Brauerei Benz

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Ehemalige Brauerei und Malzfabrik in der Kaiserallee
Eingang zum alten Eiskeller der Brauerei

Die Brauerei Albert Benz war eine Karlsruher Brauerei und Malzfabrik in der heutigen Weststadt. Sie ging ursprünglich aus der Gastwirtschaft Zum Weißen Berg am Ludwigsplatz hervor.

Geschichte

Das Wirtshaus Zum Weißen Berg war die erste Gastwirtschaft und Brauerei am Karlsruher Ludwigsplatz. Seine Geschichte reicht mit wechselnden Besitzern bis in die Gründerzeit der Karlsruher Küfer- und Bierbrauerzunft zurück.

Das einstmals imposante Eckhaus am Ludwigsplatz (Erbprinzenstraße 34, Ecke Waldstraße) hatte der Weinbrenner-Schüler Christoph Arnold 1811/12 ursprünglich für sich selbst erbaut, es dann jedoch 1814 an Staatsrat Baron von Wechner verkauft. Neuer Besitzer im Jahre 1815 wurde der Gastwirt Andreas Schnabel (1782-1841). Er war es, der hier schließlich die Gastwirtschaft Zum Weißen Berg einrichtete und dahinter in der Waldstraße 38 (später Nr. 40) auch eine Brauerei. Das Sudhaus war in einem Hintergebäude untergebracht. Dort befanden sich auch Stallungen für Pferde, Schafe, Schweine und Hühner.

1817 gehörte Schnabel zu den Gründungsmitgliedern der vereinigten Karlsruher Küfer- und Bierbrauerzunft. Seine Familie führte Lokal und Brauerei über viele Jahre weiter (ab 1833 Jacob Schnabel). Nach Jacob Schnabels Tod 1842 trat die Familie Karl Reble (1816-1865) die Nachfolge an. In der folgenden Zeit entwickelte sich der Weiße Berg zu einer der reichsten und größten Brauereien der Stadt. Die beiden Braukessel fassten 4245 bzw. 1635 Liter. Hinzu kam ein 3000 Liter fassender so genannter "Vorwärmer", über den die verdampfte Flüssigkeit in den (damals noch haubenlosen) Braukesseln durch vorgekochte Würze nachgefüllt werden konnte. Über dem Brauhaus befand sich auch eine Malzdarre. Nach Rebles Tod führte zunächst dessen Witwe, dann ab 1868 der Bierbrauer Anton Kilber den Betrieb weiter. Zu dieser Zeit hatte der Weiße Berg jedoch seine Position unter den führenden Karlsruher Brauereien bereits eingebüßt. Kilber musste im Jahre 1873 trotz des allgemein einsetzenden wirtschaftlichen Aufschwungs Konkurs anmelden.

Albert Benz übernahm den Weißen Berg 1874 zu einer Zeit, in der viele Brauereien gerade dabei waren, den Schritt zum industriellen Großbetrieb zu vollziehen. Einige (wie z.B. Printz oder Eypper) hatten bereits Neubauten auf dem Gebiet der heutigen Weststadt bezogen, viele andere besaßen zumindest schon Bierkeller außerhalb der Stadt. Auch die Brauerei Zum Weißen Berg verfügte bereits seit 1858 über einen Eiskeller im Bürgerfeld an der Mühlburger Landstraße (heutige Kaiserallee). Also entschloss sich nun auch Albert Benz zu einen Brauereineubau auf diesem Gelände. Im Jahre 1888 wurden die neue Brauerei und eine Malzfabrik in der Kaiserallee 25 in Betrieb genommen und die Brauereianlage am Ludwigsplatz stillgelegt. Das Gasthaus dort betrieb Benz jedoch weiterhin als Ausschank.

1893 gab Albert Benz Brauerei und Gastwirtschaft schließlich auf. Letztere verkaufte er an die Brauerei Schrempp, welche nun den Weißen Berg zu ihrem Hauptausschank machte. Die Malzfabrik in der Kaiserallee betrieb Benz dagegen noch bis 1901 weiter. Das Wohngebäude und der Eingang zum ehemaligen Benz'schen Eiskeller (heute Kaiserallee 23a, westlich des Kaisergartens) sind noch heute erhalten. Die traditionsreiche Gastwirtschaft Zum Weißen Berg am Ludwigsplatz wurde dagegen 1958 abgerissen und durch einen viergeschossigen Neubau ersetzt. Im Erdgeschoss beherbergt dieser heute eine Filiale der Fastfoodkette Pizza Hut.

Standort

Lage der Brauerei beim Neubau 1887
Letzte Adresse 1901
Malzfabrik Benz
Kaiserallee 25
Karlsruhe

Quellen

„Stadtplätze in Karlsruhe“ 
Herausgeber: Manfred Koch, Veröffentlichungen des Karlsruher Stadtarchivs, Band 26, Info-Verlag Karlsruhe, 2003, ISBN 3-88190-317-8
„Wirtschaftshemmnisse und Reformblockaden im 19. Jahrhundert am Beispiel des badischen Brauereiunternehmers Peter Müller“ 
von Martin Frey, In: Zeitschrift für die Geschichte des Oberrheins Nr.152, S. 339–370, Verlag W. Kohlhammer, Stuttgart, 2004.
„Karlsruher Bürgerhäuser zur Zeit Friedrich Weinbrenners„ 
von Hea-Jae Im, In: Friedrich Weinbrenner und die Weinbrenner-Schule, Band 4, S. 278, Verlag Von Zabern, Mainz, 2004, ISBN 3-8053-3332-3.

Weblinks