Rechtshistorisches Museum

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Haupteingang und Neubau des Bundesgerichtshofs

Das Rechtshistorische Museum Karlsruhe ist ein Museum in der Karlsruher Innenstadt. Seit 2003 befindet es sich im Bundesgerichtshof in der Herrenstraße.

Ausstellung

Exponate

Beginnend mit dem Codex Hammurabi um 1700 v. Chr. – das Museum besitzt eine Nachbildung der berühmten Diorit-Säule, die sich im Louvre in Paris befindet – und dem griechischen sowie römischen Recht werden die Grundlagen der späteren Rechtsentwicklung dargestellt. Es folgt die frühe deutsche Entwicklung mit Land- und Stadtrechten und die weitere Ausgestaltung der Rechtsordnung im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation unter besonderer Berücksichtigung des Reichskammergerichts.

Anschließend werden die sogenannten Naturrechtsgesetzbücher erläutert. Diese sind das Allgemeine Preußische Landrecht, der französische Code Civil, welcher in den linksrheinischen Gebieten in der ursprünglichen Fassung und mit Modifikationen als Badisches Landrecht bis 1900 in Kraft war, sowie das österreichische Allgemeine Bürgerliche Gesetzbuch. Der Weg zur deutschen Rechtseinheit und die Entwicklung zum modernen Verfassungs- und Rechtsstaat werden im Einzelnen dokumentiert.

Das Bundesjustizministerium hat dem Rechtshistorischen Museum ein Teilstück der Berliner Mauer überlassen, das im rückwärtigen Außenbereich des Bibliotheksgebäudes des Bundesgerichtshofs zu besichtigen ist.

Sonderausstellung 300 Jahre Karlsruhe

Die Ausstellung präsentiert die unterschiedlichen Etappen der Rechtsentwicklung in der einstigen badischen Residenz- und Landeshauptstadt von der Stadtgründung bis heute. Beginnend mit den Privilegienbriefen des Stadtgründers Markgraf Karl Wilhelm wird die Fortentwicklung der kleinen Markgrafschaft zum Großherzogtum und die damit verbundene Modernisierung der Rechtsordnung, die wesentliche Impulse durch Frankreich erfahren hat, aufgezeigt. Die 300 Jahre Stadt- und Rechtsgeschichte werden kompakt durch mehr als 100 aussagekräftige Exponate verdeutlicht.

Sonderausstellung 2010

2010 gab es eine Sonderausstellung zum Jubiläum „200 Jahre Badisches Landrecht 1810–2010“.

Am 1. Januar 1810 trat das neue badische Zivilgesetzbuch mit zwei Einführungsedikten als Code Napoléon mit Zusätzen und Handelsgesetzen als Landrecht für das Großherzogtum Baden in Kraft. Diese Kodifikation, die dank des vielseitigen badischen Juristen Friedrich Brauer auch Recht und Sprache zu vereinbaren verstand, blieb bis zur reichseinheitlichen Einführung des Bürgerlichen Gesetzbuches am 1. Januar 1900 in Kraft. Sie trug wesentlich zur gelungenen Integration der unterschiedlichen Landesteile im neugeschaffenen Großherzogtum Baden bei. Die Sonderausstellung befaßt sich mit der Entstehung des französischen Code civil von 1804, der Bearbeitung als Badisches Landrecht durch Friedrich Brauer unter Anfügung von 500 Zusätzen, der Interpretation des Badischen Landrechts durch das Badische Oberhofgericht zu Mannheim und des Reichsgerichts in Leipzig sowie seine Bedeutung für Wissenschaft und Lehre.

Veranstaltungen 2017

Rechtshistorische Exkursion
nach Freiburg i. Br., Samstag, 24. Juni 2017
Ganztägige Veranstaltung mit Referaten von Dr. Thomas Kummle, Dr. Wilhelm Güde und Dr. Detlev Fischer.
Nur für Mitglieder.
Rechtshistorischer Stadtspaziergang
durch die Karlsruher Innenstadt anlässlich des Tages der Deutschen Einheit unter dem Motto „Einigkeit und Recht und Freiheit“.
Dienstag, den 3. Oktober 2017, 10:30 Uhr
Führung: Dr. Detlev Fischer,
Treffpunkt Platz der Grundrechte, Karlsruhe
„Rezeption des französischen Rechts in der Rechtsprechung des Reichsgerichts 1879 - 1900“
Herbstvortragsveranstaltung Dienstag, 24. Oktober 2017, 19 Uhr:
Vortrag von Privatdozent Dr. Stefan Geyer, Rechtsanwalt, Karlsruhe
Der Code civil gehörte, als nach 1815 fortgeltendes Partikularrecht der überwiegend linksrheinischen Gebiete Südwestdeutschlands, zu den Gesetzbüchern, nach denen das Reichsgericht privatrechtliche Streitigkeiten zu entscheiden hatte. Dabei orientierte sich der hierfür zuständige II. Zivilsenat unter seinem Präsidenten Adrian Bingner überwiegend an der zeitgleichen Praxis der französischen Cour de Cassation. Der Vortrag zeigt die Abweichungen auf, die bei der Anwendung des französischen Rechts dennoch entstanden sind, und nimmt in den Blick, wodurch diese verursacht wurden.
Ort: Badische Landesbibliothek, Erbprinzenstraße 15, Karlsruhe, Eintritt frei.

Träger und Förderverein

Als Träger und Förderverein fungiert seit 1988 der als gemeinnützig anerkannte Verein „Rechtshistorisches Museum e.V.“. Zum ersten Vorsitzenden wurde der langjährige Präsident des Bundesgerichtshofs, Prof. Dr. Gerd Pfeiffer, berufen.

Ihm folgte 1993 Rechtsanwalt Dr. Karl Zippelius, der bis März 2005 amtierte. In seine Amtszeit fiel der Umzug des Museums in den 2003 fertiggestellten Großen Erweiterungsbau des Bundesgerichtshofs. Gegenüber dem Versammlungsfoyer präsentiert sich nun das Museum auf einer neu konzipierten und modern ausgerichteten Ausstellungsfläche.

Seit März 2005 ist Dr. Detlev Fischer Vereinsvorsitzender. Dr. Fischer war zuletzt Vorsitzender einer Kammer für Handelssachen beim Landgericht Karlsruhe und ist nunmehr Richter am Bundesgerichtshof.

Der Verein unterstützt als Kooperationspartner der Woche der Justiz die Veranstaltungen in Karlsruhe.

Öffnungszeiten/Führungen

Jeden Dienstag (außer an Feiertagen) ist das Museum zwischen 10:00 und 12:00 Uhr geöffnet. Ein Personalausweis muss vorgezeigt werden. Führungen gibt es nach telefonischer oder schriftlicher Voranmeldung.

Stadtspaziergänge

Seit dem Tag der Deutschen Einheit am 3. Oktober 2008 bietet das Rechtshistorisches Museum in Zusammenarbeit mit wirkstatt e.V. rechtshistorische Stadtspaziergänge an, die vom Leiter des Museums, Dr. Detlev Fischer, geführt werden.

Geschichte

1979 wurde die Ausstellung „Recht und Justiz in Deutschland ab 1806“ aus Anlass des 100. Jahrestages des Inkrafttreten der Reichsjustizgesetzgebung gezeigt. Diese wurde von Bankdirektor Heinz Schröder (1919–1994) angeregt und von Dr. Hildebert Kirchner (1920–2012), langjähriger Direktor der Bibliothek des Bundesgerichtshofs, konzipiert. Seitdem verlor Heinz Schröder den Gedanken der Errichtung eines Rechtshistorischen Museums in der Residenz des Rechts nicht mehr aus den Augen.

1984 wurde schließlich das Museum im Haus Nr. 19 in der traditionsreichen Stephanienstraße eröffnet. Das Anwesen selbst, das aus den zwanziger Jahren des 19. Jahrhunderts stammt, bot sich hierfür nicht zuletzt auch deshalb an, weil es das Geburtshaus des renommierten Völkerrechtlers Albrecht Mendelssohn Bartholdy (1874–1936), Enkel des bekannten Komponisten, war.

Mit tatkräftiger Unterstützung des aus der badischen Justiz stammenden Richters des Bundesverfassungsgerichts Dr. Julius Federer (1911–1984) sowie weiterer Experten gelang es, eine große Anzahl aussagekräftiger Ausstellungsstücke zu erwerben und diese im Erdgeschoss des Anwesens anschaulich zu präsentieren.

Am 14. September 2008 konnte das RHM zwischen 10:00 und 17:00 Uhr im Rahmen des Denkmaltags 2008 kostenfrei besucht werden.

Adresse

Verein Rechtshistorisches Museum e. V. Karlsruhe
Ansprechpartner: Dr. Detlev Fischer
Herrenstraße 45a
76133 Karlsruhe
Telefon: (07 21) 1 59 - 50 31

Weblinks

Fußnoten