Siemens in Bruchsal

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An der Werner-von-Siemens-Straße (Januar 2011)

Siemens in Bruchsal stellt die Geschichte der Unternehmen auf dem Grundstück der Werner-von-Siemens-Straße 2–6 in Bruchsal dar.

Geschichte

Im Jahre 1867 kam der Ingenieur Theodor Henning, damals Mitarbeiter der Kölner Maschinenbau AG, erstmals mit der in England im Einsatz befindlichen Eisenbahn-Signaltechnik in Berührung. Am Stettiner Hafen sollte nach dem Vorbild englischer Stellwerke eine erste vergleichbare Anlage gebaut werden. Henning, der sich eine Anlage in England ansah, verbesserte die Konstruktion und beteiligte sich am Bau zwei entsprechender Stellwerke in Stettin und Börsum.

1869 tat sich Henning mit dem Kaufmann Adolf Schnabel zusammen um die Entwicklung und Fertigung entsprechender Stellwerke in Eigenregie durchzuführen. Schnabel und Henning hatten sich im Jahrzehnt davor als Studenten am Polytechnikum Karlsruhe kennen gelernt.

Unter der Firmenbezeichnung „Maschinenfabrik Schnabel & Henning in Bruchsal“ eröffnete der Betrieb am 1. Juni 1869, auf dem Gelände einer ehemaligen Mechanischen Werkstätte, mit 13 Arbeitern und einem Zeichner. Bereits im Jahr darauf wuchs die Belegschaft auf 24. In den ersten Jahren wurden nicht wie von Henning beabsichtigt vornehmlich Eisenbahnsicherungsanlagen gebaut, statt dessen lag das Hauptaugenmerk auf diversen Arbeiten wie Dampfheizungen, eiserne Dachstühle und Brücken. Zu den Kunden dieser Jahre zählte auch Max Carl Gritzner, bevor dieser seine Nähmaschinenfabrik gründete.

Um Geld für benötigte Investitionen aufzubringen und um Verluste bei Versuchen mit einer hydraulischen Stellwerksanlage auszugleichen wurde die Firma im März 1874 in eine Kommanditgesellschaft umgewandelt und firmierte nun als „Schnabel & Henning Commanditgesellschaft Bruchsal“, der insgesamt zehn Kommanditisten angehörten.

Dieser Schritt fiel zusammen mit einem europaweit gestiegenen Bedarf an Stellwerksanlagen, die in den Folgejahren zunehmend hergestellt wurden. So stiegen die Stückzahlen der verkauften Anlagen kontinuierlich und wurden in den 1880er Jahren in Lizenz auch von anderen Fabriken gebaut. Ende des selben Jahrzehntes begann die Zusammenarbeit mit Siemens & Halske in Berlin.

1894 schieden Adolf Schnabel und Theodor Henning aus dem Unternehmen aus, verblieben aber als Gesellschafter in der zur GmbH umgewandelten Firma. Neue Geschäftsführer wurden Hennings Bruder Wilhelm und Emil Teuffel. Bereits zwei Jahre später wurde die Firma abermals umgewandelt und firmierte nun als „Maschinenfabrik Bruchsal AG vormals Schnabel und Henning“. Zur Jahrhundertwende wurden in der mittlerweile stark erweiterten Fabrik rund 600 Personen beschäftigt. Stellwerke wurden unter anderem nach Rumänien, der Schweiz und Argentinien geliefert. Danach ging die Auftragslage zunehmend zurück, und bis 1910 ging die Zahl der Arbeiter auf 300 zurück.

1914 bis 1918 wurden vornehmlich Kriegslieferungen produziert, darunter Hufeisen und Granaten. In diese Zeit fiel die (bereits vor Kriegsbeginn vorbereitete) Fusion mit der C. Stahmer A.G. in Oesede bei Gorgsmarienhütte und der Zimmermann & Buchloch A.G. in Berlin.

1924 drohte wegen Auftragsmangel die Schließung des Werkes, der Betrieb war im Februar sogar für einige Tage eingestellt worden. Im Juni des selben Jahres begann die Produktion des Kleinwagens „Diabolo“ die bis Ende 1926 andauerte.

Im April 1926 erfolgte die Fusion mit den „Eisenbahnsignal-Bauanstalten Max Jüdel u. Co AG“ in Braunschweig. Die Verwaltung erfolgte nun von Braunschweig aus, wodurch der Standort Bruchsal seine Selbstständigkeit verlor und auch bis 2010 nicht wieder erlangte.

1928 wurde die „Vereinigten Eisenbahn-Signalweke GmbH“ (VES) als Zusammenschluss der „Eisenbahnsignal-Bauanstalten“ und den Eisenbahnsignal-Interessen der „Siemens & Halske AG (kurz S&H)“ gegründet. S&H zeichnete dabei 51% der Gesellschaftsanteile. Am Standort Bruchsal wurde dann nur noch für den süddeutschen Bereich und dem Ausland produziert.

1941 übernahm S&H alle Gesellschaftsanteile.

Das Werk blieb vom Bombenangriff auf Bruchsal am 1. März 1945 weitgehend unberührt, die Produktion konnte bereits im Mai 1945 wieder aufgenommen werden und erreichte ihren Höhepunkt im Jahr 1947, als 1.200 Arbeiter beschäftigt wurden.

Nach der Währungsreform 1948 ging die Auftragslage rapide zurück, so dass nach neuen Produkten gesucht wurde. Da die Fertigungsstätten von S&H in Berlin stark zerstört waren bot es sich an Produkte nach Bruchsal auszulagern. S&H hatte bereits während des Krieges die Fertigung von Geräten der Fernmeldetechnik nach Speyer verlegt und erweiterte sein Engagement in Süddeutschland mit den Bau von Selbstwähl-Fernsprechanlagen in Bruchsal.

1953 wurde die Fertigung der Eisenbahnsignaltechnik nach Braunschweig verlagert und die VES aufgelöst. Der Betrieb Bruchsal wurde in die S&H AG integriert.

Der Betrieb fertigte nur noch Fernsprechvermittlungsanlagen. Mehrere neue Entwicklungen, alle auf elektromechanischer Basis, wurden im Betrieb produziert. Es war Fertigungsstandard soviel wie möglich im eigenen Betrieb zu produzieren.

Der Standort Bruchsal expandierte bis in die frühen 1970er Jahre, auf dem umliegenden Areal wurden weitere Grundstücke für Werksanbauten hinzugekauft und Zweigstellen in St. Wendel und St. Ingbert gegründet, die aber beide 1976 geschlossen wurden.

Trotz diverser Erweiterungen (so wurde 1981 mit der Leiterplatten-Fertigung begonnen) sank die Mitarbeiterzahl ab Mitte der 70er Jahre kontinuierlich. Mit der Einführung neuer Systeme (1974) und dann digitaler Systeme (ab 1979) wurde dieser Trend noch beschleinigt. Auch nicht mehr benötigte Gebäude wurden abgerissen und Bodensanierungen durchgeführt.

Bei den Produkten wurden immer mehr komplexe Schaltungen eingebaut, die aber nicht mehr in Bruchsal gefertigt werden konnten. Es wurde aber in Automatenlinien und Prüfsystemen investiert, so dass weiter Anlage für den Festnetzbetrieb und Mobilfunk gefertigt wurden. Anfang 2000 waren noch etwa 2.000 Mitarbeiter im Werk tätig.

Da immer mehr Flächen in den Gebäuden frei wurden und eine Belegung von anderen Siemens-Unternehmen nicht möglich war, wurde der Trend von anderen Siemensstandorten zur Vermarktung übernommem.

So entstand im Oktober 2004 der Siemens Technopark Bruchsal als eigenständiges Unternehmen. Ihre Aufgabe war die Gebäude am freien Markt zu vermieten. Der Produktionsbetrieb, der dem Geschäftsbereich „Siemens Networks“ angehörte, konzentrierte seine benötigten Flächen auf wenige Gebäude und wurde dort Mieter. Beide Unternehmen waren damit unabhängig in ihren Aktivitäten.

Am 1. April 2007 wurde das Unternehmen „Nokia Siemens Networks“ als Zusammenschluss des Geschäftsbereichs „Siemens Networks“ und „Nokia Networks Business“ gegründet.

Im August 2010 wurde bekannt, dass der Siemens Technopark Bruchsal, mit Wirkung zu Ende September 2010, an die TRIWO AG verkauft wurde.

Damit ist der Fertigungsstandort der „Nokia Siemens Networks“, mit weniger als 1.000 Mitarbeitern, das einzige Unternehmen, das noch den Namen Siemens in Bruchsal führt.

Lage

Park zwischen den Gebäuden

Versteckt zwischen den Gebäuden des Technoparkes an der Werner-von-Siemens-Straße ist in den Jahren 1985 bis 2000 ein kleiner Park mit Brunnen und Skulpturen entstanden.

Dieser Ort im Stadtplan:

(H)  nächste Haltestelle: Bruchsal Bahnhof