Kaiserproklamation

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Bronzerelief (am Sockel des Kaiserdenkmals) mit Darstellung der Kaiserproklamation
Symbole des Kaiserreichs: der Reichsadler (zweites Modell, unter Wilhelm II.) ...
...und das große Wappen des Kaisers

Die Kaiserproklamation war ein Ereignis, an dem mehrere Karlsruher maßgeblich beteiligt waren. Die Kaiserproklamation im Spiegelsaal des Schlosses Versailles bei Paris 1871 am 18. Januar gilt als Geburtsstunde Deutschlands.

Der damalige Bundeskanzler und spätere Karlsruher Ehrenbürger Otto von Bismarck (1815–1898) verlas die Proklamation und ein gebürtiger Karlsruher, Großherzog Friedrich (I.) von Baden, Schwiegersohn des Königs von Preußen, brachte das erste "Hoch" auf Kaiser Wilhelm aus. Der Maler Anton v. Werner (1843–1915), telegraphisch aus Karlsruhe herbeigerufen (S.K.H. der Kronprinz läßt Ihnen sagen, daß Sie hier Etwas Ihres Pinsels Würdiges erleben würden, wenn Sie vor dem 18. Januar hier eintreffen können“), hielt die Szene in seinem berühmten Bild fest.

Unter den Anwesenden im Spiegelsaal befand sich auch ein junger Offizier, der später zeitweilig Karlsruher war (und 1915 Ehrenbürger wurde): Paul v. Hindenburg (1847–1934), damals Leutnant.

Proklamation

Wortlaut:

„Nachdem die deutschen Fürsten und freien Städte den einmütigen Ruf an Uns gerichtet haben, mit Herstellung des Deutschen Reichs die seit mehr denn sechzig Jahren ruhende deutsche Kaiserwürde zu erneuern und zu übernehmen, und nachdem in der Verfassung des Deutschen Bundes die entsprechenden Bestimmungen vorgesehen sind, bekunden hiermit, daß Wir es als eine Pflicht gegen das gemeinsame Vaterland betrachtet haben, diesem Ruf der verbündeten deutschen Fürsten und Städte Folge zu leisten und die deutsche Kaiserwürde anzunehmen.
Demgemäß werden Wir und Unsere Nachfolger an der Krone Preußens fortan den kaiserlichen Titel in allen Unseren Beziehungen und Angelegenheiten des Deutschen Reiches führen, und hoffen zu Gott, daß es der deutschen Nation gegeben sein werde, unter dem Wahrzeichen ihrer alten Herrlichkeit das Vaterland einer segensreichen Zukunft entgegenzuführen. Wir übernehmen die kaiserliche Würde in dem Bewußtsein der Pflicht, in deutscher Treue die Rechte des Reiches und seiner Glieder zu schützen, den Frieden zu wahren, die Unabhängigkeit Deutschlands, gestützt auf die geeinte Kraft seines Volkes, zu verteidigen. Wir nehmen sie an in der Hoffnung, daß dem deutschen Volke vergönnt sein wird, den Lohn seiner heißen und opfermutigen Kämpfe in dauerndem Frieden und innerhalb der Grenzen zu genießen, welche dem Vaterlande die seit Jahrhunderten entbehrte Sicherung gegen erneute Angriffe Frankreichs gewähren.
Uns aber und Unseren Nachfolgern an der Kaiserkrone wolle Gott verleihen, allezeit Mehrer des Deutschen Reiches zu sein, nicht an siegreichen Eroberungen, sondern an den Gütern und Gaben des Friedens auf dem Gebiete nationaler Wohlfahrt, Freiheit und Gesittung.“

Schon in den nächsten Tagen wurde der Saal wieder als Lazarett genutzt.[1]

Archivalien

  • „Uebereinkommen zwischen der Großherzoglich Badischen Hoffinanzkammer und dem Historienmaler A. v. Werner zu Berlin. Die Ausführung des Oelgemäldes ›Die Proklamierung des deutschen Reiches in Versailles am 18ten Januar 1871‹ betr.“ vom 4./18. Juni 1872, Karlsruhe, Badisches Generallandesarchiv, Rep. 56/1628[2]
  • Anton v. Werner: Raumdisposition zur Unterbringung der Kaiserproklamation im Weißen Saal des Berliner Schlosses (Bleistift und Feder, 20 x 32,2 cm), mit Maßangaben, um 1875, Karlsruhe, Badisches Generallandesarchiv, Rep. 56/1628[3]

Literatur

  • Robert Goldschmit: Festrede zur Feier der Kaiser-Proklamation und der Errichtung des Deutschen Reiches, „auf Veranlassung des Stadtrats der Haupt- und Residenzstadt Karlsruhe“[4], Karlsruhe 1896 bei Malsch & Vogel
  • Peter Pretsch: Anton von Werners »Kaiserproklamation für Versailles« (Magisterarbeit, Universität Karlsruhe, Fakultät für Geistes- und Sozialwissenschaften), Karlsruhe 1981

Die Karlsruher Schriftstellerin Alberta v. Freydorf (1846–1923) schrieb über das Ereignis:

„Und nun kam der große Tag, an dem sich dort in Versailles die so lange ersehnte, von Dichtern und Sängern geahnte und prophezeite Wiedergeburt des Deutschen Reiches vollzog und seinem Heldenschöpfer Badens Großherzog das erste Kaiserhoch brachte, der Tag, an dem die alte Kaiserkrone in neuem Glanz erstrahlte“ (Alberta v. Freydorf: Kaiserin Augusta, Karlsruhe 1911, Seite 101)

Der Karlsruher Mundartdichter Fritz Römhildt (1857–1933) alias „Romeo“ schrieb über die Kaiserproklamation das Gedicht „Kaiserkrönung in Versailles“ [der Titel ist irreführend, da es keine Krönung und keine Krone gab!].

Weblinks

Fußnoten

  1. schwarz-weiß-Photographie, auf Seite 332 in: Dominik Bartmann (Hrsg.): Anton von Werner – Geschichte in Bildern“ (Ausstellungskatalog), München 1993. ISBN 3777461407, dazu Kat.-Nr. 454 (auf Seite 334)
  2. Kat.-Nr. 459 (auf Seite 340) in Dominik Bartmann (Hrsg.): Anton von Werner – Geschichte in Bildern“ (Ausstellungskatalog), München 1993. ISBN 3777461407
  3. Kat.-Nr. 509 (auf Seite 349) in Dominik Bartmann (Hrsg.): Anton von Werner – Geschichte in Bildern“ (Ausstellungskatalog), München 1993. ISBN 3777461407
  4. „Festrede zur Feier der Kaiser-Proklamation und der Errichtung des Deutschen Reiches“, digitalisiert bei Google Books


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