Ernst Benda

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Ernst Benda bei der mündlichen Verhandlung über die Verfassungsmäßigkeit der vom Bundestag beschlossenen Fristenregelung vor dem 1. Senat im November 1974
Ernst Benda beim 22. Bundesparteitag der CDU in Hamburg

Ernst Benda (* 15. Januar 1925 in Berlin; † 2. März 2009 in Karlsruhe) war von 1971 bis 1983 Präsident des Bundesverfassungsgerichts und Politiker (CDU).

Leben und Wirken

Ernst Benda machte 1943 sein Abitur. Anschließend meldete er sich freiwillig zum Dienst bei der Marine, um Marineoffizier zu werden. Benda erhielt seine Einberufung und begann seine Ausbildung. Doch als man seine Personalien prüfte, stellte sich heraus, daß er einen jüdischen Großelternteil hatte. Deshalb galt er als „wehrunwürdig“ und wurde aus der Kriegsmarine entlassen.[1] Laut David Korn hatte sich der Großvater Ernst Bendas von „Ben David“ in „Benda“ umbenennen lassen. [2]

Nach seinem Jurastudium in Berlin und Wisconsin (USA) arbeitete er in seiner Heimatstadt Berlin als Anwalt.

1955 begann er seine Karriere als Berliner Landtagsabgeordneter. Von 1967 bis 1969 war er Parlamentarischer Staatssekretär und Bundesinnenminister der Großen Koalition.

1971 kam er in den Südwesten, am 8. Dezember wurde er zum Präsidenten des Bundesverfassungsgerichts ernannt. In seine Amtszeit fielen Urteile wie die Strafbarkeit des Schwangerschaftsabbruchs oder das Volkszählungsgesetz. Nach seinem Ausscheiden 1983 in den Ruhestand lehrte er an der Universität Freiburg.

Von 1972 bis 2005 leitete er die Verwaltungs- und Wirtschaftsakademie Baden. Zudem war er 1966 Mitgründer der Deutsch-Israelischen Gesellschaft sowie ihr Präsident von 1967 bis 1971. 1978 wurde er zum Pfeifenraucher des Jahres gewählt.

Auch nach seiner Pensionierung blieb er Karlsruhe erhalten. Viele Jahre wohnte er in Durlach mit seiner Frau Waltraut, bis beide 2008 in das Wohnstift Nordstadt einzogen. Dort starb er 84jährig. Er ist auf dem Karlsruher Hauptfriedhof begraben.

Ehrungen

  • 1969 Großes Bundesverdienstkreuz mit Stern
  • 1974 Ehrendoktorwürde der Juristischen Fakultät der Universität Würzburg
  • 1974 Großkreuz des Verdienstordens der Italienischen Republik
  • 1975 Großes Goldenes Ehrenzeichen am Bande für Verdienste um die Republik Österreich
  • 1978 Honorarprofessor im Fach Rechtswissenschaft der Universität Trier
  • 1981 Ehrenpräsident für Europa
  • 1983 Großkreuz des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland

Publikationen (Auswahl)

  • Ernst Benda und Eckart Klein: Lehrbuch des Verfassungsprozeßrechts. Heidelberg: Müller, Juristischer Verlag, 1991, XXIX, 553 S., ISBN 3-8114-7091-4; ab der 2., völlig neubearbeiteten Auflage, 2001, unter dem Titel: Verfassungsprozeßrecht. Ein Lehr- und Handbuch; S. XXXI, 587 S., ISBN 3-8114-9944-0
  • Beitrag in Doris Lott: „Vom Glück in Karlsruhe zu leben“ (1995), ISBN 3-9802730-2-4
  • Ernst Benda, Roland Bachmeier, Peter Busse: Persönlichkeitsschutz und Stasi-Akten. Sankt Augustin: Konrad-Adenauer-Stiftung, 2000, 28 S. (Zukunftsforum Politik; Nr. 9)
  • Ernst Benda, Dieter C. Umbach: Stasi-Akten und das Persönlichkeitsrecht von Politikern. Unter Mitwirkung von Franz-Wilhelm Dollinger. Frankfurt am Main; Berlin; u.a.: Lang, 2004, XXII, 219 S., ISBN 3-631-51927-3 (Potsdamer rechtswissenschaftliche Reihe; Band 18)

Weitere siehe Franz Schneider: Bibliographie Ernst Benda, mit einem Geleitwort von Wolfgang Zeidler; Berlin 1984, ISBN 3-11-009802-4 (Standortnummer 84 A 5093 in der BLB)

Literatur (Auswahl)

  • Eckart Klein in Verbindung mit Klaus-Eckart Gebauer u.a. (Hrsg.): Grundrechte, soziale Ordnung und Verfassungsgerichtsbarkeit. Festschrift für Ernst Benda zum 70. Geburtstag. Heidelberg: Müller, Juristischer Verlag, 1995, XVI, 522 S., ISBN 3-8114-0695-7
  • Gerhard Robbers u.a. (Hrsg.): Innere Sicherheit, Menschenwürde, Gentechnologie. Kolloquium aus Anlaß des 80. Geburtstags von Ernst Benda am 22. Januar 2005 in Trier. Veranstaltet vom Institut für Rechtspolitik an der Universität Trier in Zusammenarbeit mit dem Landtag Rheinland-Pfalz. Frankfurt am Main; Berlin; u.a.: Lang, 2005, 98 S., ISBN 3-631-54741-2 (Rechtspolitisches Symposium; Band 4)
  • Helmut Kerscher: Ernst Benda tot. Prägende Persönlichkeit der Bonner Republik. Seine größte Tat als Jurist war, dass er erfolgreich gegen die Verjährung von NS-Verbrechen kämpfte. Nun ist Ernst Benda, der Ex-Präsident des Verfassungsgerichts, mit 84 Jahren gestorben. In: Südeutsche Zeitung online vom 2. März 2009 - im Netz
  • Nachruf: Ernst Benda gestorben. Er war einer der profiliertesten Juristen in Deutschland. Nun starb der frühere Präsident des Bundesverfassungsgerichts und CDU-Politiker im Alter von 84 Jahren. In ZEIT Online vom 2. März 2009
  • Wolfgang Janisch, dpa: Ex-BVG-Präsident Ernst Benda starb mit 84 Jahren. Er schrieb Justizgeschichte - bis zuletzt ein gefragter Interviewpartner. In: Nürnberger Nachrichten vom 3. März 2009 - NN

Weblinks

Fußnoten

  1. Adolf v. Thadden: Die verfemte Rechte. Deutschland-, Europa- und Weltpolitik in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft aus der Sicht von rechts. Preußisch Oldendorf: Schütz, 1984, 304 S., ISBN 3-87725-111-0, S. 16
  2. Vgl. David Korn: Wer ist wer im Judentum? Lexikon der jüdischen Prominenz, Band 1, München: FZ-Verlag, 1996, 511 S., ISBN 3-924309-31-0