Handschriftensammlung

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Die Handschriftensammlung ist ein Kulturgut, das in der Badische Landesbibliothek lagert und deren Eigentumsverhältnisse seit der Abdankung des Staatsoberhauptes 1918 bzw. Bildung der Republik Baden 1919 ungeklärt sind: Es ist in der Öffentlichkeit und unter Rechtsgelehrten umstritten, ob das Haus Baden oder der Staat - in der Nachfolge der Republik Baden seit 1952 vertreten durch das Land Baden-Württemberg - Eigentümer der Sammlung sei.

Inhaltsverzeichnis

Inhalt der Sammlung

Die Sammlung besteht aus Papieren und Pergamenten, die nach dem 10. Jahrhundert entstanden sind.

Zu den Werken gehören

  • ein Festevangelistar um 1200 (siehe Bild)
  • Konrad von Grünenberg: Beschreibung der Reise von Konstanz nach Jerusalem (siehe Bild)
  • ein Buch von Raimundus Lullus (Spanien)
  • hebräische Schriften aus der Sammlung Reuchlin, die dieser der Stadt Pforzheim vererbte.
  • das badische Tulpenbuch

Bilder

Festevangelistar um 1200 (Pergament)
Festevangelistar um 1200 (Pergament)
Konrad von Grünenberg: Beschreibung der Reise von Konstanz nach Jerusalem (Bodenseegebiet 1487)
Konrad von Grünenberg: Beschreibung der Reise von Konstanz nach Jerusalem (Bodenseegebiet 1487)

Verkauf

Aktualität gewinnt die Frage nach dem Eigentum dadurch, dass es Bestrebungen gibt, die Sammlung zu verkaufen, um die Rettung des Klosters Salem zu gewährleisten.

Am 5. Oktober 2006 zitierte der SWR FDP-Landtagsfraktionschef Ulrich Noll, dass die Handschriften nicht für die Sanierung Salems verkauft werden, sondern stattdessen andere Kunstwerke. Die Originalmeldung über das Spitzentreffen besagt, dass noch nichts entschieden ist, ein Verkauf ist also möglich. (siehe Weblinks: Meldungen vom 5. Oktober)

Standpunkt der Landesregierung

Die Landesregierung unter Ministerpräsident Oettinger steht auf dem Standpunkt, dass die Sammlung Privateigentum des Hauses Baden sei und nicht dem Land Baden zugefallen sei, infolgedesen auch jetzt das Land Baden-Württemberg keinen Anspruch darauf habe. Der Herausgabeanspruch des Hauses Baden bestehe zu Recht. Die Landesregierung beabsichtigt daher diesem nachzukommen ohne den Rechtsweg zu bemühen.

Am 30. September 2006 hat die Landesregierung Baden-Württemberg gegenüber der FAZ eingeräumt, dass ihr Gutachten vorliegen, denen zufolge das Land im Streit mit dem Haus Baden eine entschieden stärkere Rechtsposition einnehmen könnte, als sie die Regierung bislang öffentlich vertreten hat.

Gegenstandpunkt

Dem Standpunkt des Ministerpräsidenten widersprechen andere Rechtsgutachten und Juristen wie Prof. Mußgnug und Mitglieder des Landtages. Zudem geht es um teils einmalige Kulturgüter nationaler Bedeutung, die mit einem Verkaufsverbot ins Ausland belegt werden können.

Der Bundestags-Kulturausschuss unter Vorsitz von Hans-Joachim Otto beschäftigt sich mit dem möglichen Verkauf, das Kanzleramt lässt nach einem Bericht des Nachrichtenmagazins «Der Spiegel» prüfen, ob die Bundesregierung ein Exportverbot beantragen soll.

Veranstaltungen

Radiosendung

Handschrift von Lullus
Handschrift von Lullus
SWR2 Forum
Donnerstag, 28. September 2006, 17:05 Uhr
Mein Erbe, mein Schloss, meine Verantwortung – Der Handschriftendeal zwischen dem Haus Baden und dem Land Baden-Württemberg
Gesprächsleitung: Eggert Blum
es diskutierten:
Dr. Klaus Graf, Historiker und Archivar, Universität Freiburg;
Prof. Reinhard Mußgnug, ehem. Ordinarius für Öffentliches Recht, Universität Heidelberg;
Dr. Hans-Jürgen Vogt, Mitglied im Vorstand der Badischen Bibliotheksgesellschaft, kulturpolitischer Sprecher der CDU im Gemeinderat von Karlsruhe;
mehr Infos beim SWR Als MP3 zum Download

Der SWR hatte versucht, für dieses Forum Bernhard Prinz von Baden und Vertreter der beteiligten Landesministerien zu bekommen, diese haben allerdings alle abgesagt.

Vortrag

Vom markgräflichen Sammeleifer zur staatlichen Erwerbungspolitik 
Zur Geschichte der Badischen Landesbibliothek (BLB)
Redner: Dr. Peter Michael Ehrle, Direktor der BLB
Ort: Stephanssaal, Ständehausstraße, Karlsruhe
Donnerstag, 28. September 2006 ab 19:30 Uhr, Eintritt frei
Ein Vortrag im Rahmen 200 Jahre Baden - Freiheit Verbindet der Landesvereinigung Baden in Europa
Im Rahmenprogramm wurden zwei Exponate der Sammlung gezeigt (siehe Bilder).

Tag der offenen Tür

Samstag, 21. Oktober, 10 - 17 Uhr 
Tag der offenen Tür in der BLB
mit Präsentation von Orginalen aus der Sammlung
Wiederholung des Vortrags von Dr. Ehrle vom 28. September (siehe oben)
Details siehe Weblinks

Unterschriftensammlung

Die Landesvereinigung Baden in Europa sammelt Unterschriften gegen den Versuch, die wertvolle Handschriften aus dem Bestand der Badischen Landesbibliothek zu verkaufen. Der Verkauf soll die Rettung des Klosters Salem gewährleisten. Die Landesvereinigung Baden fordert, dass dafür Mittel aus den Erträgen der Landesstiftung, die nach ihren Angaben zu einem wesentlichen Teil aus dem Verkauf der badischen Gebäudeversicherung mit 900 Millionen DM und den Aktien des Badenwerkes mit 3,5 Milliarden DM (zusammen rund 2.250 TEUR) bestehen sollen, aufgebracht werden.

Die Landesvereinigung hat hierzu über 20210 Unterschriften gesammelt und in Stuttgart übergeben.

Literatur

  • DER SPIEGEL (40/2006) - 02.10.2006 (5941 Zeichen): KULTURPOLITIK : Unter den Hammer (online nur kostenpflichtig, Zusammenfassung: Länder und Kommunen entdecken die Kunstschätze aus Museen und Archiven als stille Reserve zum Stopfen von Haushaltslöchern.)
  • BLB-Kalender 2008 mit Handschriftenbildern

Weblinks

Allgemein

Meldung vom 5. Oktober

Meldung vom 10. Oktober

Meldung vom 13. Oktober

Meldung vom 11. November

Meldung vom 22. November

Für einen Verkauf

Gegen einen Verkauf

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