Karlsruher Mundart

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Die Karlsruher Mundart ist eine Mischung aus alemannischen und fränkischen Dialekten.

Karlsruherisch - Brigantendeutsch - Südfränkisch

Eine ganz besondere Stellung in den deutschen Dialekten nimmt die Karlsruher Mundart ein - auch "Brigantendeutsch" genannt. Denn rund um Karlsruhe befinden sich einige Sprachgrenzen. Zwischen Karlsruhe und Mannheim/Heidelberg läuft die Sprachgrenze zwischen Oberdeutsch und Mitteldeutsch. Im Süden Karlsruhes befindet sich die Grenze zwischen alemannisch und fränkisch. Somit wird in Karlsruhe das einzige oberdeutsche fränkisch gesprochen.

Neben den Grenzen zum württembergischen Alemannisch im Osten und zum Pfälzer Fränkisch im Westen geht noch eine Sprachgrenze mitten durchs Stadtgebiet: die ai-oi-Grenze zwischen "Drai waiche Aier" (in Mühlburg) und "Droi woiche Oier" (in Durlach). Karte ist in Vorbereitung. Ob dabei die aa-au-Grenze (Mühlburg: "dess hab ich aa' g'sehe", Durlach: "dess hab ich au' g'sehe") mit der ai-oi-Grenze zusammenfällt, bedarf wohl noch einiger Feldstudien in diversen Karlsruher Wirtschaften.

Karlsruherisch ist die angeborene Hochsprache des guten Karlsruhers, der guten Karlsruherin. Die angelernte Hochsprache, insbesondere „die von de bessere Leit” (der Dativ war dem Genitiv sein Tod in Karlsruhe schon lange bevor es den Spiegel gab) ist allerdings oft das Honoratioren-Schwäbisch mit deutlich weniger fränkischen und mehr schwäbisch-alemannischen Zügen.

Wie in vielen anderen Regionen Badens wird die Sprache gerne auch als badisch bezeichnet, was sprachwissenschaftlich jedoch kein klar umrissener Begriff ist, da sowohl fränkische, sowie hoch- und niederalemannische Dialekte diesen Begriff für sich beanspruchen, beispielsweise behauptet ein Freiburger mit derselben Selbstverständlichkeit, er spreche badisch, wie ein Bruchsaler.

Sprachwissenschaftlich gehört die in der Karlsruher Region gesprochene Mundart dem Südfränkischen an. Die in den letzten 200-300 Jahren in das Stadtgebiet gezogenen Bewohner des Umlandes brachten aber auch Einflüsse des Niederalemannischen (südlich Rastatt) und des württembergischen (östlich Pforzheim) mit (siehe auch Migration).

Gemeinsame Elemente mit vielen anderen oberdeutschen Mundarten

Ersetzen von s durch sch in diversen Verbindungen
ist --> isch
Entfernen des Schluss-n (allgemein oberdeutsch)
laufen --> laafe
Kurfürsten --> Kurfirschde

Gemeinsame Elemente mit fränkischen Mundarten

Verschleifung von nd zu nn und md zu mm
Kindergarten --> Kinnergarde
Hemd --> Hemm
Verschiebung von b zu ww
aber --> awwer
sieben --> siwwe

Typisch Karlsruherische Elemente

Aussprache der Umlaute ü-->ie und ö-->ee
lügen --> liege
schön --> schee

Typische Aussprache des ei-Diphtongs

Immer da, wo im Alemannischen und Mittelhochdeutschen i steht, spricht der Karlsruher ein hochdeutsches ei. Für das alemannisch/mittelhochdeutsche ei verwendet er den typisch karlsruherischen oi-Laut, ein Laut, der etwa in der Mitte zwischen ei und oi angesiedelt ist und sehr breit klingt. Ein Karlsruher kann an Nuancen dieses oi-Lautes bereits einzelne Stadtteile voneinander unterscheiden, und jegliche Versuche von Nicht-Karlsruhern, diesen Laut nachzumachen, werden im Allgemeinen als dilettantisch empfunden.

Der typische Karlsruher Spruch zu diesem Thema ist
Zwai waiche Eia in ornerer Raeih

sonstige einzelne Beispiele

  • nf --> fümf
  • zehn --> zehne
  • kannst du --> kannsch

Ebenfalls sehr typisch für die Karlsruher Region ist der Satzteil "Dädsch ma mol...", der so viel heißt wie "Würdest du (mir) mal bitte...". Der Ruhestand von verheirateten Männern wird deshalb manchmal volksmundlich mit "de Dädschmer-Club" bezeichnet.

Brigandedeutsch

Das Wort Brigandedeutsch ist eine Bezeichnung für die Karlsruher Mundart.

Die Briganten waren ein keltischer Volksstamm in Britannien. Die Beziehung des altitalienischen Wortes brigante, daraus engl. und frz. brigand, zu diesem Volkstamm ist nicht klar. Das italienische Wort scheint vom Verb brigare "sich streiten, sich schlagen" zu kommen und bezeichnet einen Räuber oder Partisanen, je nach politischem Standpunkt des Sprechers. Im romanischen Sprachraum (frz. brigants) wird es heute als Synonym für 'Streuner', 'Obdachloser' oder 'Bettler' benutzt, im Englischen (brigand) ist es ein Straßenräuber. Die beste karlsruherische Definition ist wohl "en Hergloffener".

Die ersten häuserbauenden Ansiedler nannten die Gastarbeiter "Brigantis", bis sich der Spott gegen sie kehrte und aus allen Karlsruhern "Brigande" wurden. Dieses kalabresische Erbe ist das einzige Relikt einer in Karlsruhe gesprochenen Fremdsprache, des Italienischen, das Eingang in die werdende Mundart fand.

Literatur

Sachliteratur

Brigandedeutsch für Anfänger. 
Ein Karlsruherischer Sprachlehrgang von Kurt Kranich, 100 Seiten, Erscheinungsdatum: 1990, ISBN 3927725048
Geschichte von Neureut. 
von Hermann Ehmer, Zweiter Teil, Kapitel 1 Die Mundarten in Neureut, ISBN 3-88652-800-6
Badisch-Deutsch/Deutsch-Badisch 
Lilliput-Wörterbuch Badisch ist mit rund 4.500 Stichwörtern und Wendungen sowie 50 Glossen, Herausgeber: Langenscheidt-Redaktion, 384 Seiten, kartoniert, ISBN 978-3-468-20019-9

Belletristik

Karlsruher G'schwätzgebabbel
Gedichte in heimischer Mundart : von Franz Karrer, Karlsruhe, Nemnich, 1895 (nur noch antiquarisch)
S'Schpanische Röhrle
humoristische Gedichte in Karlsruher Mundart : von Fritz Romeo, Karlsruhe, 1902 (nur noch antiquarisch)
Senfpflaschter
humoristische Gedichte in Karlsruher Mundart : von Fritz Romeo, Karlsruhe, 1905 (nur noch antiquarisch)
Zum Glück gibt's des noch
Gedanke voneme Karlsruher Mädle : von Judith Rimmelspacher, Karlsruhe, Badenia, 1995, ISBN 3-7617-0318-X
Dehaim isch dehaim
Heiteres in Karlsruher Mundart : von Karin Reitz, Karlsruhe, 1998 ISBN 3-9804735-3-8

Siehe auch

Weblinks