St. Michael (Wintersdorf)

Aus dem Stadtwiki Karlsruhe:
Wechseln zu:Navigation, Suche
Die Kirche von außen

Die katholische Kirche des Rastatter Ortsteils Wintersdorf ist dem St. Michael geweiht. Sie gehört zur Pfarrgemeinde St. Michael (Wintersdorf).

Geschichte

Für das Jahr 800 ist eine hölzerne Kirche urkundlich erwähnt. Sie gehörte zum Kloster Losch und war dem heiligen Nazarius geweiht. Deren nächste urkundliche Nennung stammt aus dem Jahr 1371. Über den Standort ist nichts bekannt, ebensowenig ist baulich etwas von dieser Kirche erhalten.

Der älteste erhaltene Teil der heutigen Kirche ist der Turm. Dieser entstand im 15. Jahrhundert zeittypisch als Wehrturm. Für die Zeit um 1604 sind Reparaturarbeiten an der Kirche belegt. Am 30. August 1689 brannte der Dachstuhl der Kirche als Folge des Pfälzischen Erbfolgekriegs aus, der in der Folgezeit witterungsbedingt einsetzende Verfall schadete dem Mauerwerk zusätzlich. Von den drei Glocken überstand nur die Kleinste den Brand. Beim Wiederaufbau gab es hinsichtlich des Turmes Differenzen zwischen kirchlicher und staatlicher Seite, da die Glocken Gemeindeeigentum waren, der Turm aber an die Kirche angebaut war. Schlussendlich übernahm die politische Gemeinde die Kosten für den Turm. Bis 1712 war der Wiederaufbau vom Glockenstuhl abgesehen abgeschlossen. Dieser entstand erst 1725 und wurde mit zwei bereits 1699 in Straßburg gegossenen Glocken bestückt. Diese wurden 1729 und 1759 umgegossen.

Ab 1741 wurden Stimmen laut, dass die Kirche reparaturbedürftig sei. Besonders der Turm war in einem bedenkenswerten Zustand. Kostenvoranschläge und Pläne wurden erstellt, danach geschah einige Zeit nichts. Auch ein 1754 erstellter Plan wurde nicht umgesetzt. Erst 1765 wurde mit neuen Plänen, erstellt und umgesetzt durch den Rastatter Zimmermeister Fleißner, mit den Bauarbeiten begonnen. Der Turm wurde um 5,70 Meter erhöht, so dass er mit der neuen Zwiebelhaube eine Gesamthöhe von 35 Metern erreichte. Die Mauererarbeiten wurden durch den aus Iffezheim stammenden Meister Schuler durchgeführt. 1779 wurde das Geläut um eine neue, in Straßburg gegossene Glocke ergänzt.

1790 erhielt die Kirche eine vermutlich gebrauchte Orgel aus der Hand des Rastatter Hoforgelbauers Ferdinand Stieffell.

Als die Gemeinde wuchs, wurde die Kirche schnell zu klein. Viele Gottesdienstbesucher wohnten der Messe trotz vorhandener, aber baufälliger Empore auf dem Friedhof bei. Dem im September 1819 eingebrachten Gesuch nach Neubau des Langhauses wurde relativ schnell stattgegeben. Planung und Entscheidungsprozess erfolgten allerdings in Karlsruhe ohne Einbindung örtlicher Vertreter. So wurde zwar am 15. März 1821 mit den Bauarbeiten begonnen, aber schon kurz danach begannen die Beschwerden. Die Gestaltung und Ausführung wurden als völlig unzweckmäßig betrachtet, die Kosten für die Instandsetzung wurden 1858 auf 7.000 Gulden geschätzt, was kaum weniger war als der eigentliche Bau zuvor gekostet hatte.

Auch ein von der großherzoglichen katholischen Bauinspektion erstelltes Gutachten stellt den völlig unzureichenden Zustand des Gebäudes fest, der in vielerlei Hinsicht eine Fehlkonstruktion war.

Die Bauarbeiten begannen kurz danach und wurden von Zimmermeister Richard Leopold aus Kuppenheim und Maurermeister Anton Bauer aus Rastatt durchgeführt. Es wurde ein Chor errichtet (der bislang komplett gefehlt hatte) dazu kam eine Sakristei, eine Paramentenkammer. Die zweitstöckige Empore, dessen Gestaltung auch die 1822 erbaute neue Stieffell-Orgel angepasst worden war, wurde entfernt. Drei neue Altäre wurden eingebracht (wobei das 1828 von Wendelin Moosbrugger geschaffene Hochaltarbild erhalten blieb), eine gebrauchte Kanzel wurde aus Weisenbach übernommen. Auch die übrige Einrichtung wurde getauscht.

Die nächsten Baumaßnahmen betrafen die Fenster: Sie wurden zwischen 1904 und 1906 schrittweise eingebracht, parallel dazu wurde das Dach instandgesetzt. Die Fenster zeigten:

  • Den Erzengel Michael (links des Hauptaltares)
  • Die Himmelfahrt Marias
  • Die Salbung Jesu im Haus des Simeons (über dem Beichtstuhl auf der Westseite)
  • Jesus, der gute Hirte
  • Moses mit den Gebotstafeln

1910 stand der Kauf einer neuen Orgel zur Debatte. Verschiedene Angebote wurden eingeholt, am Ende wurde die Stieffell-Orgel, die laut Gutachten in einem guten Zustand war, lediglich von der Firma Voit Instand gesetzt. Am 5. März 1917 müssen die 29 Zinn-Prospektpfeifen zu Kriegszwecken zwangsweise verkauft werden. Sie werden 1932 durch die Firma Voit ersetzt.

1920 erhielt die Kirche ein neues, dreiglockiges Geläut von der Firma Bachert. Das alte, 1866 angeschaffte, war dem Ersten Weltkrieg zum Opfer gefallen.

1942/43 wurden trotz der kriegsbedingten Einschränkungen (zeitgleich mussten die Glocken zu Kriegszwecken abgegeben werden) umfassende Umgestaltungs- und Renovierungsmaßnahmen durchgeführt. Aus Rastatt kamen die Gebrüder Wagenbrenner, die große Deckengemälde schufen. Ihr Werk zeigte unter anderem eine Gruppe Jugendlicher mit einer Kirchenfahne – eine deutliche Provokation gegenüber den Nationalsozialistischen Machthabern, die allerdings folgenlos blieb. Ergänzt wurde die Umgestaltung durch künstlerische Stuckarbeiten an Decke und Bilderrahmen aus der Hand des Freiburger Künstlers Weißburger. Neu gebaut wurde nach längerer Diskussion auch die die Orgel. Unter Verwendung weniger Bauteile des alten Instruments, das erst fünf Jahre zuvor elektrifiziert worden war, baute die Durlacher Firma Heß eine neue Orgel, die, wie sich bald zeigte, von sehr minderwertiger Qualität war. Auch die Seitenaltäre wurden umgestaltet. Die darin integrierten Gemälde, die Maria und den Erzengel Michael zeigen, wurden entfernt und durch eine Josefs- und eine alternative Mariendarstellung ersetzt.

Das neue Geläut, dass nach dem Krieg durch eine Spende der Rastatter Metallhütte Fahlbusch sowie aus Rohmaterial, dass man am Westwall sammelte, zustande kam, umfasst vier Glocken mit der Disposition f´, a´, c´, d´, was den Choral „Salve Regina“ entspricht. Die Glocken sind allesamt mit Bildern des Kunstmalers Gerstners und einem Sinnspruch versehen.

Auch in den folgenden Jahrzehnten hielt die Bautätigkeit an: 1954 erhielt die Kirche eine Ölheizung und eine größere Sakristei. 1959 bis 1961 wurde dann wieder grundlegend umgestaltet:

Die Fenster wurden wieder entfernt, die Heizung auf den aktuellen Stand der Technik gebracht, neue Kirchenbänke wurden ein- sowie ein neuer Außenputz angebracht. Zum Schluss wurde statt dem Schieferdach des Turms ein Kupferblechdach angebracht. Die Turmkugel erhielt eine Vergoldung und das Kreuz eine Restaurierung.

1970 wurde als Folge des 2. Vatikanischen Konzils ein neuer Altar eingebracht. Diese wurde im Zuge einer umfassenden Renovierung der Kirche zwischen 1988 und 1994 wieder entfernt, da er zu Ostern 1993 durch einen neuen Hochaltar ersetzt wurde. Er wurde, wie auch der neue Ambo, von Michael Steigerwald-Gesell aus Steinach entworfen.

Am 26. November 2017 erhielt die Kirche eine komplett neue Orgel, welche zu Preis von etwa 300.000 Euro angeschafft wurde. Finanziert wurde das Instrument aus Gemeindeeigenen Rücklagen sowie aus Spendengeldern.

Bilder

Lage

Dieser Ort im Stadtplan: