Sparkasse Karlsruhe (Geschichte)

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Seit ihrer Gründung bis 1906/1907 befand sich die „Leihhaus- und Erparniß-Kasse“ im 1. Ober- und später auch Erdgeschoss des Rathauses
Ab 1906 befand sich das Leihhaus im Pfandhaus in der ehemaligen Schwanengasse des Dörfle; zwischenzeitlich erfolgt der Zugang über die Markgrafenstraße 29
Städtische Sparkasse am Marktplatz (Anfang 1950er)

Die Sparkasse Karlsruhe war ein Kreditinstitut in Karlsruhe.

Geschichte

Der Großherzog Karl von Baden erließ am 12. Dezember 1812 die Gründungsstatuten für ein Leihhaus in Karlsruhe, um die Bevölkerung vor Wucherzinsen privater Pfandleiher zu schützen. Nach vier Jahren wurde dem Leihhaus eine Sparkasse hinzugefügt, die mit diesem eine Einheit bildete. Sie bezeichnete sich als „Leihhaus- und Ersparniß-Kasse“. Die Sparkasse ist damit in Baden-Württemberg die älteste und gehört zu den 15 ältesten Instituten in Deutschland.

Mit der Sparkassengründung sollte die Wirtschaft und speziell die Bauwirtschaft gefördert werden. Das notwendige Kapital erhielt die Sparkasse durch Ausgabe von Schuldverschreibungen an private Gläubiger. Garantiert wurden diese Schuldverschreibungen von der Stadt Karlsruhe, die auch das Verwaltungsgebäude stellte. Zunächst befand sich dieses im Hintergebäude des noch nicht fertig gestellten Rathauses. Als dieses 1825 vollendet war, wurde die Einrichtung im 1. Obergeschoss untergebracht. Im Leihhaus konnte jeder gegen Einbringung eines Pfandes ein kurzfristiges Darlehen erhalten. Der Kundenkreis der „Ersparniß-Kasse“ war laut Satzung auf Handwerker, Dienstboten, Tagelöhner und „Leute dieses Standes“ beschränkt und war exemplarisch für die frühen Sparkassengründen. Der soziale Aspekt stand im Vordergrund und folgte dem Prinzip „Hilfe zur Selbsthilfe“. Die Geschäftsidee war, dass man Menschen aus einfachen Verhältnissen die Gelegenheit bieten wollte, kleine Ersparnisse sicher und gegen Zinsen anlegen zu können. Somit konnten sie sich für Notzeiten wappnen oder für Anschaffungen und Existenzgründen sparen. Die Nachfrage war in den ersten Jahren aufgrund von Ernteausfällen und steigenden Lebensmittelpreise sehr gering. Auch war die Möglichkeit noch neu und musste sich erst im Bewusstsein der Menschen durchsetzen. Ab den 1820er Jahren begann der Anstieg und wirtschaftliche Erfolg der Ersparniß-Kasse. Die Bevölkerungsteile, die satzungsgemäß ausgeschlossen waren, beschwerten sich zunehmend, so dass die Kundenkreisbeschränkung im Jahr 1840 aus der Satzung entfernt wurde. In diesem Jahr erfolgte auch die Einführung des „Sparbuchs“. Zuvor waren bei jeder Einzahlung Schuldscheine ausgestellt worden.

Durch den wachsenden Kundenkreis stieg auch das ersparte Kapital und es bestand zunehmend die Schwierigkeit, dieses satzungsgemäß anlegen zu können. Im Jahr 1860 wurde beschlossen, einen Teil der Überschüsse für gemeinnützige Zwecke an die Stadt auszuschütten. Zunächst profitierte davon die Armenfürsorge und ab 1880 erhielten auch Schulen Zuwendungen.

Aufgrund der Geschäftserfolgs wechselte die Pfandleihe zunächst ins Erdgeschoss der Rathauses. Ab dem Jahr 1906 konnte die Pfandleihe einen Neubau beziehen, der auch als Pfandleihe bezeichnet wurde und im Westen des Dörfles in der ehemaligen Schwanengasse lag. Inzwischen ist in dem Gebäude das Stadtarchiv Karlsruhe untergebracht. Die Pfandleihe, die in den letzten Jahren ihre Bestehens nur noch aufgrund von Zuschüssen der Sparkasse und aus Rücksicht auf soziale Gründe bestehen konnte, wurde im Jahr 1941 geschlossen.

Im Jahr 1907 kam auch die Sparkasse in einem Neubau unter, der sich direkt nördlich neben dem Rathaus am Marktplatz befand. Bis heute befindet sich darin eine Filiale der Sparkasse. Während des Ersten Weltkriegs bezog sich der überwiegende Teil der Geschäftstätigkeit der Sparkasse auf das Spargeschäft. Da vor allem Kriegsanleihen eine gute Verzinsung versprachen und es in jener Zeit selbstverständlich war, dem „Vaterland“ durch Zeichnung von Anleihen Kapital zu verschaffen, bedeutete dies den Einsteig der Sparkasse in das Wertpapiergeschäft. Zuvor war diese Art des Handels Banken vorbehalten gewesen.

Aufgrund der Hyperinflation nach Beendigung des Kriegs wurden die vorhandenen Spareinlagen völlig entwertet. Um den Zweck und die Sinnhaftigkeit des Sparen der Bevölkerung erneut vermitteln und wiederwecken zu können, wurde ab 1924 beim ersten internationalen Sparkassenkongress in Mailand der Weltspartag ins Leben gerufen. Die Karlsruher Sparkasse eröffnete hierzu so genannte Annahmestellen, die zunächst nur dem Zweck diente, Spargelder der Bevölkerung entgegen zu nehmen. Diese Stellen befanden sich in normalen Ladengeschäften. Die Ladeninhaber betrieben diese Art der Spargeldannahme als Nebenerwerb. Bei diesem Modell handelte es sich um die frühen Vorläufer der Zweigstellen.

Im sogenannten „Dritten Reich“ von 1933 bis 1945 dienten die Sparkassen dazu, die Spareinlagen der Kunden in Reichsanleihen anzulegen, mit denen sich das Reich mit Kapital versorgte. Auch wurden in dieser Zeit Fusionen von Sparkassen vorgenommen, die sich auch in Folge von Eingemeindungen ergaben. So verlor die Gemeindesparkasse Knielingen am 1. April 1935 ihre Selbständigkeit und wurde zu einer Zweigstelle der Sparkasse Karlsruhe. Ein Jahr nach der Eingemeindung von Durlach übernahm die Sparkasse Karlsruhe die Bezirkssparkasse Durlach im April 1939. In dieser hatten sich zuvor 13 Gemeinden zusammengeschossen. Die „Bezirkssparkasse Durlach“ war am 1. Januar 1898 durch Bürgermeister Dr. Reichert gegründet worden. Nach der Übernahme war sie unter der Bezeichnung „Hauptzweigstelle Durlach“ im Eckhaus Pfinztalstraße/Kelterstraße untergebracht.[1] Die Gemeindesparkasse Grötzingen wurde am 1. Januar 1944 per Regierungsbeschluss mit der Karlsruher Sparkasse zwangsfusioniert.

Ab dem Jahr 1952 begann die Sparkasse Karlsruhe damit, ihr Zweigstellennetz auszubauen. Dies sollte der Kundennähe dienen und auch eine Entlastung der Hauptstelle bewirken. Ab dem Jahr 1966 wurde auch eine „fahrbare Zweigstelle“ eingerichtet, welche im Geschäftsgebiet an festgelegten Haltepunkte Stadion machte. Weil die Hauptstelle am Marktplatz nicht erweitert werden konnte, wurde von der Sparkasse zusammen mit der Landesbausparkasse am Europaplatz ein Neubau erstellt, der 1957 bezogen werden konnte. Dorthin wechselte dann der Hauptsitz und der ältere Standort Marktplatz wurde eine Filiale.

Als im Jahr 1978 die Gemeinde Pfinztal in den Gewährträgerverbund mit der Stadt Karlsruhe eintrat, wurde eine Namensänderung erforderlich. Die Sparkasse, die bis dahin als Stadtsparkasse firmierte, wurde in Sparkasse Karlsruhe umbenannt.

Im Jahr 1980 wurde die „SB-Technik“, also die Selbstbedienungstechnik eingerichtet. Sie wurde als „3xS – Sparkasse-Schnell-Service“ bezeichnet. Diese Multifunktionsterminals waren die modernsten ihrer Art in Deutschland und erfüllten mehrere Aufgaben. Einige Jahre später wurde auch ein BTX Service eingerichtet. BTX war eine Vorläufertechnik des Internets, die sich im Gegensatz zur Verbreitung des Internets und aufgrund relativ hoher Telefonkosten nicht im großen Stil in der Bevölkerung durchsetzen konnte.

Zum 1. Juli 1993 wurde die Sparkasse Malsch Teil der Sparkasse Karlsruhe und seit dem 1. Januar 2003 haben sich die Sparkasse Graben-Neudorf/Philippsburg und die Sparkasse Karlsruhe zusammengeschlossen.

Am 1. November 2010 ging sie durch den Zusammenschluss mit der Sparkasse Ettlingen in der Sparkasse Karlsruhe auf.

Adresse

Hauptstelle
Kaiserstraße 223
76133 Karlsruhe
Handelsregister 
Registergericht Mannheim HRA 104513, Sparkasse Karlsruhe, Sitz: Karlsruhe

Weblinks

  • Die Domain sparkasse-ka.de wird nicht mehr genutzt, es gibt aber Kopien der Webpräsenz im Internet-Archiv Archive.org

Fußnoten

  1. http://www.durlach.org/details.php?image_id=12806