Palais Bürklin

Aus dem Stadtwiki Karlsruhe:
Wechseln zu: Navigation, Suche
Das Palais von der Kriegsstraße aus gesehen

Das Palais Bürklin war eine Privatvilla in der Kriegsstraße 166-168 des Hoftheaterintendanten Dr. Albert Bürklin in Karlsruhe.

Geschichte

Das 1879 unter der Leitung von Josef Durm, im Stil der italienischen Renaissance, erbaute Palais war einer der beliebtesten Sammelpunkte der guten Gesellschaft in der damaligen badischen Hauptstadt. Zusammen mit seiner Frau hatte er es zu einem Magneten für die damalige Kunst und Kulturszene gemacht. 1902 wurde das umgebaute und erweiterte Haus eröffnet.

Im Bombenhagel von 1944 wurde das Palais zerstört. An seiner Stelle befindet sich heute der Südwestrundfunk mit seinem Studio Karlsruhe.

Beschreibung

Der Treppenaufgang

Der bildhauerische Schmuck der älteren Fassade, der aus weißem Sandstein bestand waren Medaillonköpfe in den drei Bogenrunden der mittleren Fenstergruppe des Obergeschosses, Marmorkopien von zwei antiken Statuen des Vatikan und ein von Putten gehaltenes Wappen. Im neueren Teil leuchtete ein von Prof. Hermann Volz geschaffenes Relief hervor, dass die Poesie darstellte. An der Ostseite befand sich ein 10m langes Puttenfries auf dem „Vorgänge des Lebens zu verschiedenen Jahreszeiten“ zu sehen waren.

Im Untergeschoss befand sich eine weißmarmorne Stocktreppe, die umzogen von Umgängen war, deren Gebälk von schwarzen, im Obergeschoss von roten Marmorsäulen getragen wurde. Die Wände der Umgänge waren mit griechischen und italienischen Landschaften im Stile von Carl Rottmanns von Wilhelm Klose geschmückt. Das Atrium nahe dem Oberlicht trugen Figurenkompositionen des Malers Rudolf Gleichauf. Ein mächtiger Bronzelüster mit Kristallbehang, Kandelaber, Hängelampen, alle mit elektrischer Beleuchtung versehen, machten diesen Raum zum Glanzpunkt der Anlage, die noch reich mit Pflanzenschmuck und Stoffen dekoriert war.

Der große Festsaal

Von diesem Zentrum aus gelangte man in die verschiedenen Gesellschaftsräume, in den „Kleinen Damensalon“, den großen Festsaal, den Musiksalon, verschiedene Konversationssäle, die Bibliothek und den Speisesalon mit Vorbereitungsraum. Hier entfaltete sich bei festlichen Gelegenheiten das reiche Bild, wie es nur selten in ähnlicher Weise in einem privaten Haus zu sehen war. Der Festsaal war mit reicher Stuckarbeit im Stile des Rokoko ausgeführt und in abgetöntem weiß bis elfenbeinfarbenem Ton mit reichen Vergoldungen gehalten, die Wandflächen waren mit großen landschaftlichen Bildern von Prof. Edmund Kanoldt und einem Figurenbild von Prof. Ferdinand Keller geschmückt. Ein mächtiger Spiegel, ein kolossaler Kamin aus afrikanischem Onyx mit vergoldeten Schmiedeeisengittern zierten die eine Seite während an der anderen Seite eine Galerie vorgebaut war. Das angrenzende kleine Damenzimmer war mit grünem Seidenstoff ausgeschlagen und zeigte an den Wänden ein Figurenbild von Ferdinand Keller und einige Aquarelle von Prof. Hans Krabbé. Der Musiksaal war mit maisgelbem Seidenstoff bezogen, an den Wänden prangten kostbare Florentiner Spiegel in reich geschnitzten vergoldeten Rahmen, Bilder von Gustav Schönleber und zwei Marmormedaillonbilder des Hausherren und seiner Gattin von Joseph von Kopf aus Baden-Baden.

Von diesen großen Gesellschaftsräumen ging es zu den Gemächern, die im Stile der italienischen Renaissance gehalten waren und zu dem kostbaren, ganz mit Nussbaumschnitzwerk verzierten Speisesaal der ein Freskobild von Prof. Ernst Schurth „Lied, Liebe und Wein“ und Bronzefigürchen von Prof. Adolf Heer beinhaltete. Im nieder gehaltenen Mansardengeschoss befanden sich weiter reich ausgestattete Bibliothekräume, das Studier- und Arbeitszimmer, sowie andere Privatgemächer. Ebenfalls die intimeren Gelasse, die von einem besonderen Treppenhaus zugänglich waren, die Schlafzimmer, Toiletten, Garderoben, Badezimmer, die sich alle an die Gesellschaftsräume im Obergeschoss anschlossen und nach dem ruhigen, schönen Garten hin lagen, wie zu ebener Erde die Küchen, Anrichträume und Dienstbotengelasse.

Es war die Schöpfung eines kunstsinnigen Bauherrn, das Werk eines außerordentlichen Architekten, mit einem praktisch und übersichtlich eingeteilten Grundriss, bei dem Zweckmäßigkeit und behagliche Pracht im Innern, mit einer schmucken Außenfassade gepaart wurde.

Quelle

"Über Land und Meer" 1903 Nr. 38, Seite 847 – 850

Weblinks