Stephanienbad

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Die Westfassade auf einer Aufnahme, die um 1900 entstanden ist
Die Paul-Gerhardt-Kirche im Mai 2005
Das Stephanienbad vom Albwinkel aus südwestlicher Richtung gesehen
Die Ostseite des Stephanienbads um 1900 mit dem ehemaligen Biergartenbereich
Blaue Tafel am Stephanienbad
Das Sperrtor beim Stephanienbad
Garten hinter dem Gebäude (Rechts im Bild)

Das ehemalige Stephanienbad war Teil eines öffentlichen Bades an der Alb aber diente selbst nie als „Badehaus“. Es war als Tanzsaal und Gesellschaftsgebäude ausgelegt und war nicht nur Gastwirtschaft sondern zeitweise auch ein Mietshaus. Seit 1957 ist das Gebäude die Paul-Gerhardt-Kirche der Paul-Gerhardt-Gemeinde. Der erste Gottesdienst wurde im Stephanienbad aber schon am 15. Januar 1899 gefeiert.

Geschichte

Bereits 1780 ließ der Werkmeister Berckmüller ein Badehaus aus Holz an der Alb errichten, welches einen Teil des Flusses überspannte. Die Beiertheimer Bevölkerung nahm das Badehaus zunächst nur sehr zögernd an, da es sich um „unzüchtiges Verhalten“ handelte.

Im Jahr 1807 hatte der Wirt Andreas Marbe den Badebetrieb übernommen und das Bad um ein Warmbad sowie ein künstlich angereichertes „Kurbad“ ergänzen lassen. Daneben ließ er eine „Hütte“ bauen, die als Tanzraum diente. Andreas Marbe war auch Wirt der ehemaligen Beiertheimer Wirtshauses „Hirsch“. Zu den Gästen zählten überwiegend Bewohner der Stadt Karlsruhe.

Da sich der Ort eines hohen Zuspruchs erfreute, wurde 1811 bis 1814 an Stelle der „Hütte“ nach Plänen von Friedrich Weinbrenner ein größeres Gesellschaftsgebäude gebaut. Die Außenlage wurde als englischer Garten angelegt, der bis zur Schwarzwaldstraße reichte und über bis zu sechs Ausschankstationen verfügte. Die Großherzogin Stephanie genehmigte 1817 die Verwendung Ihres Namens für das Gebäude.

Im Lauf der Zeit sank die Bedeutung des Stephanienbades und trotz zahlreicher Bemühungen des Wirtes blieben die zahlungskräftigen Gäste mehr und mehr aus. Deshalb musste er 1827 das Haus verkaufen und betrieb nur noch das Bad bis zu seinem Tod 1832.

Die Besitzer des Stephanienbades wechselten mehrmals und schließlich wurde das Gebäude in ein Mietshaus umgewandelt, in dem 1880 15 Mietparteien wohnten.

1881 erwarb Karl Knust, ein Beiertheimer Schmiedemeister, das stark herunter gekommene Haus und die Badeanlage, um die noch vorhandene Wäscherei auszubauen. Dieser Geschäftszweig war zu jener Zeit sehr gefragt, weil die meisten bürgerlichen Haushalte, die sich das leisten konnten und wollten, ihre schmutzige Wäsche außer Haus an eine Wäscherei gaben. Die Badeanlage baute er aus, so dass 32 Einzelkabinen entstanden. Diese hatten in den Boden versenkte Badewannen und Duschen. Zusätzlich gab es ein Schwimmbad für Männer und Jungen. Später kam noch ein Damenschwimmbad hinzu und eine dampfgetriebene Wellenmaschine. Das Stephanienbad-Gebäude selber wurde wieder vom Mietshaus zur Wirtschaft umgebaut.

Die ersten Karlsruher Schwimmvereine trafen sich im Bad und das badische Militär brachte seinen Rekruten hier das Schwimmen bei. Beiertheim profitierte von der Wäscherei, da dort bis zu 60 Wäscherinnen eigenverantwortlich arbeiteten und dem Besitzer nur ein Nutzungsentgeld bezahlen mussten.

Im Jahr 1903 erweiterte Karl Knust das Bad kurz vor seinem Tod um das „Erste Karlsruher Licht-, Luft- und Sonnenbad“, welches sich innerhalb kurzer Zeit einem hohen Zulauf erfreute. Aus diesem Grund wurde auch die damals bestehende Straßenbahnverbindung Beiertheims mit Karlsruhe verbessert. Gleichzeitig befürchteten konservative und traditionelle Kreise der Gesellschaft einen „Sittenverfall“.

Bereits 1905 musste der Badebetrieb eingestellt werden, da wegen des Baus der Gleisanlagen auf dem Bahnhochdamm zum neuen Hauptbahnhof eine Verlegung der Alb notwendig wurde. Auch der Betrieb der Wäscherei wurde dadurch unmöglich. Der englische Garten wurde bei den Baumaßnahmen ebenfalls zerstört.

Die Bedeutung des Stephanienbades sank dadurch sehr stark. Bis zum Ersten Weltkrieg fanden im so genannten „Rittersaal“ die verbotenen Mensuren schlagender Studentenverbindungen statt.

Nach dem Ersten Weltkrieg ging das Stephanienbad in den Besitz der Stadt Karlsruhe über, die es ab 1926 an die evangelische Kirchengemeinde verpachtete. Hieraus entstand ab 1957 die Paul-Gerhardt-Gemeinde.

Bedeutung des Wehrs

Das Wehr am Stephanienbad besteht seit 1908, die heutige Form ist aus 1974. Der ursprüngliche Zweck war, den Aufstau zum Baden zu verwenden. Der Rückstau bis Rüppurr hat die Bedingungen im Fluss geändert und hatte negative Auswirkungen auf die Vielfalt der Fauna.

Lage

Es liegt in Beiertheim an der Alb an der Breite Straße und der Weiherfeldstraße in unmittelbarer Nähe des Bahnhochdamms der DB Netz AG.

Dieser Ort im Stadtplan:

Weitere Bilder

Literatur

  • Birgit Sauer-Löffler: Hier ist ein neues Leben los. Stephanienbad – Paul-Gerhardt-Gemeinde. 175 Jahre Geschichte eines Hauses. Selbstverlag, ohne Ort, 1987

Weblinks