Friedhof Neureut

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Friedhof Neureut gibt eine Übersicht über die vorhandenen und ursprünglich vorhandenen Friedhöfe der Karlsruher Gemeinde Neureut sowie deren Vorgängergemeinden Teutschneureut und Welschneureut.

Friedhöfe

Friedhöfe in Verwendung

Ursprüngliche Friedhöfe

Infotafel über keltische und römische Gräber auf dem Flurstück „Heidelburg“ im Nordwesten von Neureut

Die nachfolgend aufgeführten Friedhöfe existieren nicht mehr und werden nachfolgend im Abschnitt „Geschichte“ beschrieben.

  • Teutschneureuts ursprünglicher Friedhof von 1460 bis 1837
  • Welschneureuts ursprünglicher Friedhof von 1724 bis ca. 1850
  • Teutschneureuts Friedhof „Kirchfeld- und Kirchhofstraße“ von 1837 bis 1865

Im 6. und 5. Jahrhundert vor Christus errichteten keltische Bewohner Hügelgräber im nordwestlichen Bereich von Neureut, die Durchmesser um die 20 Meter und eine ursprüngliche Höhe von zwei bis drei Metern aufwiesen. Diese haben nichts mit den hier beschriebenen Friedhöfen gemein, die später aufgrund der christlichen Religionen entstanden. Allerdings ist beiden gemeinsam, dass in den betreffenden Bereichen Menschen mit mehr oder weniger Aufwand bestattet wurden.

Geschichte

Teutschneureuts ursprünglicher Friedhof von 1460 bis 1837

Der ursprüngliche Friedhof dürfte, wie dies zur damaligen Zeit sehr häufig war, auf dem unmittelbaren Gelände an der alten Kirche von 1460 angelegt worden sein. Auch nach Gründung des Dorfes Welschneureut im Jahr 1699 wurden die Verstorbenen dieser Gemeinde zunächst in dem Friedhof beigesetzt, bis im Jahre 1724 ein eigener Friedhof auf Welschneureuter Gemarkung angelegt wurde.

1737 erfolgte eine Erweiterung des „Teutschneureuter Friedhofs“ in nordöstliche Richtung zwischen Neureuter Hauptstraße und Kirchfeldstraße, deren Kosten auf 110 Gulden veranschlagt wurden.

1757 bis 1760 wurde eine erneute Erweiterung vorgenommen, so dass eine Gesamtfläche von rund 1.000 qm erreicht wurde. Teutschneureut zählte zu dieser Zeit 390 Einwohner. Das Erweiterungsgelände wurde dem Land, also der Markgrafschaft Baden übereignet, da der Markgraf für den Unterhalt des Friedhofes und der ihn umgebenden Friedhofsmauer zuständig war. Diese Unterhaltspflicht umfasste auch die Kirche und das zugehörige Pfarrhaus. Zuvor handelte es sich um Allmende, also Gelände, welches der Dorfgemeinschaft gehörte.

Um das Jahr 1800 hatte sich die Gemeinde auf 650 Einwohner vergrößert und eine erneute Vergrößerung wurde erwogen, da im Dorf eine Epidemie wütete, die dazu zwang, bestehende Gräber frühzeitig für Neubestattungen zu öffnen. Da der Landarzt keine Einwände gegen diese Praxis hatte, da der Verwesungsgeruch durch den Westwind vom Dorf weggeweht werden würde, verwarf man die Erweiterung.

Entwicklung des ehemaligen Friedhofgeländes

Der Friedhof ist heute mit der evangelischen Kirche Neureut-Nord von 1888 bebaut. Nordöstlich und südöstlich davon ist der ehemalige Friedhof mit Wohnhäusern bebaut, östlich der Kirche befindet sich die Nordschule Neureut.

Welschneureuts ursprünglicher Friedhof von 1724 bis ca. 1850

Eine Blaue Tafel zum alten Welschneureuter Friedhof

Ab 1724 hatte Welschneureut einen eigenen Friedhof, der sich nördlich der Welschneureuter Straße und östlich der Neureuter Hauptstraße auf dem Gelände der späteren Kinderschule befand. Zuvor erfolgten Bestattungen von Gemeindemitgliedern auf dem Friedhof in Teutschneureut oder Mühlburg.

Weitere Unterlagen über diesen ersten Friedhof liegen bislang nicht vor.

Teutschneureuts Friedhof „Kirchfeld- und Kirchhofstraße“ von 1837 bis 1865

1824 wurde im Gemeinderat darüber beraten, den Friedhof Richtung Südosten zu erweitern. Für das Gelände wurden 435 Gulden und für den Neubau der Mauer 550 Gulden veranschlagt. Die Steine sollten von Grötzingen im Rahmen der Fronarbeit geliefert werden. In Abstimmung mit dem Bezirksamt legte man sich dann aber auf die Neuanlage eines Friedhofs fest, der vom bisherigen Friedhof durch die Kirchfeldstraße getrennt werden sollte.

Die Kirchfeldstraße begrenzte den Friedhof nach Südosten.

Hierzu mussten acht Äcker mit einer Fläche von 212 Quadratruten, was 1.908 Quadratmetern entspricht, aufgekauft werden. Erst nach einigen Verhandlungen einigte man sich auf einen Verkaufspreis von 2,5 Gulden pro „Quadratrute“. Die Gemeinde bot eingangs 2 Gulden, die Verkäufer wollten 4 Gulden, da dies der marktübliche Preis für Baugrundstücke im Neureuter Gebiet war und die Verkäufer argumentierten, dass das Gelände zukünftig als Baugrund dienen würde, wie es später tatsächlich der Fall war.

Die Gemeinde ging davon aus, dass die Markgrafschaft die Friedhofsmauer finanzieren würde, was diese aber ablehnte, da es sich um einen neuen Friedhof handelte, für den der Staat nicht mehr aufkommen müsse. Auch eine Klage vor dem damaligen Hofgericht brachte keinen Erfolg. So war die Gemeinde gezwungen, 531 Gulden für den Grundstückserwerb und 950 Gulden für die Friedhofsmauer aus eigenen Mitteln zu finanzieren. Im Jahr 1837 konnte der Friedhof belegt werden, während der bisherige Friedhof, der direkt an der Kirche gelegen war, geschlossen wurde.

Entwicklung des ehemaligen Friedhofgeländes

Im Jahr 1895 verkaufte die Gemeinde zwei Bauplätze an der Kirchfeldstraße 118 und 120. Diese Adresse befindet sich direkt gegenüber der Evangelische Kirche Neureut-Nord‎ in südöstlicher Richtung. 1912 wurde vom Turnverein Turngemeinde Neureut 1893 eine Turnhalle auf dem ehemaligen Friedhofsgebiet errichtet. Der verbliebene Platz blieb zunächst unbebaut und wurde bis 1955 für Festveranstaltungen genutzt, da ab 1956 der Festplatz beim Adolf-Ehrmann-Bad dafür verwendet wurde.

Während der Zeit des Westwallbaus wurden für die Arbeiter zwei Baracken auf dem Gelände errichtet. Im Zweiten Weltkrieg waren darin Kriegsgefangene untergebracht.

Ursprüngliche Bestattungsabläufe

Bis 1920 wurde die Leiche auf einem Gestell vom Sterbeort zum Friedhof getragen und Glockengeläut begleitete den Trauerzug. Es gab verschiedene Haltepunkte für den Trauerzug, an denen die Schüler der 8. Klasse jeweils einen Choral sangen. Während der Haltepausen hörte das Glockenläuten auf. Die Arbeit der Leichenträger übernahmen die Nachbarn oder Vereinsmitglieder, sofern es sich bei dem Verstorbenen um ein Vereinsmitglied gehandelt hatte. Um den Anzug beim Tragen nicht zu beschmutzen bekam jeder Träger von den Angehörigen ein weißes Taschentuch.

Im Jahr 1920 stiftete der Teutschneureuter Bürger Wilhelm Mehl der Gemeinde einen Leichenwagen. Die Tradition der „Leichenzüge“ endete 1961, da sie den Verkehr zu sehr behinderten. Die Gemeinde beschaffte einen Leichentransportwagen, der an einen PKW angehängt wurde. Die Leiche wurde nun von zu Hause abgeholt und im so genannten „Schragerhaus“ aufgebahrt, welches einen Kühlsarg besaß. Das Schragerhaus befindet sich im Nordfriedhof Neureut an der Vogtstraße an der Einmündung zur Pfarrer-Graebener-Straße.

Von nun an traf sich die Trauergemeinde direkt am Friedhof zur Beisetzung und anschließend in der Kirche zum Gottesdienstbesuch. Das Abholen der Leiche endete mit der Verwendung des Hauptfriedhof Neureut. Von nun an übernahmen Bestattungsunternehmen den Abtransport und das Herrichten und Aufbahren der Verstorbenen.

Quellen

Siehe auch