St. Sebastian (Neuthard)

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St. Sebastian, seitliche Ansicht
Innenansicht

Die katholische Pfarrkirche St. Sebastian ist eine Kirche in Karlsdorf-Neuthard, Sie gehört zur Seelsorgeeinheit Karlsdorf-Neuthard-Büchenau. Pfarrer ist seit Mai 2009 Dr. Torsten-Christian Forneck.

Geschichte

Die Erhebung der Neutharder Gemeinde zur selbstständigen Pfarrei erfolgte zwischen 1450 und 1496. Der von der Gemeinde an das Hochstift Speyer abzugebende Zehnte war seit 1319 zu einem Drittel an das Kloster Frauenalb verkauft worden. Ob damit eine Verpflichtung einherging, sich an den Kosten für Reparaturen am Kirchengebäude zu beteiligen, war in den folgenden Jahrhunderten umstritten. Am Kirchenneubau des Jahres 1602, bei dem ein altes Fachwerkgebäude durch ein Steinhaus ersetzt wurde, beteiligte es sich jedenfalls zu einem Drittel. Einige Jahre später, im Jahr 1616 verlor die Gemeinde wegen Priestermangels für hundert Jahre ihre Selbstständigkeit. Sie wurde zunächst von Büchenau aus betreut, und als zwischenzeitlich auch Büchenau keinen eigenen Pfarrer mehr stellen konnte von Obergrombach.

Der mehrfach renovierte Kirchenbau wurde Ende des 17. Jahrhunderts (das genaue Datum lässt sich nicht mehr nachvollziehen) schwer beschädigt. In einem Bericht von 1701 wurde die noch zwanzig Jahre zuvor als „kürzlich renoviert" beschriebene Kirche als einsturzgefährdet eingestuft. Die Renovation begann jedoch erst 1723. Zu diesem Zeitpunkt hatte Fürstbischof Damian Hugo von Schönborn bereits die Meinung geäußert, dass die Kirche zu klein sei. Ein auch von der Gemeinde geäußerter Wunsch, das Kirchengebäude zu erweitern, führte zunächst jedoch zu keinen Maßnahmen. Statt dessen wurde die Kirche 1749 erstmals mit einer kleinen Orgel versehen. Erst 1757, nachdem Pfarrer Hebenstreit ausführlich auf die Raumnot hinwies und um einen Neubau ersuchte, gab es eine verbindliche Zusage von Fürstbischof Hutten. Wegen des sich hinziehenden Rechtsstreites mit dem Kloster Frauenalb bezüglich dessen Beteiligung (den das Hochstift letztlich verlor) konnte jedoch erst 1788 mit den Planungen begonnen werden. Die 1791 fertiggestellte Kirche wich jedoch in einigen Punkten stark von den genehmigten Plänen ab (so fehlten einige Fenster und der Turm war zu niedrig) und es zeigten sich bald erhebliche Baumängel, was einen längeren Rechtsstreit über die Entlohnung der Handwerker nach sich zog.

1875 erhielt die Kirche eine neue Orgel, die heute unter Denkmalschutz steht.

Von 1891 bis 1903 wurde die Kirche abermals stark erweitert und umgebaut. Die in diesem Zusammenhang vorgenommene Ausmalung der Apsis enthielt deutliche Anspielungen auf den sogenannten „Kulturkampf" zwischen badischer Regierung und der Erzdiözese Freiburg, der erst wenige Jahre zuvor beigelegt worden war. Es galt eine strenge Sitzordnung, aufgeteilt nach Alter, Geschlecht und Familienstand. Diese wurde erst in den 1950er Jahren zunächst zögerlich, durch Neuordnung der Bänke im Zuge der umfassenden Renovation Anfang der 1970er Jahre vollständig aufgehoben. Die Renovation veränderte auch das innere Erscheinungsbild wesentlich: Sämtlicher Bildschmuck verschwand (auch die dezente Deckenbemalung) zunächst vollständig, der Altar wurde demontiert (ein paar Holzreliefs des Altars wurden an der Wand im Eingangsbereich montiert) und durch einen schlichten Steintisch ersetzt. 1980 erhielt die Apsis von Valentin Peter Feuerstein eine zeitgenössische Ausmalung, die als Symbol für einen Gang durch die Bibel zu verstehen ist. Das aus drei Glocken bestehende Geläut, das in dieser Form seit 1921 vorhanden ist, erhielt 2002 eine vierte Glocke. 2008 schlossen sich die Gemeinden in Karlsdorf, Büchenau und Neuthard zur Seelsorgeeinheit Karlsdorf-Neuthard-Büchenau zusammen.

Das Pfarrhaus

Das 1883 errichtete neue Pfarrhaus

Der früheste Hinweis auf ein Pfarrhaus findet sich im Jahre 1552. Dieses Gebäude war im Pfälzischen Erbfolgekrieg zerstört worden, seither musste die Gemeinde auf eigene Kosten ein Gebäude anmieten um dem Pfarrer eine Wohnung zu geben. 1722 war die Gemeinde bereits mehrere Jahre im Mietrückstand und bemühte sich daher beim Fürstbischof darum, dass dieser den Neubau eines kircheneigenen Pfarrhauses genehmige, was dieser auch tat. Da es jedoch zu Streitgkeiten mit dem Kloster Frauenalb hinsichtlich der Finanzierung kam, zog sich der Bau noch acht Jahre hin, und hätte wohl länger auf sich warten lassen, hätte Schönborn nicht vor Ende des von ihm angestrengten Prozesses den Bau verfügt, um die Finanzfrage später zu klären.

Pfarrer Hebenstreit gab bei seinem Amtsantritt eine detalierte Beschreibung des Gebäudes, das insgesamt in einem guten Zustand sei, der Keller jedoch bei Regen regelmäßig unter Wasser stünde. 1883 wurde gegenüber der Kirche ein neues Pfarrhaus errichtet, weil die dringend notwendige Sanierung des bisherigen Gebäudes zu teuer schien.

Pfarrer und Pfarrverweser in Neuthard

  • um 1496: Jakob Konradi
  • vor 1520: Peter Ziegler
  • 1520 -  ?  : Johannes Oleyer
  •  ? - 1531: Jacobus Apfelmuß
  • 1531 -  ?  : Johannes Dinkelhoffer
  • 1540 - 1564: Daniel Eberlin
  • um 1582/83: Georg Albrecht
  •  ? - 1593: Peter Faber
  • 1593 -  ?  : Johannes Hirlinger
  • 1606 - 1616: Johannes Schmidt
  • 1616 - 1638: Pfarrei von Büchenau versehen
  • 1638 - 1658: Pfarrei von Obergrombach versehen
  • 1658 - 1716: Pfarrei von Büchenau versehen
  • 1716 - 1718: Franz Matthias Freundschigk
  • 1719 - 1721: Johann Stefan Fahlbusch
  • 1721 - 1722: Herrmann Grosche
  • 1722 - 1724: Dr. Wolfgang Anton Fuhrmann
  • 1724 Jacob Posch
  • 1724 - 1730: Pfarrei von Büchenau versehen
  • 1730 - 1739: Johann Lauer
  • 1739 - 1768: Georg Adam Hebenstreit
  • 1768 - 1775: Wendelin Haffen
  • 1775 - 1797: Johann Michael Acker
  • 1797 - 1800: Johann Nepomuk Heinsmann
  • 1800 - 1816: Johann Sebastian Flory
  • 1816 - 1833: Andreas Weitzel
  • 1833: Andreas Weitzel
  • 1833: Michael Baron
  • 1833 - 1836: Heinrich Valentin Höpfner
  • 1836 - 1837: Karl Holzner
  • 1837 - 1846: Johann Neuthard
  • 1846 - 1849: Georg Schaffner
  • 1850 - 1858: Gottfried Alois Limpert
  • 1858: Alois Geist
  • 1858 - 1862: Rudolf Wagemann
  • 1862 - 1863: Ignaz Greiser
  • 1863 - 1865: Johann Nepomuk Huber
  • 1865 - 1867: Sebastian Häfner
  • 1867 - 1873: Philipp Hammer
  • 1873 - 1880: Gustav Bundschuh
  • 1880 - 1908: Aemilian Merkert
  • 1908 - 1909: Leo Strittmatter
  • 1909 - 1918: Josef Eckert
  • 1918: Alois Ehmann
  • 1919 - 1938: Heinrich Lang
  • 1938 - 1957: Heinrich Krems
  • 1957 - 1962: Oskar Scherrer
  • 1962 - 1972: Hubert Bühl
  • 1972 - 1980: Engelbert Bauer
  • 1980 - 1988: Herbert Froehlich
  • 1988 - 1989: Josef Plewnia
  • 1989 - 1995: Martin Palic
  • 1996 - 2008 Rudi Müller

Bilder

Lage

Dieser Ort im Stadtplan:

Seitlich der Kirche befindet sich das Gefallenendenkmal Neuthard.

Weblinks