Polnischer Erbfolgekrieg

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Infotafel über die Ettlinger Linie

Der Polnische Erbfolgekrieg bezeichnet die Kämpfe zwischen 1733 und 1738 um die Thronfolge Polens.

Vorgeschichte und Auftakt

Am 1. Februar 1733 starb August II., genannt „August des Starke“[1]. Er war nicht nur der Kurfürst von Sachsen sondern auch König von Polen. Weil Frankreich den vorherigen polnischen König Stanislaus Leszczyński[2], der auch der Schwiegervater des französischen Königs Ludwig XV.[3] war, wieder auf dem polnischen Thron sehen wollte, kam es zum erneuten militärischen Konflikt mit dem habsburgischen Kaiser Karl VI.[4]. Dieser und die russische Zarin wollten den Sohn von August dem Starken, Friedrich August II. von Sachsen[5], an der Spitze von Polen sehen.

Der Krieg begann durch die offizielle Kriegserklärung des französischen Königs Ludwig XV. gegenüber dem habsburgischen Kaiser Karl VI. am 10. Oktober 1733. Der französische König versicherte dabei den Reichsfürsten, mit ihnen in Frieden leben und keine Eroberungen machen zu wollen, jedoch müsse er Kontributionen erheben, weil eine so große Armee ohne diese nicht unterhalten werden könne.

In den Krieg waren das Deutsche Reich und das mit ihm verbündete Russland einbezogen und Frankreich der Gegner.

Am 14. Oktober belagerten die Franzosen Kehl. Da die Festung nur unzureichend geschützt war, ergab sich die Besatzung bereits nach zwei Wochen. Die Franzosen beteuerten weiterhin, mit den Reichsfürsten keinen Krieg führen zu wollen und das es weiterhin das einzige Kriegsziel sei, den Kaiser dazu zu zwingen, ihren polnischen König im Exil Stanislaus I. Leszczyński als Nachfolger zu akzeptieren.

Am 31. Oktober 1733 starb der württembergische Herzog Eberhard Ludwig, der auch Oberbefehlshaber des Schwäbischen Kreises[6] war. Dieser hatte vorher versucht, mit dem französischen Marschall Berwick einen freien Durchzug durch Württemberg zu verhandeln, um sein Herzogtum nicht erneut zum Kampfschauplatz werden zu lassen. Da er ohne männlichen Nachkommen verstarb, wurde sein katholischer Cousin Karl Alexander[7] neuer Herzog. Dieser befand sich zum Zeitpunkt des Todes von Eberhard Ludwig als kommandierender General in Belgrad, Serbien im Kampf gegen die Türken und stand fest an der Seite des Kaisers.

Weil Karl Wilhelm, der sich seit dem 19. Oktober 1733 in seinem Basler Palais im Exil aufhielt, es ablehnte, neuer Oberbefehlshaber zu werden, auch mit der Intention, die Franzosen nicht gegen sich aufzubringen, wurde der neue württembergische Herzog Karl Alexander Oberbefehlshaber. Der Kaiser ernannte ihn daraufhin am 6. Februar 1734 zum Feldmarschall. Die Wiener Diplomaten versuchten die Reichsstände auf ihre Seite zu bringen. Sie argumentierten damit, dass Frankreich, würde es sich durchsetzen, mit Polen als Verbündetem das Deutsche Reich sowohl von Westen als auch von Osten bedrohen könne. Hinzu kam, dass Polen auch eine Grenze zum islamischen Erzfeind besaß, dem Osmanischen Reich. Am 9. April 1734 wurde der Reichskrieg an der Seite des Kaisers gegen Frankreich beschlossen.

Verlauf

Im Frühjahr 1734 wurde unter dem Befehlshaber Ferdinand Albrecht II., Herzog von Braunschweig-Lüneburg-Bevern[8] ein kaiserliches Heer mit rund 10.000 Soldaten nach Waghäusel geführt. Bald wurden weitere Verstärkungen herangeführt, so dass die Armee 80.000 Mann umfasste. Diese große Zahl musste von einer halb so großen Bevölkerung versorgt werden. Der Oberbefehl lag beim 71-jährigen Prinz Eugen von Savoyen, der sein Lager in Karlsruhe genommen hatte.

Auf der linken Rheinseite lag ein ebenbürtiges französisches Heer. Den Bauern wurde während des Aufmarsches befohlen, die Ettlinger Linien als Verteidigungsstellung wieder instand zu setzen, damit ein etwaiger französischer Vormarsch so lange aufgehalten werden konnte, bis das kaiserliche Heer angriffsbereit war. Das benötigte Holz wurde aus den anliegenden Wäldern entnommen, so dass in den Wäldern und Feldern große Schäden entstanden.

Am 1. Mai 1734 marschierten die Franzosen über Kehl in östliche Richtung vor. Die Linie überwanden sie am 4. Mai im Bereich des Nordschwarzwalds gleich bei deren ersten Ansturm. Prinz Eugen befahl daraufhin den Rückzug nach Heilbronn. Die Bevölkerung wurde von den Franzosen dazu aufgefordert, die Ettlinger Linie wieder einzuebnen.

Das französische Heer stieß nun in nördliche Richtung vor und belagerte die Festung in Philippsburg. Das kaiserliche Heer konnte die Belagerung nicht sprengen. Am 18. Juli ergab sich die Festungsbesatzung und durfte abziehen.

Die Umgebung von Karlsruhe in westnordwestliche Blickrichtung im Jahr 1735 während des Polnischen Erbfolgekriegs, in der die Flüsse Alb, Pfinz und Saalbach umgeleitet und aufgestaut wurden, um künstliche Überschwemmungen (dunkelgrün markiert) zu erzeugen

Im Frühjahr 1735 hatte das kaiserliche Heer im Bruchsaler Raum feste Stellungen errichtet. Diese wurde durch künstlich hervorgerufene Überschwemmungen verstärkt. Dabei war die Alb Mitte Juni 1735 in die Pfinz und diese in den Saalbach umgeleitet, so dass das tiefer gelegene Land zwischen Ettlingen und Philippsburg in einer Breite von 300 bis 400 Schritten unter Wasser stand. Die Ernteerträge für das aktuelle und das Folgejahr waren damit verloren, was für die Anwohner eine Katastrophe darstellte. Markgraf Karl Wilhelm schickte am 24. Mai 1735 Hofrat Bürcklin von Basel zurück nach Karlsruhe, um mäßigend auf das Militär einzuwirken. Er konnte allerdings nichts erreichen.

Da Prinz Eugen wusste, dass bereits geheime Friedensverhandlungen geführt wurden, beließ er die Truppen in den eingerichteten Quartieren, was auch für das französische Heer galt. Bürcklin berichtete dem Markgraf, dass es in den Lagern so still und ruhig wäre, als ob kein Krieg herrschen würde. Ende Juli kam der kaiserliche Feldmarschall Prinz Ferdinand Maria Innozenz von Bayern[9] zu Besuch nach Karlsruhe. Er sagte zu Bürcklin, dass er „über die angenehme Situation, den wohlangelegten Garten und schöne Orangerie“ angetan sei. Auch weitere Offiziere bestätigten diesen Eindruck.

Im August kam ein russisches Hilfskorps zur Verstärkung hinzu. Im Oktober wurde jeweils ein russisches Korps nach Durlach und Pforzheim ins Winterquartier geschickt. Bürcklin, der die Unterbringung organisierte, schrieb an Karl Wilhelm, dass diese Männer „ungemein wohl ausseheten und gar gute und weit bessere Disciplin“ halten würden als die kaiserlichen Truppen. „Wann ein Soldat nur den geringsten Excess begehet, wird Er entsetzlich gepeitscht, deren ich schon verschiedene Executiones gesehen habe“. Allerdings erhoben die russischen Soldaten höhere Ansprüche an ihre Verpflegung, die durch die Bevölkerung kaum befriedigt werden konnte. Dennoch hatten die Bauern lieber sechs Russen als einen Kaiserlichen zur Unterbringung, weil sich die russischen Soldaten sehr diszipliniert verhielten, wie Bürcklin berichtete.

Am 3. Oktober 1735 kam es in Wien zum „Präliminarfrieden“[10], also zur dauerhaften Einstellung der Kampfhandlungen und einer Art „Vorfrieden“.

Die russischen Korps wurden nach Böhmen beordert und verabschiedeten sich bei ihren Gastgebern „aufs höflichste“, weil sie als Fremde so freundlich aufgenommen und gut bewirtet worden waren. Die Gastgeber zeigten sich darüber sehr erstaunt, weil beim Abzug der kaiserlichen Truppen diese „den Abschied nur mit Prüglen und Donner- und Wetterzerschlagen nehmten“.

Kriegsende

Der Wiener Frieden beendete am 18. November 1738 den Krieg endgültig. Friedrich August II. bestieg den polnischen Thron und Leszczyński wurde mit dem Herzogtum Lothringen entschädigt. Dazu wurde Lothringen vom Reich abgetrennt und fiel nach dem Tod von Leszczyński im Jahr 1766 an Frankreich.

Siehe auch

Weblinks

Fußnoten

  1. Die deutschsprachige Wikipedia zum Thema „August der Starke“
  2. Die deutschsprachige Wikipedia zum Thema „Stanislaus Leszczyński“
  3. Die deutschsprachige Wikipedia zum Thema „Ludwig XV.“
  4. Die deutschsprachige Wikipedia zum Thema „Karl VI.“
  5. Die deutschsprachige Wikipedia zum Thema „Friedrich August II“
  6. Die deutschsprachige Wikipedia zum Thema „Schwäbischer Kreis“
  7. Die deutschsprachige Wikipedia zum Thema „Karl Alexander, Herzog von Württemberg“
  8. Die deutschsprachige Wikipedia zum Thema „Ferdinand Albrecht II.“
  9. Die deutschsprachige Wikipedia zum Thema „Ferdinand Maria Innozenz von Bayern“
  10. Die deutschsprachige Wikipedia zum Thema „Präliminarfrieden“