Kloster Gottesaue

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Das Kloster Gottesaue war ein Kloster der Benediktiner an der Stelle des heutigen Schlosses Gottesaue. Es bestand von 1094 bis 1556. Reste oder Ruinen des Klosters sind nicht erhalten geblieben, da das Gelände nach dessen Aufhebung erneut bebaut wurde.

Geschichte

Das Kloster wurde 1094 von Berthold, Graf von Hohenberg, Graf im Pfinzgau und seiner Frau Luitgard aus dem Hause der Reginbodonen gestiftet. Die Klosterstiftung verfolgte den Zweck, die eigene Grundherrschaft zu sichern und sollte den Stiftern und deren Nachfahren als Grablege dienen. Darüber hinaus erhofften sich die Stifter ihr Seelenheil, da die Stifter sowie ihre Vor- und Nachfahren weit über ihren Tod hinaus von den Mönchen in den Fürbittgebeten Erwähnung finden sollten, was auch in der Stiftungsurkunde festgelegt wurde.

Das Kloster wurde im Lußhardter Wald von zwei Benediktinermönchen des Klosters Hirsau aufgebaut. Die Klosterkirche wurde im Jahr 1103 in Anwesenheit des Grafen geweiht. Dabei wurde auch der erste Abt des Klosters mit dem Namen Gebhard eingesetzt. Gegen Ende seines Lebens trat Berthold selbst als Mönch in das Kloster ein und verstarb dort am 3. März 1110.

In der Stiftungsurkunde Kaiser Heinrichs V. vom 16. August 1110, genannt die „Magna Charta“ Karlsruhes, wird Graf von Hohenberg als Schirmvogt bestätigt. Dieses Dokument ist der älteste Beleg für eine Siedlung auf dem Karlsruher Stadtgebiet. Das Gebiet wird in der Urkunde genau beschrieben: im fränkischen Gebiet des Deutschen Reichs, im Bistum Speyer, im Albgau, in der Grafschaft Forchheim, im Wald Lußhart, am Fluß Alb. Die Urkunde ist in Speyer entstanden.

Die Bestätigung der Stiftung diente neben der offiziellen Bestätigung durch den Kaiser auch der Bestätigung der Unabhängigkeit des Klosters, was insbesondere die freie Wahl des Abts und Vogts anbelangte und sollte auch Rechtssicherheit über den Tod der Stifter hinaus garantieren. Die Stiftungsurkunde orientierte sich dabei weitgehend an der Stiftungsurkunde des Klosters Hirsau aus dem Jahr 1075. Diese wird auch als „Hirsauer Formular“ bezeichnet, da die darin getroffenen Regelungen Grundlage für etliche weitere Stiftungsurkunden bildete wie zum Beispiel die Klöster Alpirsbach, Blaubeuren und Sankt Georgen. Da der Stifter bei Bestätigung der Urkunde bereits verstorben war, dürfte die Bestätigung durch den amtierenden Abt Wolpoto betrieben worden sein. Wolpoto war vermutlich der Nachfolger des ersten Abts Gebhard und stammte aus dem Kloster Hirsau.

Damit das Kloster wirtschaftlich bestehen konnte, erhielt es als Schenkungen die Grundherrschaften über folgende Siedlungen und Orte, die sich fast alle in unmittelbarer Nähe des Klosters befanden:

Durch das Aussterben der Stifterfamilie und den Bedeutungsverlust des Klosters Hirsau als Zentrum von Reformierungsbestrebungen spielte auch das Kloster Gottesaue keine besondere Rolle.

1525 wurde das Kloster im Bauernkrieg geplündert und zerstört. Als im Jahr 1529 der Abt verstarb, wurde kein Nachfolger gewählt.

Markgraf Karl II. von Baden-Durlach hob das Kloster schließlich im Rahmen der Reformation 1556 auf. Sein Nachfolger, Markgraf Ernst Friedrich von Baden-Durlach, errichtete dort ab 1588 das Schloss Gottesaue.

Über die Baulichkeiten des Klosters ist wenig bekannt. Die Kirche war nach Norden ausgerichtet. Vermutlich lagen die Bauten westlich des heutigen Schlosses, östlich von ihm befanden sich die Klostergärten.

Erhalten blieben einige wenige Ausstattungsstücke, darunter eine Grabplatte des Stifters, welches im 14. Jahrhundert nachträglich gefertigt wurde und sich vermutlich in der Klosterkirche befand.

Literatur

Gottesaue 
Kloster und Schloß von Peter Rückert, BRAUN Verlag, 1995, ISBN 3-7650-8156-6
900 Jahre Gottesaue - Spurensuche, Spurensicherung 
zur Ausstellung im Schloss 1994, bearbeitet von Wilfried Rößling, Peter Rückert und Hansmartin Schwarzmaier
Förderverein des Generallandesarchivs Karlsruhe (Hrsg.), ISBN 3-930158-04-3

Weblinks