Michaelsberg

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Disambig-50px.png Dieser Artikel bezieht sich auf den Michaelsberg bei Bruchsal-Untergrombach. Für andere Michaelsberg siehe Michaelsberg (Begriffsklärung).

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Blick vom Michaelsberg auf Untergrombach und den Baggersee Metzgerallmend.

Der Michaelsberg ist ein Berg bei Bruchsal-Untergrombach. Man hat von hier einen schönen Überblick über die Region, ein Ausflugsziel in der Nähe von Karlsruhe, weil er der höchste Punkt des westlichen Kraichgaus ist.

Archäologische Funde

Auf dem Michaelsberg wurden 1884 die ersten prähistorischen Funde gemacht. Ab 1888 begannen die ersten systematischen archäologischen Ausgrabungen. Man entdeckte zahlreiche Siedlungsgruben innerhalb einer Umwallung aus der Zeit von vor 3500 Jahren. Teile von Tongefäßen und Tierknochen zeugen von der einstigen Siedlungstätigkeit. Nach der Fundstätte auf dem Michaelsberg wird diese jungsteinzeitliche Kultur inzwischen die „Michelsberger Kultur” genannt.

Geologie

Den Michaelsberg bilden mächtige Muschelkalkschichten, die von einer unterschiedlich mächtigen Lössschicht überdeckt sind. An der Westseite liegt deutlich weniger Löss als im Osten.

Naturdenkmal

An der Auffahrt zum Michaelsberg ist ein geologischer Aufschluss, ein sogenanntes „Schaufenster der Erdgeschichte”, zu sehen. Bei dem aufgeschlossenen Gestein handelt es sich um eine Wechselfolge von dichten und bioklastischen Kalkbänken des Trochitenkalks aus der Zeit des Oberen Muschelkalks. Der Aufschluss ist als schutzwürdiges Naturdenkmal ausgewiesen.

Artenreiches Biotop

Die Vegetation ist am Michaelsberg besonders artenreich. Verantwortlich dafür ist die landschaftliche Vielfalt aus Halbtrockenrasen, Hecken, Gebüsch, Steinriegeln, Trockenmauern, Hohlwegen, Buchenwäldern und Streuobstwiesen. Bereits im 19. Jahrhundert galt der Berg als wichtiges Ziel für botanische Exkursionen.

Geschichte

Michaelsberg mit Michaelskapelle

Früheste Spuren einer Besiedlung am und um den Michaelsberg herum datieren auf die Zeit zwischen dem 44 und 35. vorchristlichen Jahrhundert. Die ab 1884 gemachten Funde lassen die Gruppierung in einen eigenständigen Kulturkreis zu, die seit 1908 als „Michelsberger Kultur“ bezeichnet wird. Charakteristisch für die Kultur sind unter anderem die so genannten „Tulpenbecher“, von denen ein vollständig erhaltenes Exemplar heute am Berg ausgestellt ist.

Über die Zeit nach der vorgeschichtlichen Besiedlung gibt es keine Belege. Die Vermutung geht dahin, dass der Berg als heidnische Kultstätte gedient haben könnte. Die Schlüsse werden aus verschiedenen Begleitumständen gezogen: Einerseits galt in germanischen Kulturkreisen oftmals der höchste Berg einer Region als heilig. Hinzu kommt das frühere Vorhandensein mehrerer Quellen, was dieses Status noch verstärkt haben könnte. Schließlich wird aufgrund bekannter Vorgänge anderer Michaelsberge das Vorhandensein einer dem heiligen Michael - Luzifers Bezwinger – geweihten Kapelle angenommen, das auch am Untergrombacher Michaelsberg eine heidnische Stätte durch eine christliche Stätte ersetzt wurde.

Eine solche ist erstmals für das Jahr 1346 belegt. Im Jahre 1472 wurde diese durch einen gotischen Bau ersetzt. Der Kirchenbau war Ziel wiederkehrender Wallfahrten. Eine solche wurde 1689 von den französischen Besatzungstruppen zur Zerstörung des Bruchsaler Klosters genutzt. Damian Hugo von Schönborn ließ 1742 eine barocke Kapelle errichten. Diese wurde 1803 im Zuge der Säkularisation aufgehoben und diente in den Folgejahren unter anderem als Schmiedewerkstatt und Schweinestall. 1823 wurde eine sich heute noch in Betrieb befindliche Schankwirtschaft an der Kapelle eröffnet. Viele der ursprünglichen Einrichtungsgegenstände der Kapelle gingen verloren. Zwischenzeitlich wurde auch erwogen das Gebäude abzureisen. Das verhinderten zunächst Großherzogin Amalie von Baden, die das Gebäude durch einen Hofbeamten kaufen ließ, und später der Untergrombacher Pfarrer Kling, der die Kapelle 1855 mit Spendengeldern kaufte und restaurieren ließ. Zwei Jahre später wurde sie in einer Wallfahrt feierlich wiedereröffnet.

In jenen Jahren kam dem Weinbau auf dem Berg besondere Bedeutung zu. Rund ein Sechstel der Fläche war diversen Rebsorten vorbehalten, die jedoch ab den 1960er Jahren zunehmend verschwanden. Vereinzelt wird noch Weinbau betrieben, jedoch haben vor allem Streuobstwiesen, die zur Hochzeit des Weinbaus als Beipflanzungen entstanden waren, heute größere Bedeutung.

Hohlwege

  • Eckhohle
  • Steighohle, ein Teil der Zufahrtsstraße zur Kapelle
Michaelsberg vomWeingartener See

Ausflugslokal

Auf dem Michaelsberg gibt es auch ein Ausflugslokal mit Biergarten und für Festlichkeiten.

Café-Restaurant Michaelsberg
Michaelsbergstraße 55
76646 Bruchsal
Telefon: (07257) 9 31 68 81
Offizielle Webpräsenz „Café-Restaurant Michaelsberg“

Die Gaststätte wurde am 7. Dezember 2012 neu eröffnet.

Standort

Kontrollpunkt für Navigationsgeräte an einem quaderförmigen Stein etwas unterhalb der Michaelskapelle. Eingeweiht im April 2017.

Dieser Ort im Stadtplan:

Ausflugsziele in der Umgebung

Literatur

  • Michael Hassler (Hrsg.): Der Michaelsberg, Naturkunde und Geschichte des Untergrombacher Hausbergs. Verlag Regionalkultur, Karlsruhe 1998, ISBN 3-929366-78-9
  • zu den Hohlwegen siehe S. 313-314 in: „Hohlwege. Entstehung, Geschichte und Ökologie der Hohlwege im westlichen Kraichgau“ von Bärbel Baier, (Hrsg.) R. Wolf, D. Hassler, Ubstadt-Weiher, verlag regionalkultur, 1993, (Beihefte zu den Veröffentlichungen für Naturschutz und Landschaftspflege in Baden-Württemberg ; 72) ISBN 3-929366-02-9

Weblinks