Tulpenmädchen

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Der obere Teil des Schlossturms, in dem ab 1718 auch die Hofsängerinnen wohnten

Als Tulpenmädchen wurde ab 1928 irrtümlich der Kreis von 43 bis 60 Hofsängerinnen bezeichnet, die Karl Wilhelm von Baden-Durlach zur gleichen Zeit an seinem Hof hielt und mit denen er auch intimen Umgang pflegte, was besonders bis zu den frühen 1720er Jahren zu zahlreichen unehelichen Nachkommen, den sogenannten „natürlichen Kindern“ führte.

Tulpenmädchen

Seine Sängerinnen hatte Markgraf Karl Wilhelm bereits engagiert, als er noch in Durlach wohnte. Sie waren zunächst nur als Tänzerinnen und Sängerinnen aktiv, studierten Opern ein und führten diese zusammen mit der Hofkapelle auf, wobei auch die männlichen Rollen von den Frauen übernommen wurden. Sie erhielten auch Gesangs- und Tanzunterricht, für dessen Kosten der Markgraf aufkam. Es handelte sich ausnahmslos um junge Frauen, die meistens aus einfachen Verhältnissen, manchmal auch von niederen Hofbediensteten stammten und vermutlich zur Hälfte aus der Markgrafschaft Baden-Durlach und zur anderen Hälfte aus den umliegenden Ländern kamen. Nachgewiesen sind 26 Frauen schwäbischer Herkunft. Insgesamt sind die Namen von 144 Frauen überliefert, die Hofsängerinnen des Markgrafen waren. Gemäß den erhaltenen Aufzeichnungen wurden auch relativ häufig Schwestern oder Verwandte Sängerinnen.

Nachdem Karl Wilhelm 1715 mit dem Schlossbau begonnen und die Stadt Karlsruhe gegründet hatte, lebte er ab 1718 in seiner neuen Residenz, während seine streng lutherische Gattin Magdalena Wilhelmine von Württemberg in der Karlsburg in Durlach wohnen blieb. Seine Hofsängerinnen wohnten teilweise im Schlossturm, in dessen oberen Etagen jeweils acht Kammern mit einer Größe von jeweils circa zehn Quadratmetern angelegt worden waren. Später wurde den Hofsängerinnen allerdings auch erlaubt, in gekauften Häusern der jungen Stadt Karlsruhe in Wohngemeinschaften zu leben. Es könnten bis zu zehn Häuser gewesen sein. Diese erhielten sie zu günstigen Konditionen, mussten sie jedoch selbst bezahlen. Die Wohngemeinschaften hielten gemäß den Aufzeichnungen nicht lange und änderten sich häufiger.

Zwischen 1717 und 1722 betrug die Zahl der Hofsängerinnen 56. Zwischen 1724 und 1725 waren es nur 43, bis 1729 wieder 56 und 60 Sängerinnen. Seit 1730 nahm die Zahl von 53 auf 46 und 34 ab. Im Jahr 1733 verließen die letzten Hofsängerinnen das Schloss.

Die Hofsängerinnen wohnten nicht versteckt im Schloss, sondern begleiteten Karl Wilhelm auch bei Ausritten und Reisen. Karl Wilhelms Lebenswandel bot außerhalb der Markgrafschaft zu zahlreichen, oft auch übertriebenen Gerüchten Anlass. Insbesondere beflügelte die Zeitgenossen Karl Wilhelms der „Harems-Gedanken“, nämlich die Vorstellung, dass seine Hofsängerinnen im Schlossturm wohnten und darauf warteten, dass sie von Karl Wilhelm gerufen wurden, um ihm dann zu Diensten zu sein. Mit dem Harem, wie er von den osmanischen Sultanen unterhalten wurde, und mit den sich darüber im Westen gebildeten Fantasien hatte die spezielle Hofhaltung Karl Wilhelms weniger gemein. Die Assoziationen damit waren und sind allerdings auch nicht ganz von der Hand zu weisen. Es ist aber davon auszugehen, dass die Sängerinnen tatsächlich überwiegend für die musikalische Unterhaltung, für die Bedienung des Markgrafen bei Tisch und als „weibliche Leibwache“ dienten.

Mit etlichen Hofsängerinnen zeugte Karl Wilhelm allerdings auch Kinder, die als „natürliche Kinder“ bezeichnet wurden. Er sorgte dabei sowohl für die Sängerinnen als auch für Kinder, was für Fürsten in jener Zeit nicht selbstverständlich war. Ließen sich Hofsängerinnen jedoch etwas zu Schulden kommen, schützte sie das nicht vor Strafen. So wurden zwei Sängerinnen zu Gefängnisaufenthalten verurteilt und eine davon anschließend des Landes verwiesen.

Die letzten natürlichen Kinder Karl Wilhelms wurden 1730 geboren. Aufgrund seiner sich verschlechternden Gesundheit, einiger Schicksalsschläge und eines inzwischen eingeschlagenen starken Sparwillens entließ er seine Hofsängerinnen und auch seine Hofkapelle. Die letzte Hofsängerin verließ 1733 das Schloss.

Der Begriff der „Tulpenmädchen“ tauchte erst 1928 zum ersten Mal auf. Hintergrund dafür kann die Tatsache sein, dass Karl Wilhelm auch ein Blumenfreund war, insbesondere Tulpen aller Art und seltene Arten bei Reisen bis nach Holland für viel Geld erwarb. Natürlich hielt sich Karl Wilhelm auch mit seinen Sängerinnen in den angelegten und gepflegten Blumengärten auf, was ein weiterer Grund für die spätere Namensgebung sein dürfte.

Siehe auch

Literatur

Belletristik

  • Sylvia das Tulpenmädchen : ein Roman aus der Gründerzeit der Residenzstadt Karlsruhe von Toni Peter Kleinhans. Mit Zeichn. von Brigitte Kratochwil-Hardt. - 1. Aufl.. - Karlsruhe : INFO, 1991 (INFO-Literatur-Reihe), ISBN 3-88190-128-0

Sachliteratur