Otto Oppenheimer

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Informationsschild am Otto-Oppenheimer-Platz

Otto Oppenheimer (geb. 7. September 1875 in Bruchsal, gest. 8. Februar 1951 in New York, USA) war ein jüdischer Tuchgroßhändler in Bruchsal.

Leben

Otto Oppenheimer kam am 7. September 1875 in Bruchsal als siebtes und letztes Kind seiner Eltern Louis Oppenheimer, gebürtig aus Michelfeld und dessen Frau Berta, geborene Bär, aus Untergrombach, auf die Welt.

Zu diesem Zeitpunkt wohnte die Familie in der Hauptmarktstraße 76. Die Beschneidung fand in der Bruchsaler Synagoge statt.

Als Otto Oppenheimer sieben Jahre alt war, starb seine Mutter.

Am 6. Mai 1901 heiratete er die aus Rottweil stammende Emma Waelder (1878-1970). Sie war die Schwester der Ehefrau seines Bruders Jacob.

Im Januar 1903 wurde die erste Tochter geboren, eine zweite folgte drei Jahre später.

Ende August 1915 wurde er zum Kriegsdienst eingezogen. Im Rang eines Gefreiten war er zunächst im Landsturm-Bataillon Ettlingen, später beim Nachschubbataillon 14 eingesetzt. Im Laufe des Krieges erhielt er das Preußische Verdienstkreuz.

Anfang der 1920er Jahre freundete er sich mit dem Künstler Karl Hubbuch an. Oppenheimer kaufte einige seiner Werke und finanzierte die zweite Berlinreise des Malers. Auch entstanden für Oppenheimer einige Auftragsarbeiten durch Hubbuch, darunter ein Aquarell anlässlich der Hochzeit von Suse Oppenheimer und Max Ettlinger.

Im Laufe der Zeit hatte Oppenheimer eine Sammlung von über 1000 Exlibis angelegt, die er teilweise dem Bruchsaler Kunstverein zur Ausstellung überließ. Teilweise ließ er auch Exlibis für sich anfertigen. Die älteste bekannte entstand 1910. Neben vielen anderen Künstlern erhielten auch Karl Hubbuch und Helmuth Eichrodt Aufträge für Exlibris.

Zur Finanzierung seiner Ausreise in die USA musste Otto Oppenheimer die Sammlung teilweise verkaufen, der Großteil der Sammlung blieb jedoch erhalten.

Beruflicher Werdegang

Nach der Volksschule besuchte er zunächst das Bruchsaler Gymnasium. In der 9. Klasse brach er dies jedoch, auch aufgrund antisemitischer Äußerungen eines Lehrers, ab. Er begann ab April 1891 eine Ausbildung bei einem Textilhandel in Würzburg. 1893 setzte er die Ausbildung in Aachen fort und begann im selben Jahr im Betrieb seines Vaters, der Louis Oppenheimer OHG zu arbeiten.

Im Oktober 1901 wurde er Teilhaber dieser Firma. 1908, nachdem sein Vater gestorben war und Jacob und Otto Oppenheimer die alleinigen Teilhaber waren, übernahm er die Führung der neu gegründeten Berliner Vertretung der Tuchgroßhandlung. Nach deren Auflösung in Folge des Ersten Weltkriegs und geleistetem Militärdienst setzte er die Arbeit im Tuchgroßhandel von Bruchsal aus fort.

Engagement im Bruchsaler Vereinswesen

Oppenheimer war wie sein Bruder Jacob in zahlreichen Bruchsaler Vereinen aktiv. Unter anderem war er Vorstand im Schachclub. 1923 war er Mitbegründer des städtischen Kunstvereins. Zudem war er ehrenamtlicher Beirat der Bruchsaler Strafanstalten.

Um 1900 begann er lyrische Texte zu verfassen. Anlass war ein Preisausschreiben der GroKaGe , zu welchem er das Gedicht „Ferdinand“ beisteuerte. Nachdem er mit diesem Text den Wettbewerb gewann, setzte er seine schreiberischen Bemühungen fort. Der Pokal, den Oppenheimer gewann, befindet sich heute im Städtischen Museum

Eines seiner bekanntesten Lieder wurde das Lied vom Brusler Dorscht, laut Oppenheimers Aussage erst sein dritter selbstverfasster Text. Die Erstaufführung des Liedes erfolgte am 27. April 1901 im „Hotel Keller“ wo er seinen Junggesellenabschied feierte.

In der GroKaGe war Oppenheimer am Aktivsten. Er gehörte dem „Kleinen Rat“ und dem „militärischen Ministerium“ (heute „Elferrat“) an. Im Lauf der Jahrzehnte entstanden zahlreiche weitere Texte, zum Teil direkt zur Veröffentlichung gedacht, zum Teil aus privaten Anlässen verfasst. 1911 wurde die „Festschrift zum hundertjährigen Bestehen des Vereins „Milizenkasse“ in Bruchsal“ veröffentlicht. In diesem Verein war Oppenheimer selbst Mitglied.

Druck durch die Nationalsozialisten und Ausreise

Im April 1933 wurde Otto Oppenheimer mit anderen Juden und Kommunisten zur öffentlichen „Säuberung“ gezwungen, als sie unter Beschimpfungen aus der Bruchsaler Bevölkerung Wände von „Schmutz“ reinigen mussten.

Im Oktober 1938, nach dem Verkauf der Tuchgroßhandlung, zog das Ehepaar Oppenheimer nach Baden-Baden. In der Kaiser-Wilhelm-Straße 11 fanden sie eine Wohnung und konnten bis zur Reichspogromnacht unbehelligt leben. Die in dieser Nacht angeordnete Deportation nach Dachau entkam das Ehepaar nur, weil es über 60 Jahre alt war und deswegen nicht vom Deportationsbefehl betroffen war.

Am nächsten Tag gelang ihnen die Flucht in die Schweiz wo sie aufgrund ihrer erklärten Absicht, in die USA auszuwandern befristete Aufenthaltsgenehmigung erhielten. Im Dezember 1941 erhielten sie schließlich das Visum für die Vereinigten Staaten, nachdem sie ein halbes Jahr in Kuba bleiben mussten.

Zunächst fanden sie Unterkunft in New Jersey, 1946 bezog das nun weitgehend mittellose Ehepaar eine Wohnung am Henry Hudson Parkway in der Bronx, New York, wo auch eine Tochter mit ihrem Mann wohnte. Mit Schach-Rätselaufgaben, die er gegen ein kleines Honorar in Zeitungen veröffentlichen konnte, besserte er sein geringes Einkommen etwas auf.

Otto Oppenheimer hielt von den USA aus durch Briefe Kontakt mit alten Bruchsaler Freunden wie Friedrich Holoch und Karl Hubbuch. Er starb am 8. Februar 1951 an einem Herzschlag in seiner Wohnung in Bronx und wurde am nächsten Tag auf dem Cedar Park Friedhof in Paramus, New Jersey, beerdigt.

Trivia

Harry Ettlinger war ein Enkel Oppenheimers: Der Sohn seiner Tochter Suse Oppenheimer.

Werke

(Auswahl)

  • Brusler Dorscht
  • „Zehn kleine Meckerlein” - Eine zeitgemäße Umdichtung von „Zehn kleine Negerlein” aus dem Dritten Reich. [1]
  • „Was stelzt uff dem Dach dort” [2]
  • „Zur Gymnasiumsfeier” [3]
  • „Louis Oppenheimer, geb. 8. October 1831, gest. 5. Mai 1907, ein Brief an dessen Urenkel anlaesslich der 100jaehrigen Wiederkehr seines Geburtstages 8. October 1931”, Online unter [1]

Literatur

Ehrungen

Die Große Karnevalsgesellschaft Bruchsal 1879 setzte sich 2010 und 2011 erfolglos dafür ein, dass der in Bruchsal neu entstehende Platz zwischen Stadtkirche, Rathausgalerie und Sparkasse nach Otto Oppenheimer benannt wird.[4]

Am 19. April 2011 hat der Bruchsaler Gemeinderat beschlossen den bisherigen Holzmarkt in Otto-Oppenheimer-Platz umzubenennen.[5]

Weblinks

Fußnoten