Georg Bissinger

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Georg Bissinger (* 16. Oktober 1891 in Mannheim; † 2. September 1971) war Flugpionier, Motorsportler und Polizist in Bruchsal.

Beruflicher Werdegang und Lebenslauf

Bissinger wurde 1891 als Sohn des aus Gondelsheim stammenden Karl Georg Bissinger geboren. Nach seiner Schulzeit begann er bei der Maschinenfabrik Bruchsal als technischer Zeichner.

Zu Beginn des Ersten Weltkriegs wurde er zu den Aufklärern der Fliegerabteilung 4 eingezogen. Für die er Einsätze sowohl in Frankreich als auch in Russland flog. Er kehrte erst mit Ende des Kriegs zurück.

Er arbeitete noch kurze Zeit an seinem alten Arbeitsplatz, ehe er zur Polizei wechselte. 1930 trug er den Rang eines Oberwachtmeisters. 1945 wurde er bis zu seiner Pensionierung 1956 zum Polizeichef.

Sein privates Interesse galt seit Ende des Weltkriegs dem Straßenverkehr und besonders dem Motorsport: So war er am Bau des Hockenheimrings beteiligt. In den 1950er Jahren war er Präsidialratsvorsitzender des Deutschen Motorsportverbands und Vorsitzender des OMK-Sportgerichts.

Georg Bissinger verstarb am 2. September 1971.

Zeit als Flugpionier

Angeregt durch die Leistungen des österreichischen Flugpioniers Ignaz Etrich, begann Georg Bissinger ab 1908 seine Ersparnisse für die Entwicklung eines eigenen Fluggeräts auszugeben. Beim Bruchsaler Stadtrat beantragte er dafür finanzielle Unterstützung, welche ihm verweigert wurde. Verschiedene Unternehmungen im Umland, darunter die Holzindustrie Bruchsal, unterstützten Bissingers Vorhaben jedoch.

Gemeinsam mit dem Mechaniker Wilhelm Beyerle konstruierte Bissinger ein „Bussard“ genanntes Motorflugzeug.

Da ihm die Nutzung des weitläufigen Geländes der Dragoner untersagt wurde, nutzte Bissinger den kleineren Platz im Gewann „Ziegelwiesen“ (gelegen zwischen Werner-von-Siemens-Straße und Friedenstraße). Inzwischen etwas abschätzig als „verrückter Schorsch“ bezeichnet, startete er 1910 seinen ersten Flugversuch. Dieser scheiterte, weil er mit der Fahrgestell-Achse an einem Grenzstein hängenblieb, dessen Entfernung ihm zuvor untersagt worden war. Bei dem Unfall wurde Bissinger leicht verletzt.

Wenige Wochen später startete er einen neuen, diesmal erfolgreichen Versuch. Weitere Flugversuche folgten bis 1912. Nach seiner Rückkehr aus dem Krieg herrschte in Deutschland aufgrund des Versailler Vertrags ein generelles Flugverbot, weshalb Bissinger seine Versuche nicht fortsetzen konnte. Der Verbleib des Bussards, der 1919 noch unbeschädigt war, ist unklar.

Flugpionier war Bissinger aber auch im Bereich der zu seiner Zeit weitaus beliebteren Zeppeline. Er zog Konsequenzen aus einem verheerenden Unfall, den ein Zeppelin 1908 bei Echterdingen hatte, und entwickelte ein „zerlegbares starres Luftschiffgerippe aus Stahlröhren“, bei dem eine weitaus schnellere Reparatur durch kleinere, für viele Flugzeugteile identische Ersatzteile, möglich war. Unter der Nummer DRP 234454 wurde diese Entwicklung im Januar 1910 als Patent anerkannt.

Die Industrie unterstützte Bissingers Idee zwar, auch zeigte das Militär Interesse an einem fertigen Luftschiff, weil Bissinger aber die Geldmittel zum Bau eines Prototyps nicht aufbringen konnte, scheiterte das Projekt schließlich.

Ehrungen

Militärische Ehrungen

  • Eisernes Kreuz zweiter Klasse
  • Silberne Badische Verdienstmedaille
  • Württembergische Verdienstmedaille
  • Ehrenkreuz für Frontkämpfer

Zivile Ehrungen