Wilhelm Mehner

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Paul Wilhelm Mehner (* 2. Februar 1876 in Cannstadt, † 3. November 1941 in Bruchsal) war während der Weimarer Republik Bürgermeister von Bruchsal

Leben und Wirken

Sein Vater war als Kesselmonteur viel in Europa unterwegs, und so verbrachte Mehner die Kindheit meistens alleine mit seinen zwei Schwestern und der Mutter, ab seinem fünften Lebensjahr in Esslingen. Die Mutter wünschte sich eine geistliche Laufbahn für Mehner, der sich jedoch mehr für das Ingenieurwesen interessierte.

Folgerichtig erlernte er nach Ende der Schulzeit in einer Esslinger Maschinenfabrik den Ingenieursberuf und bildete sich anschließend an der Stuttgarter Baugewerkeschule fort.

Am 1. November 1898 begann er in der Bruchsaler Maschinenfabrik Bruchsal AG vormals Schnabel und Henning zu arbeiten. Bis zu seiner Heirat mit Elise Rendelen im Juli 1902 studierte er nebenher Technik, Wirtschaft und Politik, war dabei als Gast an der Technischen Hochschule Karlsruhe und an der Mannheimer Handelshochschule.

Zeitgleich begann er sich politisch zu betätigen und war ab Oktober 1906 auf Seiten der Liberalen (aus denen 1918 die DDP hervorging) im Bruchsaler Gemeinderat aktiv. Im selben Jahr wurde sein Sohn Siegfried geboren. Die Familie wohnte durchgehend in der Bergstraße 29.

Das erste Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts verbrachte Mehner zudem mit sehr umfangreichem ehrenamtlichen Engagement. Mehr als 10 Vereinen stand er vor und war teilweise auch deren Mitbegründer. Die meisten Vorstandsämter legte er bis 1919 nieder, einige wenige behielt er bis 1933.

Den Ersten Weltkrieg empfand er als traumatisch und hatte eigenen Angaben zufolge schon bei Kriegsbeginn Angst um die Zukunft Deutschlands. Aktiv war er in diesen Jahren beim Roten Kreuz und als Geschäftsführer des „badischen Heimatdanks für Kriegsbeschädigte und Hinterbliebene.

Im Mai 1918 wurde er vom Stadtrat zum Vorsitzenden des Wohnungsbauausschusses gewählt, dessen Aufgabe es war, die Siedlungsprojekte Entenfluß und im Gewann Kugel.

Als am 11. November 1919 das seit 1898 unbesetzte Amt des Bürgermeisters besetzt wurde, fiel die Wahl auf Wilhelm Mehner, der sein Amt am Montag, den 1. Dezember 1919 antrat. Der Wahl voraus ging zwei Tage zuvor eine Rede vom Balkon des Bruchsaler Rathauses, zu der er anlässlich des Kriegsendes von Karl Meister gedrängt worden war. Mehner sprach ausdrücklich als Demokrat. Diese Rede trug dazu bei, dass sozialistische Bewegungen in Bruchsal keine Mehrheit fanden.

Seine Resorts waren die Ämter für Wohnung, Jugend und Soziales.

Er setzte sich für die Errichtung eines Denkmals für die Kriegsopfer ein, war an der Einrichtung eines Jugendheims und städtischen Solebads beteiligt. Er hielt auch Kontakt mit Bruchsalern, die in die USA ausgewandert waren, darunter John Bopp.

Der Künstler Fritz Hugel, der das Denkmal und auf Mehners Veranlasung auch einen Altar für die Kapelle des Bruchsaler Jugendheims und eine Büste Josef Kunzs schuf, lebte zeitweise im Privathaus der Mehners. Ebenso später der Maler Sebastian Lucas, der die Ehrenbürgerportraits für das Bruchsaler Rathaus schuf. Es war eine Phase, in der Mehner ganz grundsätzlich als Kunstförderer in Erscheinung trat und deren Finanzierung durch Sammlung von Spenden sicherte.

Am 28. November 1928 wurde er für eine zweite Amtszeit wiedergewählt. Am 15. Januar 1934 musste er jedoch auf Druck der neuen Machthaber formell aus gesundheitlichen Gründen zurücktreten und wurde in den Ruhestand versetzt. Es war der selbe Tag an dem die von Mehner, John Bopp und Charles A. Wimpfenheimer vorangetriebene „Kinderhilfe“ gegründet wurde.

Zwar war Mehners Rücktritt erzwungen, gesundheitliche Probleme hatte er jedoch tatsächlich. Als er 1936 begann, anlässlich seines 60. Geburtstags eine Autobiographie in Versform zu schreiben, hatte er bereits zunehmend Probleme mit den Augen.

Seinen Ruhestand verbrachte Mehner mit der Hilfe in der Gärtnerei seines Sohnes, um dessen Tochter er sich auch kümmerte. Für sie begann er damit, Tuschezeichnungen und Aquarelle anzufertigen, auch habgeschrebene Bücher kamen hinzu, von denen zwei erhalten sind.

Von der Öffentlichkeit relativ zurückgezogen, starb er am 3. November 1941 in Bruchsal an Herzversagen. Die Beisetzung auf dem Friedhof Bruchsal erfolgte entgegen seinem Willen nicht in einer Urne und nicht im engsten Kreis, sondern in einem Grab in Anwesenheit von Emil Epp durch Pfarrer Robert Stöckle.