Poseidon (Band)

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Info-Blatt

Poseidon aus Karlsruhe spielten progressiven Rock mit symphonischen Bestandteilen.

Biographie

Gründung

Ihre Vorläufer waren die 1967 von Axel Fischer gegründeten "Prussic Acid". In der Besetzung Axel Fischer (Gitarre, Gesang) Rolf Meyer (Bass, Gesang) Peter Fuchs (Schlagzeug) und Tony Mahl (Keyboard).

Tony Mahl spielte schon von Kindesbeinen an Klavier, hatte jahrelangen Unterricht daran bekommen und sich später am Konservatorium weitergebildet. Einflüsse nahm er von Brian Auger und Jimmy Smith auf, auch etwas von Keith Emerson. Rudi Metzler am Schlagzeug kümmerte sich nebenher um das Geschäftliche.

Sein Bruder Theo Metzler übernahm die Gitarre, der Straßenmusiker Horst Meinzer mit seiner unverkennbaren heiseren Stimme den Gesang, den Baß und die akustische Gitarre. 1974 führten innere Spannungen zur Teilung, und plötzlich gab es "Prussic Acid" gleich zweimal. Die eine Ausgabe spielte mit Tony Mahl und den Metzler-Brüdern, die andere mit Horst Meinzer, jeweils ergänzt durch neue Leute. Doch dieser unhaltbare Zustand währte nicht lange. Man raufte sich wieder zusammen, nannte sich von nun an Poseidon und verstärkte sich ab Februar 1975 mit Wilfried Sahm als zweitem Gitarristen und Sänger, der von der Musikhochschule kam und vorher bei der Politrockgruppe Checkpoint Charlie gespielt hatte.

Die üppige Anlage betreute Günther Buchwald. Für den Gesang wählte man die englische Sprache, da sie fließend ist und ihr Klang gut mit der Stilrichtung vereinbar ist. In einem Faltblatt, das sie damals herausbrachten, heißt es: Getragen von klaren, aus-gefeilten Baß- und Schlagzeugkombinationen, ergänzen sich zwei Gitarren sowie Orgel, Synthesizer und Piano zu einer einfallsreichen Gruppe mit exakt arrangierten, melodiösen Stücken. Durch das umfangreiche Instrumentarium, welches durch einen oft mehrstimmigen Gesang ergänzt wird, gelingt es den fünf Musikern, sich ständig zu steigern, um gemeinsam mit einer eindrucksvollen Lightshow einen perfekten Stage-Act zu bieten. Poseidon besticht sowohl durch das nahezu virtuose Können jedes einzelnen als auch durch die geschlossene Interpretation ausschließlich selbst komponierter Stücke.

Aus dem Wechselspiel von elektrischen und akustischen Gitarren sowie den Keyboards ergibt sich ein weicher, einfühlsamer Rock, in welchem Blueseinflüsse deutlich werden. Die große Erfahrung und Professionalität der Musiker wird verständlich, wenn man weiß, dass die Gruppe in einer alten Tabakfabrik unweit Karlsruhe wohnt und dort unter liveähnlichen Bedingungen ihre Proben gestaltet

Ihre Auftritte führten Poseidon bis nach Frankreich und Belgien, u.a. als Vorgruppe von Brian Auger und Inga Rumpf. Jedenfalls waren sie wie auch vorher schon Prussic Acid damals die bekannteste und beste Gruppe Karlsruhes, deren guter Ruf weit ins Umland ausstrahlte. So lag es nahe, den nun auch mit einer Plattenveröffentlichung zu untermauern.

Posseidon - Found my way

LP

Im Herbst 1975 ging man ins Tonstudio Zuckerfabrik im Stuttgarter Ortsteil Bad Cannstatt und nahm dort sechs selbstgeschriebene Stücke auf, die man kurz darauf als LP "Found my way" (Z 33010) im Selbstverlag in einer Auflage von 1.000 Stück herausbrachte.

Die Hülle wurde von Werner Kühn gestaltet, einem Freund der Gruppe. Gemäß ihrem hohen Anspruch ließ man sich auf keine Halbherzigkeiten ein und machte 16.000 Mark für das Ganze locker, damals sehr viel Geld. Dafür mußte man sich hoch verschulden. Die fertige Platte verschickte man an zwei große Labels, um sie dort vielleicht unterbringen zu können. In einem wohlwollenden Antwortschreiben von Metronome-Manager Hartwig Biereichel an Horst Meinzer vom 10. November 1976 heißt es unter anderem: „In der letzten Zeit ertappe ich mich immer häufiger dabei, daß Eure LP mehrere Male täglich auf meinem Plattenteller liegt und ich immer mehr Gefallen an Eurer Musik finde.“

Trennung

Doch dieser vielversprechende Ansatz brachte nicht den erhofften Durchbruch, denn schon kurz vorher hatten Poseidon sich aufgrund von Meinungsverschiedenheiten aufgelöst, als erst die Hälfte der LP-Auflage verkauft war.

Die Metzler-Brüder hatten so weitermachen wollen wie bisher, während Tony Mahl und Horst Meinzer eine Erweiterung durch Bläser und mehrstimmigen Gesang im Auge hatten. Die schon immer vorhandenen Spannungen innerhalb der Gruppe haften sich bisher eher schöpferisch anregend ausgewirkt, doch nun war die Grenze erreicht. Oder, wie sie es selbst ausdrückten: Um das musikalische Ziel zu erreichen, wurde oft heftig gerungen; das führte manchmal zu Spannungen. Daraus folgt auch, dass die Gruppe immer nach Besserem suchte — bis zur Auflösung. Zu Beginn der neunziger Jahre wandte sich das bekannte französische Musea-Label wegen einer Neuveröffentlichung von „Found my way“ an Poseidon, doch die Verhandlungen verliefen nach längerer Zeit im Sande.

Im Juni 2005 trafen sich die Musiker für eine Reunion und wurden bei zwei Konzerten im Rock Shop und in der Roten Taube gefeiert.

Am 17. Oktober 2010 haben sie ein Abschiedskonzert für die Rote Taube gegeben.

Weiteres Musikerleben

Alle fünf machen heute noch Musik. Theo Metzler betreibt ein Tonstudio und macht die Beschallung für Chaka Khan, mit der er fast ständig unterwegs ist. Seinem Bruder Rudi gehört der Rock Shop in Karlsruhe, er spielt in der Band Abyzz und jammt regelmäßig mit Rainer und Stefan Lange von Trigon. Wilfried Sahm ging nach seiner Zeit bei Poseidon wieder zurück zu Checkpoint Charlie, mit denen er die LPs "Frühling der Krüppel" (D 1978: Schneeball 2015), "Checkpoint Charlie" (D 1979: Schneeball 2019) und "Krawall im Schweinestall" (D 1981: Schneeball 0024) veröffentlichte. Heute arbeitet er als Musiklehrer. Tony Mahl ist ebenfalls Lehrer am Gymnasium Neureut, leitet die dortige Schulband und tritt oftmals mit verschiedenen Combos auf. Horst Meinzer spielt mit seiner Gruppe "Bosco Biati" und verkauft in seinem Karlsruher „Weinparadies“ hochgeistige Getränke. Wer gerne ein Gläschen mit ihm schlürfen will, ist herzlich dazu eingeladen.

Pressestimmen

The crack in the cosmic egg

Zum Schluß noch zwei Stimmen zu Poseidon. Während die Gruppe in Dag Erik Asbjornsens "Cosmic dreams at play" überhaupt nicht erwähnt ist, heißt es in "The crack in the cosmic egg" von Steven und Alan Freeman (Leicester 1996) lediglich: Rätselhafte Hardrockgruppe, offenbar mit Raumklängen nach Art von Pink Floyd.

BNN

Eine ausführliche Besprechung ihrer LP fand sich damals in den Badischen Neuesten Nachrichten in der Abteilung Platten-Box. Auszüge:

Wenn sich jemand in Karlsruhe für Rock-Musik interessiert, dann muß er die Gruppe Poseidon kennen. Denn dieses Quintett ist so eng und so lange schon mit dem Geschehen in Sachen Rock in der Fächerstadt verbunden, daß man geradezu sagen möchte: Die Karlsruher Rock-Szene, wenn es so etwas überhaupt gibt, ist Poseidon.

Schon sieben Jahre lang betreiben sie ihr Hobby ernsthaft, ohne sich von Tagestrends allzu stark beeinflussen oder gar ablenken zu lassen. Deshalb mag manches, was sie jetzt auf ihrer ersten Langspielplatte veröffentlicht haben, ungewohnt klingen, schlecht ist es deshalb aber gerade nicht: Schon daß da nur auf Englisch gesungen wird, mag heute, da jeder zweizeilige deutsche Kalauer Hitchancen hat, fast altmodisch wirken. Es ist deshalb auch durchaus angemessen, ihren LP-Titel „Found my way“ als Anspruch zu verstehen. Poseidon macht tatsächlich eine eigenständige Musik, ohne sich in kurzlebigen Modephasen auszutoben. Ihre durchweg selbstkomponierten Stücke kann man wohl am ehesten als Rock-Balladen bezeichnen. Sie sind rockig, d.h. mit einem kompromißlosen Viervierteltakt unterlegt, und doch balladesk, also stimmungsvoll, da handwerklich sauber aufgebaut und manchmal raffiniert arrangiert.

Überhaupt ist auszumachen, daß sich die Gruppe auf ihr solides technisches Können verläßt, ihre Möglichkeiten souverän ausnutzt, es aber nicht durch unkontrollierte musikalische Saltos überstrapaziert. So entstand eine abwechslungsreiche, spannungsgeladene Platte. Nicht nur Karlsruher Rock-Freunden sei sie empfohlen. Als Amateure haben es die Poseidon-Musiker schwer, sich den Marktgesetzen zu unterwerfen. Sie vertreiben ihr Opus im Selbstverlag. In ihre Produktion hat ihnen dafür niemand reingeredet.

Besetzung

  • Theo Metzler: Gitarre, Bass, Percussion, Vocals
  • Horst Meinzer: Vocals, Bass, Gitarre
  • Tony Mahl: Keyboards
  • Rudi Metzler: Drums
  • Wilfried Sahm: Gitarre

Weblinks