Moritz Ellstätter

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Ellstätter in Öl gemalt, 1854

Moritz Ellstätter (geboren am 11. März 1827 in Karlsruhe; gestorben am 14. Juni 1905 ebendort) war ein großherzoglich-badischer Minister. Der gelernte Jurist war von 1868 bis 1893 Finanzminister unter Großherzog Friedrich I. von Baden.

Leben und Wirken

Der Sohn des Karlsruher Möbelhändlers David Ellstätter (1787–1856) und dessen Frau Fanny Ellstätter (1799–1853), geborene Reutlinger, studierte in Heidelberg und Bonn. In Berlin war er Syndikus der Disconto-Gesell­schaft. Er hatte einen Bruder Julius.

Nach dem Studium ging er wieder zurück in seine Heimat, wo er von 1859 bis 1864 als Rechtsanwalt arbeitete, zunächst in Durlach, später in Karlsruhe. Bevor er in Karlsruhe Ministerialrat im Großherzoglichen Finanzministerium wurde, war er in Mannheim als Kreis­ge­richts­rat tätig.

Am 12. Februar 1868[1] wurde Ministerialrat Ellstätter badischer Finanzminister unter Staats­mi­nis­ter Julius Jolly. Mit 66 Jahren ging Minister Ellstätter 1893 in Pension.

Minister a.D. Ellstätter starb im Alter von 78 Jahren in seiner Geburtsstadt. Dort erinnert keine Straße an den ersten jüdischen Minister Badens.

Ellstätter hatte eine Tochter, Luise Gutmann-Ellstätter (* 28. August 1869 in Karlsruhe), die mit dem Arzt Dr. Karl Gutmann verheiratet war. Sie wurde im August 1942 nach Theresienstadt deportiert und dort am 2. September 1942 ermordet.

Literatur

  • Günther Haselier: „Ellstätter, Moritz“, in: Neue Deutsche Biographie (NDB) 4 (1959), Seite 460 [und Onlinefassung, siehe unten]
  • Martin Doerry: Moritz Ellstätter (1827–1905), in: „Juden in Karlsruhe“ (= Band 8 der Schriftenreihe „Veröffentlichungen des Karlsruher Stadtarchivs“) Karlsruhe 1988, Seiten 493 – 500 und ebenso in der überarbeiteten Sonderausgabe, Karlsruhe 1990 (ISBN 3-7617-0268-X)
  • derselbe: Judentum zwischen Anpassung und Selbstpreisgabe: 134 Briefe Moritz Ellstätters (1827–1905), in: „Zeitschrift für die Geschichte des Oberrheins“ (ZGO), Neue Folge 93 = 132., 1984, Seiten 271 – 304
  • Johann Heinrich Kumpf: Finanzminister Moritz Ellstätter zum Gedächtnis, in: „Steuerliche Vierteljahresschrift“, 1993, Seiten 374 – 377
  • Leonhard Müller: Finanzpolitik im Großherzogtum Baden: zum 175. Geburtstag von Moritz Ellstätter (1827-1905), in: Badische Heimat, 81. (2001), Seiten 724 – 728
  • derselbe: Moritz Ellstätter (1827–1905); Finanzminister im Großherzogtum Baden, in: Blick in die Geschichte Nr. 54 (2002), Seite 5 f.
  • Jürgen Schuhladen-Krämer: Moritz Ellstätter, in: Festschrift „Jüdisches Leben in Baden 1809 bis 2009: 200 Jahre Oberrat der Israeliten Badens“, herausgegeben vom Oberrat der Israeliten Badens, Ostfildern 2009, ISBN 978-3-7995-0827-8 (Standortnummer 109 A 4968 in der BLB), Seiten 232 f.

zudem

Archivalien

Gerahmtes Gemälde

Ein von Ludwig Kachel (1830–1858) gemaltes Ölbild Ellstätters aus dem Jahre 1854 wird in Karlsruhe verwahrt. Es lagerte seit 1953 im Badischen Generallandesarchiv. Nachdem festgestellt wurde, dass es sich bei dem Bild um NS-Raubkunst handelt, weil es damals eine Stiftung der Familie an die Jüdische Kultusgemeinde war, wurde es 2014 an deren Vorsitzenden zurückgegeben. Der restliche schriftliche Nachlass befindet sich im Generallandesarchiv.

Weblinks

Fußnoten

  1. Die offizielle Webpräsenz der Stadt Karlsruhe zum Thema „Stadtchronik Karlsruhe: Die Jahre 1860 bis 1869“