Rheinhafendampfkraftwerk

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Kraftwerk und Hafeneinfahrt im Juli 2006
RDK-7 von Norden her
Neuer Block 8
Hafenseite

Das Rheinhafendampfkraftwerk (RDK) ist ein Steinkohle-Kraftwerk der EnBW Kraftwerke AG. Es liegt unmittelbar am Rhein an der Einfahrt in den Karlsruher Rheinhafen.

Allgemein

Das Kohlekraftwerk besteht aus sieben Blöcken, die Steinkohle verbrennen. Benutzt werden nur noch der Block 7 und Block 4S, der aus einer neuen Gasturbine besteht, deren Restwärme in der ursprünglichen Dampfturbine genutzt wird. Der Schornstein des Blocks 7 ist mit 233 m Höhe das höchste Bauwerk Karlsruhes. Der Block 7 liefert seit 1985 Strom.

Im Block 2 ist der Kessel, zum Beispiel im Rahmen einer Führung, begehbar und im unveränderten Zustand nach der Abschaltung mit Schlackenbelag belassen worden.

Der 2008 errichtete Kamin des noch in Bau befindlichen Blocks 8 ist mit 230 Metern nur unwesentlich kleiner. Der Kamin der Blöcke 5 und 6 teilt sich zusammen mit dem größten Kamin der MiRO-Raffinerie mit 210 Metern Höhe den Titel des dritt höchsten Bauwerks in Karlsruhe.

Das Kraftwerk liefert neben Strom auch den größten Teil der Wärme für die Fernwärmeversorgung der Stadtwerke. Die Kohle für die Verbrennung gelangt über den Schiffsweg auf dem Rhein zum Kraftwerk. Unmittelbar am Kraftwerk werden die Kohleladungen der Rheinschiffe gelöscht und auf großen Halden im Freien gelagert.

Besucher können das Kraftwerk von drei Seiten aus der Nähe zu sehen, der Fußweg vom Hochwasser-Sperrtor nach Rappenwört führt durch die Siloanlage. In unmittelbarer Nähe befindet sich auch das Umspannwerk im angrenzenden Daxlanden.

RDK 4

Die Gasturbine, auch als RDK 4s bezeichnet, wurde 1998 in Betrieb genommen. Ihre Abwärme speist die erhaltene Dampfturbine des alten Block 4. Der GuD-Block kann eine elektrische Leistung von 350 Megawatt bei einem Wirkungsgrad von 57% liefern.

Der Block soll nach einer Mitteilung der EnBW für eine geraume Zeit stillgelegt werden. Als Stilllegungsgrund nannte die EnBW den nicht kostendeckenden Betrieb, weil die Gasturbine kaum zum Einsatz kommt. Sofern sich in der Zukunft die Rahmenbedingungen ändern, könnte die Gasturbine wieder reaktiviert werden.[1]

Gasturbinen gelten im Vergleich zu anderen Verfahren, die auf dem Verbrauch fossiler Brennstoffe beruhen, als die umweltfreundlichste Stromerzeugungsmethode, weil die Gasverbrennung im Vergleich zur Kohle- oder Ölverfeuerung weniger Schadstoffe produziert und damit auch weniger CO2. Zudem eignen sich Gasturbinen zur Abdeckung von Lastspitzen, weil sie schnell an- und wieder heruntergefahren werden können. Bei Kohleöfen sind diese Zeiten prinzipbedingt deutlich länger.

RDK 8 (Erweiterung des Kraftwerks 2008 bis 2014)

Seit Mitte Mai 2014 läuft das RDK 8 regulär.

Neben einem neuen Steinkohlekessel verfügt das Kraftwerk über einen neuen Kamin und einen Kühlturm mit einer Höhe von 80 Metern. Die Höhe des Turms war zunächst höher geplant gewesen und deshalb umstritten. Als Kompromiss war die Höhe reduziert worden. Damit er seine benötigte Funktion dennoch ausüben kann, verfügt er an seiner Basis über zusätzliche Ventilatoren, welche die Kühlung unterstützen.

Der Kühlturm ist nur von der Rheinseite aus bzw. vom gegenüber liegenden Hafenbecken aus zu erkennen. Er wird benötigt, um auch im Sommer einen Kraftwerksbetrieb unabhängig vom Rhein sicher stellen zu können. Bis zur Verwendung des Kühlturms wird das vorher abgekühlte Wasser in den Rhein abgegeben. Bei einer Wassertemperatur des Rheins von bis zu 22,5 Grad kann der Kühlturm verwendet werden. Ab 22,6 Grad wird der Kühlturm geregelt verwendet werden. Ab einer Wassertemperatur von 24,4 Grad wird der Kühlturm mit Volllast betrieben. Beträgt die Temperatur des Rheins mindestens 28 Grad, darf das Kühlwasser nur noch mit einer Ausnahmegenehmigung in den Rhein geleitet werden.

Der Kühlturm hat an seiner unteren Basis einen Durchmesser von 95 Metern, oben, in einer Höhe von 80 Metern, beträgt der Durchmesser nur noch 55 Meter.

Im Jahr 2012 sollte die Erweiterung des Kraftwerks abgeschlossen sein, die 1,3 Milliarden Euro kosten sollte und eine Stromerzeugungsleistung von 912 Megawatt erreichen soll.

Die EnBW gab im Sommer 2011 bekannt, dass sich die Fertigstellung des neuen Blocks um ca. 1,5 Jahre verzögern würde und erst Mitte 2013 in Betrieb genommen werden sollte. Die Verzögerungen resultierten aus Problemen bei der Herstellung und Lieferung von Bauteilen. Die Fertigstellung des Kessels, der aus einem neuen Spezialstahl besteht, führt ebenfalls zu Verzögerungen. Im Februar 2013 wurde bekannt, dass im April 2013 der neue Kessel erstmals im Probebetrieb gefahren werden soll. Im zweiten Halbjahr 2013 soll Strom erzeugt werden. Nachdem Optimierungsmaßnahmen und Prüfungen vorgenommen wurden, soll die neue Anlage ab Anfang 2014 den regulären Betrieb aufnehmen und dabei einen Wirkungsgrad von bis 46 Prozent erreichen. Dieser wird auch durch die Nutzung der Abwärme zum Betrieb des Fernwärmenetzes erreicht.

Das Regierungspräsidium Karlsruhe genehmigte Ende April 2012 die Erweiterung der Gleisanlagen, welche bis zum Kohlelager des Kraftwerks reichen. Die Erweiterung betrifft eine Strecke von 700 Metern Länge, die mittels acht neuer Weichen an das bestehende Netz angebunden wird. Zusätzlich wird das existierende Bekohlungsgleis modernisiert. Bislang wurde der Großteil der benötigten Steinkohle mittels der Rheinschifffahrt von Rotterdam aus angeliefert, wo die Kohle aus Übersee umgeschlagen wird. Da nach der Fertigstellung des neuen Kraftwerkblocks auch der Kohleverbrauch ansteigen wird und um die Versorgungssicherheit trotz erhöhtem Verbrauch gewährleisten zu können, wird die Anbindung der Hafenbahn an das Kohlelager ausgebaut. Wenn über den Rhein wegen Niedrig- oder Hochwasser, wegen Schiffsunfällen oder wegen einer Vereisung des Rheins weniger oder kein Schiffsverkehr mehr möglich ist, ist eine Belieferung des Kraftwerks nur noch mittels Güterzügen möglich. Unabhängig von der Schiffbarkeit des Rheins soll der vergrößerte Kraftwerkskomplex zukünftig ganzjährig auch mittels Güterzügen mit Kohle versorgt werden, obwohl die Anlieferung von Kohle auf dem Wasserweg die kostengünstigste Transportmöglichkeit darstellt.

Am 7. August 2013 kam es bei der letzten Phase des Probebetriebs des neuen Kraftwerkblockes im Maschinenhaus zu einem Feuer, welches von 50 Feuerwehrleuten innerhalb von drei Stunden unter Kontrolle gebracht werden konnte. Zuvor war die neue Anlage bereits rund 600 Stunden mit Öl- und Kohleverbrennung betrieben worden. Bei dem Feuer wurden Armaturen, Lüftungen, Verkabelungen und weitere Bauteile in Mitleidenschaft gezogen. Das Feuer verursachte einen Schaden in Höhe von mehreren Millionen Euro. Als Brandursache gab die EnBW eine undichte Stelle im Hydrauliksystem an, wodurch sich ausgetretenes Öl entzünden konnte. Die erneute Aufnahme des Probebetriebs erfolgte Anfang November. Durch diesen Unfall wird sich die Inbetriebnahme des neuen Kraftwerkteils im Regelbetrieb um mindestens drei Monate auf Mitte 2014 verschieben.

In der Bilanzpressekonferenz der EnBW vom 7. März 2014 gab der Vorstandsvorsitzende Frank Mastiaux bekannt, dass auf Grundlage der aktuell erzielbaren Strompreise der Betrieb des neuen Kohleblocks die Fixkosten nur teilweise decken wird. Die Braunkohlekraftwerke der deutschen Energie-Konkurrenzunternehmen können paradoxerweise aufgrund niedriger CO2-Zertifikatskosten wirtschaftlich betrieben werden, obwohl deren Betrieb unter Umweltgesichtspunkten schlechter ist als der von Steinkohlekraftwerken mit Kraft-Wärme-Koppelung. Laut Angaben der EnBW handelt es sich bei dem neuen RDK-8 Block um den modernsten in Europa.

Geschichte

1955 
Inbetriebnahme von Block 1
1985 
Inbetriebnahme von RDK-7, einer Steinkohleanlage als Ersatzanlage für die Blöcke 1-4
1985 und 1986
Inbetriebnahme einer zweistufigen Rauchgasreinigungsanlage. Kostenpunkt: 70 Mio. DM
1998 
Inbetriebnahme des umgebauten Blocks 4S
2008 
Im Mai genehmigte das Regierungspräsidium Karlsruhe den Bau eines weiteren Kraftwerksblockes (RDK-8).
2014 
Am 31. Januar kam es in einer Schaltanlage von Block 7 zu einem Brand. 37 Feuerwehrleute der Berufsfeuerwehr löschten den Brand zusammen mit der Werksfeuerwehr. Die Fernwärmeversorgung wurde durch den Brand nicht gefährdet.

Stromerzeugung

Sowohl im Rheinhafen-Dampfkraftwerk der EnBW als auch im Heizkraftwerk-West wird Strom im so genannten Kraft-Wärme-Koppel-Betrieb hergestellt. Bei dieser kombinierten Erzeugung von Strom und Fernwärme werden bis zu 85 Prozent der eingesetzten Primärenergie in nutzbare Energie umgewandelt, da die bei der Stromerzeugung zwangsläufig anfallende Abwärme hier weitgehend als Fernwärme genutzt werden kann.

Bilder


Adresse

Fettweisstraße 60
76189 Karlsruhe

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Weblinks

Fußnoten

  1. Pressemitteilung der EnBW vom 05. Juli 2013 zur Stilllegung von vier Kraftwerksblöcken und dem RDK4