Kaiserkrönung in Versailles

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Kaiser Wilhelm mit der Reichskrone des HRR (zeitgenössische Photomontage)

Kaiserkrönung in Versailles 1870/71 ist der Titel eines Gedichts von Fritz Römhildt (genannt „Romeo“) in Karlsruher Mundart:

Gedichttext

Das ganz Deutsche Reich des isch
Ein Volk jetzt norr von Brüder,
Hat uns der Lehrer damals g’sagt,
Der Kaiser sei der Hüter.

Un unser Großherzog wär’s g’west,
Der hätt’ auf d’ Krönung drunge,
Deß erschte deutsche Kaiserhoch
Sei aus sei’m Mund erklunge.

Ganz Deutschland däht mit Schtolz der Blick
Zum Großherzog erhewe
Dann henn mir unser Fürschtehaus
Mit Hurra lasse lewe.

Wie hat dort unser Buweherz
Doch voll Begeischtrung g’schlage,
– Der Lehrer hat’s verschtande halt –
Un wie er mich duht frage:

„Warum hat’s erschte Hoch ausbracht
Der Großherzog von Bade?“ –
„Weil Bade’s Musterländle isch
von alle deutsche Schtaate!“

Historischer Hintergrund

Die Kaiserproklamation zu Versailles am 18. Januar 1871: der Großherzog Friedrich (I.) von Baden, Schwiegersohn des Königs von Preußen, brachte das erste „Hoch“ auf „Kaiser Wilhelm“ aus. Es gab allerdings keine Krönung, insofern ist der Titel des Gedichts etwas irreführend.

Quelle

Karl Hesselbacher und Heinrich Mohr (Hrsg.): „Grüss Dich Gott mein Badnerland!“; Lahr o.J. (um 1914), Seite 114