August Schmieder

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Das Palais Schmieder
Grabstätte August Schmieders auf dem Hauptfriedhof

August Schmieder (* 1824 in Karlsruhe; † 1897 ebendort) war ein Brauer und Unternehmer. Er gründete in Karlsruhe eine Brauerei, die aber in Konkurs geriet und von Jakob Friedrich Höpfner aufgekauft wurde. Schmieder ließ sich von Josef Durm seinen Altersruhesitz, die Villa Schmieder, heute als Prinz-Max-Palais bekannt, bauen.

August Schmieder war außerdem der Vater des königlich bayerischen Geheimen Landesökonomierats Karl August von Schmieder (1867–1941), der in Steinau im Bayerischen Wald ein berühmtes landwirtschaftliches Mustergut betrieb und Mitinitiator der Deutschen Grünlandbewegung war.

Leben und Wirken

Im Jahre 1845, kurz vor einer Wirtschaftskrise, gründete August Schmieder eine Brauerei in der Langen Straße 16 (später Kaiserstraße 14). Das Haus stand an der Ecke zur heutigen Englerstraße und erstreckte sich bis auf das Gelände des heutigen Bistros "Ballermann" bei der Universität in der Altstadt. Das Historische Brauereiverzeichnis Deutschland des IBV datiert den Ursprung der Brauerei schon auf das Jahr 1798, und auch anderen Quellen ist zu entnehmen, dass August Schmieder wohl nicht der eigentliche Brauereigründer war, sondern den Betrieb von seinem Schwiegervater übernommen hat. Die genaue Vorgeschichte liegt jedoch im Dunkeln.

August Schmieder konnte angesichts der allgemeinen wirtschaftlichen Lage jedoch von Anfang an keinen Fuß fassen. Ab 1846 stiegen die Getreidepreise aufgrund vorangegangener Missernten auf fast das Doppelte an und viele Brauer mussten hohe Kredite aufnehmen, um diese zu bezahlen. So geriet Schmieder auch schon 1849 in Konkurs und verkaufte seine Brauerei 1850 an den Eggensteiner Bierbrauer Jakob Friedrich Höpfner, womit die Geschichte der heutigen Karlsruher Brauerei Hoepfner seinen Anfang nahm.

Schmieder selbst siedelte noch im selben Jahr nach Schlesien über und gelangte zuerst als Unternehmer im oberschlesischen Zinkbergbau, dann als Bankier in Breslau zu großem Vermögen. Die Umstände dieses ungewöhnlichen finanziellen Aufstiegs werden 1877 in einem Buch von Otto Glagau (1834-1892) unter dem Titel "Der Börsen und Gründungsschwindel in Deutschland" als „die Geschichte eines unerhört grossen und frechen, raffinirten und intensiven Schwindels“ bezeichnet. Glagau bezieht sich dabei freilich nicht auf die Person August Schmieders, obgleich dieser zweimal als Generaldirektor in diversen Aufsichtsräten erwähnt wird, sondern auf die unmittelbar nach der Reichsgründung 1871 einsetzende Gründung unzähliger dubioser Aktiengesellschaften vor allem in Preußen, die dann über geschickte Börsenspekulationen horrende Gewinne einstrichen. Die damit einhergehende Konjunktureuphorie ließ die Aktienkurse in unnatürliche Höhen schnellen und endete 1873 letztlich im sogenannten "Gründerkrach". Otto Glagau war gleichwohl erklärter Antisemit und machte pauschal das Judentum als Synonym für den Kapitalismus für diese Praktiken verantwortlich. Insofern sind seine Ausführungen mit Vorsicht zu genießen. Es lässt sich jedoch vermuten, dass August Schmieder als Generaldirektor und Aufsichtsrat von Gesellschaften wie dem Oberschlesischen Eisenbahnbedarf oder der Breslauer Möbel-, Parquet- und Holzbau wohl auf die von Glagau beschriebene Art und Weise zu seinem unermesslichen Vermögen kam.

Nach 30 Jahren kehrte August Schmieder als wohlhabender Mann mit seiner Frau nach Karlsruhe zurück. Sein größtes Vermächtnis ist das heute bekannte Prinz-Max-Palais (damals Palais Schmieder), das er 1881 bis 1884 für über eine Million Goldmark als Privatvilla und Alterssitz von dem renommierten Architekten und Oberbaurat Josef Durm (1837-1919) erbauen ließ. Schmieder starb im Jahre 1897, worauf seine Villa schließlich in den Besitz des Prinzen Max von Baden und dessen Familie gelangte.

Literatur