Benutzer:Kfe/Alter Schlachthof Viehhof Gesch. (bis 2006)

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Altes Schlachthaus von 1885


Der Alte Karlsruher Schlachthof lag zwischen Durlacher Allee und Ostauepark in der Oststadt und war von 1887 bis 2006 in Betrieb. Seitdem ist ein Areal mit Betrieben aus der Kultur- und Kreativwirtschaft, Kulturzentren und künstlerischen Einrichtungen entstanden.

Die Mieter des Kreativareals sind im Verein ausgeschlachtet e.V. mit dem Ziel aktiv an der Entwicklung des Geländes mitzuwirken und gemeinsame Projekte nach außen zu kommunizieren zusammengeschlossen.

Allgemein

Mit dem Bau des Alten Schlachthof wurde 1885 begonnen. Errichtet wurde eine zweiflüglige Anlage mit einem Schlacht- und einem Viehhof westlich und östlich der Schlachthausstraßegelegen. Der Schlachtbetrieb wurde bis zum Jahr 2006 unter mehrfachen Modernisierungsmaßnahmen aufrechterhalten, dann jedoch aus wirtschftlichen Gründen endgültig eingestellt. Bereits vor der Stilllegung des Schlachtbetriebs gab es auf dem Schlacht- und Viehhof erste kulturelle Nutzungen. In den folgenden Jahren und im Zuge der Bewerbung Karlsruhes als Kulturhauptstadt Europas wurde die Idee eines Areals für die Kultur- und Kreativwirtschaft konkretisiert und umgesetzt. Entstanden ist das Kreativquartier Alter Schlachthof Karlsruhe, das heute Künstlern und Kreativen Räumlichkeiten und ein Ambiente bietet, das die Verwirklichung innovativer Konzepte und Ideen möglich werden lässt.

Betreiber war seit 2005 das kommunale Unternehmen Karlsruher Fächer GmbH. Der Schlachtbetrieb wurde am 27. Dezember 2006 eingestellt.

Im Bereich des Viehhofs liegt zwischenzeitlich das Tollhaus. Das Substage befindet sich auf dem ehemaligen Schlachthofgelände.


Geschichte

Bevor der Karlsruher Schlacht- und Viehhof an seinem heutigen Standort erbaut wurde, hatte der Schlachbetrieb bereits mehrmals den Standort wechseln müssen. Das beständige Wachstum der Stadt sowie der aus gesundheitlichen und hygienischen Gründen obligatorisch gewordene Schlachthausbenutzungszwang erforderten Ende des 19. Jahrhunderts einen weiteren Umzug und Neubau der städtischen Schlachteinrichtung. Daher plante man die Installation eines weitläufigen Areals im östlichen Randbezirk Karlsruhes.

Das erste Schlachthaus mit zwei Schlachträumen, einem für die christliche und einem für die jüdische Bevölkerung, wurde in Karlsruhe schon wenige Jahre nach der Stadtgründung im Jahr 1726 gebaut. Es entstand etwa am heutigen Marktplatz zusammen mit dem alten Rathaus hinter der damaligen lutherischen Kirche über dem Landgraben. Zu dieser Zeit gab es fast zwanzig Karlsruher Stadtmetzger.

1794 baute man wegen der Geruchsbelästigung für die inzwischen rundherum angesiedelte Wohnbevölkerung ein neues Schlachthaus am heutigen Ludwigsplatz. Steigende Ansprüche an Hygiene und Kapazität erforderten immer wieder Verlegungen und Neubauten. 1819 entstand in der heutigen Leopoldstraße ein neues Schlachthaus.

1883 wurde der Beschluss für ein großes Schlachthausareal im neuen Industriegebiet im Osten der Stadt, dem bis zuletzt gebliebenen Standort, gefasst. Zusätzlich war ein Viehhof geplant, auf dem die Viehhändler direkt an die Metzger verkaufen konnten. Mit dem Bau des Schlacht- und Viehhofs Karlsruhe an seinem heutigen Standort wurde 1885 unter der Leitung des Stadtbaumeisters Wilhelm Strieder (1848-1913) begonnen. Man errichtete eine zweiflüglige Anlage, die von einer Mauer umschlossen am Rande der Stadt gelegen war. Die Anlage ist bis heute in ihrem Grundaufbau erhalten geblieben, alte Gebäude mit Sandsteinfassaden lassen noch immer sichtbar werden, wie dieser Ort einst genutzt wurde: Auf der einen Seite der Schlachthof, in dem geschlachtet und das Fleisch verarbeitet wurde, auf der anderen Seite der Viehhof, dort wurden die Tiere begutachtet und Handel getrieben .Die zu schlachtenden Tiere wurden dazu über die abgesperrte Straße getrieben. Hierzu waren an der Straße hohe schwenkbare Zäune angebracht, mit denen die Straße gesperrt werden konnte. 1887 wurde das gesamte Areal eingeweiht.

Ab 1950 bis in die 1980er Jahre wurde der Schlachthof infolge einer erhöhten Fleischnachfrage und veränderten technischen und hygienischen Vorgaben mehrfach baulich erweitert. Anfang der 1970er Jahre wurde im Schlachthof letztmals großsaniert. Der Viehhof wurde privatisiert und die Karlsruher Schlachthof-Betriebsgesellschaft (KSB) übernahm Organisation und Betrieb der Anlage. Die eher zweckmäßig gestalteten Neu- und Erweiterungsbauten dieser Jahrzehnte schaffen einen Kontrast zu den anspruchsvoll und repräsentativ gestalteten Bauten des späten 19. Jahrhunderts und sind ebenfalls in den Konversionsprozess des Geländes eingebunden.

Mit der Zeit wurde der Betrieb von Teilen des Schlachthofes eingestellt. Ab Oktober 1992 befand sich der Kulturverein Tollhaus in der ehemaligen Wiegehalle des Schlachthofs, was als Auftakt der Umgestaltung des Geländes galt. In den 1990er-Jahren entstanden erste Pläne zur Anlegung eines Parks rund um das Schlachthof-Gelände. Als sich die Stadt Karlsruhe im Jahre 2004 um den Titel Kulturhauptstadt Europas 2010 bewarb, war die Entwicklung des Kreativparks Ostaue eines von vier Leitprojekten der Bewerbung.[5] Kreativpark Alter Schlachthof

2005 verschmolz der Betreiber des Schlachthofes mit der Karlsruher Fächer GmbH. Ende 2006 wurde der Schlachtbetrieb eingestellt und der Schlachthof offiziell stillgelegt. Bereits vor der Stilllegung des Schlachthofs im Jahr 2006 entschied man, das Areal in seinem damaligen Zustand weitestgehend zu erhalten und insbesondere an den historischen Gebäuden nur wenige bauliche Eingriffe vorzunehmen. Nachdem die Planungen für den Kreativpark zunächst im Januar 2007 im sogenannten Masterplan der Stadt Karlsruhe verankert wurden,[6] legte der Gemeinderat das Umbaugebiet im selben Jahr im Dezember 2007 fest.[7] Inzwischen sind die ehemaligen Schlachthallen, Kühlhäuser und Stallgebäude zu Arbeitsräumen umgenutzt.

Statistik

Im Jahr 2003 wurden im Karlsruher Schlachthof 1.967 Bullen und Ochsen, 18 Kühe, 1.084 Färsen, 100 Kälber, 26.674 Schweine, 6 Ziegen, 210 Schafe und 5 Pferde geschlachtet. 2007 waren es noch u.a. 1.646 Großvieh, 13.125 Schweine und 358 Schafe, insgesamt 15.181 Tiere.

Architektur

Die ersten Gebäude des Karlsruher Schlachthofs sind, wie die meisten Industriebauten dieser Zeit, im historisierenden Stil gehalten. Der Architekt wollte, dass man den Gebäuden nicht unmittelbar ihre Funktion ansehen konnte. Der Grundriss ähnelte ursprünglich einer barocken Schlossanlage mit zentraler symmetrischer Gliederung zur Durlacher Allee hin. Die Striederschen Bauten bis 1912 erkennt man an den weit ausladenden Dächern und rötlichen Sandsteinfassaden. Strieders Nachfolger Friedrich Beichel war dem Jugendstil verpflichtet. Erst in den 1920er Jahren wurde funktionaler gebaut.

- Neue Sachlichkeit (verb. Bauhaus)Schweinemarkthalle, Anbau Salzlager

Industriebauten/Wiederaufbau AS01, AS25, AS13, AS19, -Funktionalismus ("form follows funktion") Aus dem 19. JH, nach dem 2. WK aufschwung bios in die 70er im Industiresektor

Neubauten AS35, AS51-55, AS45

Zukünftig: AS33, AS57, AS61

Ausblick

Es ist geplant, die Geschichte des Schlachthofs in das Digitale Museum der Stadt Karlsruhe aufzunehmen.

Bilder

Literatur

  • Michael Obert: Hundert Jahre Bürgerverein Oststadt, Jubiläumsbuch 1996, Hrsg.: Bürgerverein Oststadt e.V., Karlsruhe, 1996 (keine ISBN), hieraus das Kapitel „Schlachthof”, S. 117-121.

Weblinks