Marion Mahler

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Die Karlsruherin Marion de Jonge (geboren als Marion Mahler) konnte 1939 aus Karlsruhe der Judenverfolgung entgehen.

Leben bis 1939

Marion Mahler wird 1927 in Karlsruhe als Tochter der Käthe Mahler (geb. Altstädter, später Kaete Mahler) und des Heinrich Mahler (1891–1965 später Henry Mahler) geboren.

Sie wächst im Elternhaus in der Weinbrennerstraße 15 auf. Anfangs zusammen mit ihrem Bruder Max Mahler (* 1924), der an einer Mandelinfektion 1930 stirbt und auf dem Hauptfriedhof beerdigt ist. Dort sind auch die Gräber der Großeltern Frieda und Max Mahler.

Der Vater ist zusammen mit ihrem Onkel Siegmund Löwenthal (Loewenthal?) in der Recylingbranche mit einem Lumpen- und Eisengeschäft selbstständig.

Marion besucht die Gutenbergschule und ihre Eltern bemühen sich ihr auch nach 1933 eine relativ normale Kindheit zu ermöglichen.

Nachdem der Vater bereits zweimal von der Gestapo verhaftet und ins KZ Buchenwald gebracht wurde, bekommt die Familie Mahler im Februar 1939 eine Woche Zeit, das Land zusammen zu verlassen, und flieht nach Palästina, von dort dann im Oktober weiter per Schiff Richtung USA. Im Mittelmeer wird das Schiff, auf dem die Familie reist, von einem britischen Kriegsschiff angehalten, und alle deutschen Männer – auch Max Mahler – werden auf dem Kriegsschiff kontrolliert. Hier ist das "J" im deutschen Ausweis des Vaters erstmals ein Segen, die Familie darf die Reise fortsetzen und kommt am 9. November 1939 in den USA an.

Leben nach 1939

Nach der Ankunft in Amerika kommt Marion Mahler zu ihrer Tante nach Baltimore und besucht bereits ab 10. November 1939 erstmals wieder eine reguläre Schule. In Amerika lernt sie den aus Frankfurt am Main geflohenen Curt de Jonge (* 1922) kennen, den sie heiratet, und mit dem sie zwei Töchter hat.

Erst 1959 besucht Marion de Jonge ihre Heimat (where you come from) wieder, zuhause fühlt sie sich längst in Amerika. Es folgen weitere private Besuche, im Jahr 1988 besucht sie Karlsruhe erstmals auf Einladung der Stadt Karlsruhe.

2006

1988 hatte sie bei einem Empfang der Stadt Karlsruhe ihren damaligen Klassenkameraden Paul Niedermann getroffen, mit dem sie zusammen auf die Gutenbergschule ging. Am 21. Juli 2006 besuchte sie Karlsruhe wieder privat, diesmal mit ihrer Familie, um dieser zu zeigen, wo sie herkommt. Neben diesem Empfang im Rathaus, besuchte sie das Grab ihres Bruders auf dem Hauptfriedhof und sah sich das Elternhaus in der Weinbrennerstraße 15 an, das sich äußerlich nicht sehr verändert hat.

Ein besonderes Geschenk der Stadt Karlsruhe erhielt Frau de Jonge an diesem Tag, denn die Stadt half ihr dabei, eine nichtjüdische Freundin wiederzufinden, zu der sie seit 1939 keinen Kontakt mehr hatte, und es gab nach 67 Jahren ein Wiedersehen bei einem Abendessen.