Nikolauskirche

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Die Kirche im Oktober 2011 aus nördlicher Blickrichtung
Turm
Infotafel
Kirche von der Alb aus gesehen

Die Nikolauskirche befindet sich in Rüppurr in der Rastatter Straße an einer Biegung der Alb und wird von den Rüppurrern auch „Kleines Kirchle“ genannt. Sie gehört seit dem 1. Januar 2014 zur Kirchengemeinde Karlsruhe Alb-Südwest St. Nikolaus.

Architektur und Kunst

Die Kirche beherbergt neben einem Taufstein aus dem 17. Jahrhundert noch zwei Grabplatten aus dem 16. Jahrhundert, unter denen die letzten Rüppurrer Adligen bestattet wurden. Das Nikolausfenster aus dem Jahr 1948 an der Nordwand der Kirche stammt von der Künstlerin Clara Kress.

Der Kirche wurde ein Lied gewidmet: Liebes Kirchlein an der Straßen von Max von Schenkendorf.

Nutzung

Epitaph für Philipp Jakob von Rüppurr mit Rüppurrer Wappen, 2008 kopfstehend an der Außenwand

Die Kirche gehört zur katholischen Pfarrei Christkönig. Hier findet das Ökumenische Friedensgebet zweiwöchentlich statt.[1] Bis 2011 wurde sie auch von der Serbisch-Orthodoxen Kirche benutzt.

Zum Patrozinium am 6. Dezember findet seit 1944 eine „Gelöbnisprozession“ statt. Weil Rüppurr von Zerstörungen im Zweiten Weltkrieg verschont geblieben war, versprachen die Bürger aus Dankbarkeit jedes Jahr eine Dankesprozession zur Nikolauskirche zu unternehmen.

Geschichte

An Stelle der heutigen Kirche befand sich die Heimatkirche des ursprünglichen Rüppurrer Adelsgeschlechts. Erstmalig erwähnt wurde eine Kirche an dieser Stelle in einer Urkunde von 1351.

Das Kloster Lichtenthal hatte an dieser Kirche das Zehntrecht und damit auch die Baupflicht. Dies blieb so, als die Kirche evangelisch wurde. Da die katholischen Nonnen in Lichtental wenig Interesse hatten, eine nichtkatholische Kirche zu unterhalten, verfiel sie zunehmend. Zwar wurde 1763 noch ein Glöckchen angeschafft, da in Rüppurr bislang keine Glocke vorhanden war. Zehn Jahre danach wurde die Kirche aber wegen Baufälligkeit gesperrt.

Da war schon seit acht Jahren ein Streit zwischen dem Kloster und der Markgrafschaft Baden-Durlach im Gange über die Baupflicht. Das Oberamt Durlach beschlagnahmte im Jahr 1774 den Lichtenhaler Zehnten, um die Finanzierung des Neubaus sicherzustellen. So konnte der schon seit drei Jahren vollendete Bauplan, den Johann Friedrich Weyhing (1716–1781) erstellt hatte, in den folgenden zwei Jahren umgesetzt werden.

Der Prozess endete erst 1791 mit dem Ergebnis, dass Lichtenthal das Zehntrecht verlor, die Baupflicht aber an die Markgrafschaft überging.

Der Neubau bezog aus Kostengründen den alten Turm mit ein, an den sich ein Querbau anschloss, welcher wiederum von einem kleinen Anbau abgeschlossen wurde, in dem Sakristei und Treppe zur Kanzel Platz fanden. Die Innere Gestaltung erfolgte dem damals üblichen evangelischen Kirchbau, mit mittigem Altar, über dem die Kanzel hing. Um diese herum wurden die Kirchenbänke angeordnet, ebenso wurde eine dreigliedrige Empore eingebaut.

Am 19. Mai 1823 fand hier die Predigt von Aloys Henhöfer statt, die dieser vor dem Großherzog in Anwesenheit von Johann Peter Hebel halten musste.

Einige Jahrzehnte später entsprach die Kirche aber nicht mehr den gestiegenen Anforderungen der Gemeinde. Sie war zu weit entfernt vom Ortskern und zu klein. Nach Fertigstellung der Auferstehungskirche zog die Gemeinde 1908 aus und überließ die Nikolauskirche mitsamt Mobiliar der wachsenden katholischen Gemeinde.

Diese behielt die evangelische Liturgie-Anordnung zunächst bei und baute sie später teilweise den katholischen Bedürfnissen um. 1936 zog die katholische Gemeinde in die neue Christkönigkirche, so dass die jetzt leerstehende Nikolauskirche, trotzdem dass sie als Denkmal betrachtet wurde, zu verfallen begann.

Das änderte sich, als die Gemeinde als Dank für die nicht erfolgte kriegsbedingte Zerstörung gelobte, jedes Jahr eine Prozession von der Christkönigskirche zur Nikolauskirche zu veranstalten. Dafür musste die alte Kirche passend eingerichtet werden, was schon 1946/47 geschah. Erst jetzt war die Kirche im Innern voll und ganz der katholischen Liturgie angepasst.

Das von Clara Kress entworfene neue Glasfenster wurde in einer Berliner Manufaktur hergestellt. Aufgrund der Berlin-Blockade musste es über die Luftbrücke nach Westen gebracht werden.

Im Zuge der katholischen Liturgiereform wurde das Innere Mitte der 1970er Jahre abermals umgestaltet. Der Altar wurde wieder in die Mitte der Längswand gestellt, die Kirchenbänke durch Stuhlreihen ersetzt, die bogenförmig um den Altar angeordnet wurden. An die Stelle des Altars wurde jetzt der Taufstein positioniert.

Dort, wo sich früher die Kanzel befand, wurde eine von Gudrun Schreiner in Blautönen gehaltene hölzerne Rosette aufgehängt, auf deren Blütenblättern Bezug genommen wird auf die Seligpreisungen der Bergpredigt.

In den 1980er Jahren fand eine umfassende Renovierung der Kirche statt.

Im Jahr 2010 wurde geplant, die Kirche an die Serbisch-orthodoxe Kirchengemeinde zu verkaufen, da der Kirchengemeinde das Geld für eine Instandhaltung fehlte. Der Verkauf schlug jedoch fehl, weil die Gemeinde neben der Kirche auch ein Gemeindehaus mit einer Wohnung für den Pfarrer benötigte. Da sich über 3.000 Rüppurrer Bürger in einer Unterschriftenaktion gegen diese Bebauungspläne aussprachen, unterblieb der Verkauf. In der Folge sammelte ein eigens gegründeter Förderverein „Nikolauskirche Rüppurr“ Geld von Rüppurrer Bürgern, um die Instandhaltungsmaßnahmen finanzieren zu können für Putz- und Malerarbeiten im Innen- und Außenbereich, die Wiederherstellung des Eingangsbereichs und die Erstellung einer Sanitäranlage. Auch eine Erneuerung der Fenster war nötig. Die Kosten für diese Maßnahmen wurden auf 400.000 bis 500.000 Euro veranschlagt. Die katholische Kirche beteiligte sich bislang nicht an der Finanzierung, weil die Seelsorgeeinheit Karlsruhe-Christkönig/-St.-Franziskus bereits über zwei größere Kirchen verfügt.

Im Herbst 2012 begannen die Reinigungsarbeiten im Innenbereich, die vom Förderverein getragen wurden, der rund 100 Mitglieder zählt. Nach der Befreiung der Wände und Decken von Kerzenruß und Staub übernahmen Vereinsmitglieder weitere Reinigungsarbeiten. Das Malergeschäft Blenk und Rottler beteiligte sich an den Arbeiten durch einen unentgeltlichen Einsatz. Der Verein hatte bis Herbst 2012 rund 15.000 Euro für die Renovierung gesammelt und hofft weiterhin auf eine Unterstützung durch das Denkmalamt, für die sich auch der Pfarrer Thomas Ehret der Kirchengemeinde Karlsruhe Alb-Südwest St. Nikolaus einsetzt.

Anfang Dezember 2013 wurde das Patroziniumsfest im frisch sanierten Innenbereich des Gotteshauses gefeiert, ein halbes Jahr später waren die zwei historische Grabplatten gereinigt und im Innern der Kirche angebracht. Im Mai 2016 begann die Außensanierung.

Lage

Nikolauskirche
Rastatter Straße 20
76199 Karlsruhe

Dieser Ort im Stadtplan:

(H)  nächste Haltestelle: Ostendorfplatz   

Weblinks

Fußnoten

  1. http://www.christkoenig-rueppurr.de/gottesdienste/ Stand 2007-12-02