirma im Auftrag der Stadtwerke vorgenommen wurden. Rund 150.000 Geräte mussten hierzu angepasst werden.

Erdgasfernleitung

Die Nordschwarzwaldleitung im Wildschweingehege Grünwettersbach

Die Gasversorgung Süddeutschland GmbH (GVS) betreibt ein flächendeckendes Hochdrucknetz von 1.892 Kilometern Länge. Eine Gasfernleitung verläuft in Nord-Süd-Richtung zwischen Basel und Mannheim. Eine weitere GVS-Leitung führt von Stutensee-Blankenloch Richtung Ulm.

2016 wurde die Nordschwarzwaldleitung von Au am Rhein nach Leonberg in Betrieb genommen. [1]

Ausstellungen

Die Ausstellung „Karlsruhe gibt Gas – Vom Stadtgas zum Erdgas“ wurde vom 18. März bis 19. Juni 2011 im Stadtmuseum Karlsruhe gezeigt.

Literatur

  • „Vom Stadtgas zum Erdgas“ – Aufbau der Karlsruher Gasversorgung, Herausgeber: Stadtwerke Karlsruhe GmbH als Begleitbroschüre zur Ausstellung „Karlsruhe gibt Gas – Vom Stadtgas zum Erdgas“ im Stadtmuseum Karlsruhe vom 18. März bis 19. Juni 2011

Siehe auch

Weitere Artikel zum Themengebiet im Stadtwiki

Weblinks

<references>
  1. https://www.terranets-bw.de/aktuelles/pressemitteilungen/artikel/artikel/ein-meilenstein-fuer-die-versorgungssicherheit-in-baden-wuerttemberg-nordschwarzwaldleitung/