Ebersberger & Rees

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Ebersberger & Rees war ein Lebensmittelladen in Karlsruhe.

Geschichte

Ebersberger & Rees Zuckerwaren- und Marmeladenfabrik, Kaffeegroßrösterei und Kolonialwaren-Großhandlung Karlsruhe in Baden gegründet 1862 durch Wolfgang Ebersberger

Geschichte des Hauses

An 23. Oktober 1862 eröffnete Wolfgang Ebersberger im Hause Kleine Herrenstraße (heute Bürgerstraße) Nr. 20 eine kleine Konditorei und legte damit den Grundstein zur jetzigen Firma Ebersberger & Rees. Mit seiner Frau Elisabeth, geborene Zimmermann, die ihm eine treue Helferin war, betrieb er sein Geschäft. Das erste größere Produkt waren die „Karlsruher Lebkuchen, keine Brettener“. Bis zu diesem Zeitpunkt wurden merkwürdigerweise in Badens Residenz noch keine Lebkuchen gebacken, man bezog diese vielmehr aus dem nahen Bretten. Da kam der junge Meister Ebersberger, der die Kunst des Lebkuchenbackens in Nürnberg gelernt hatte, auf den glücklichen Einfall, als besondere Spezialität Lebkuchen zu machen.

Im Jahr 1866 verlegte Wolfgang Ebersberger sein Geschäft in das Haus Kronenstraße 48. Er konnte damals nicht voraussehen, dass in diesem Hause sein Geschäft über den engen Rahmen eines handwerksmäßigen Betriebs weit hinaus wachsen werde, um sich zu einer bedeutenden kaufmännischen Firma zu entwickeln. Bis zum Jahre 1906, vierzig Jahre also, befand sich das Geschäft an dieser Stelle. Im Jahre 1868 wurde die erste Bonbonmaschine angeschafft, ein Zeichen, dass es vorwärts ging. Es war eine kleine Maschine mit Handbetrieb.

Allmählich entwickelte sich auch jetzt das Engrosgeschäft in Konditoreiwaren. Teils von auswärts bezogene, teils selbst gefertigte Bonbons wurden im großen verkauft; Osterartikel, besonders Karamell-Hasen, dann Weihnachtsartikel, hauptsächlich Lebkuchen, waren gangbare Sachen.

Im Jahre 1860 wurde die erste kaufmännische Kraft eingestellt. Von da an ging es rasch aufwärts. 1870 waren schon etwa acht Personen im Geschäfte tätig. Bereits im Jahre 1871 erwiesen sich die Geschäftsräume als zu klein, so dass die übrigen Räume des Hauses, die bisher anderweitig vermietet waren, nach und nach hinzugenommen werden mussten.

Das Jahr 1873 war wiederum ein Markstein in der Entwickelungsgeschichte der Firma: in diesem Jahr wurden zum ersten Mal außer den Konditoreiwaren einzelne Artikel aus der Kolonialwarenbranche zugelegt, im Jahre 1877 wurde dieser Geschäftszweig bedeutend erweitert. Schon im darauf folgenden Jahr musste man deshalb an eine Vergrößerung des Magazins und der Fabrikationsräume denken; 188o wurden diese Erweiterungsbauten ausgeführt.

Mit der Vergrößerung des Geschäftes, machte sich das Fehlen einer leitenden kaufmännischen Kraft fühlbar. Und so fand Kaufmann Robert Rees, der im Jahre 1882 in die Firma eintrat, ein reiches Betätigungsfeld. Mit seinem Eintritt beginnt eine neue Epoche in dem Werdegang des Geschäfts. Robert Rees, geboren 1856 in Herbolzheim (Breisgau), hatte in Pforzheim bei der Firma F. A. Madlener, Eisen- und Spezereihandlung, die nach heutigen Anschauungen reichlich lange kaufmännische Lehrzeit von fünf Jahren durchgemacht, hierauf seiner Militärpflicht genügt und war 1878 nach Karlsruhe gekommen. Noch im gleichen Jahr seines Eintritts in die Firma verheiratete er sich mit Fräulein Marie Ebersberger, der Tochter des Geschäftsinhabers.

Ebersberger & Rees

Im folgenden Jahr wurde ein Magazin in Nähe des Bahnhofes gemietet. Im Jahre 1893 wurde der Name der Firma „W. Ebersberger" in EBERSBERGER & REES geändert.

Firmengebäude Wielandtstraße 25 im Jahr 1912

Das Jahr 1895 war wieder von einschneidender Bedeutung für das Geschäft. Sein Gründer und langjähriger alleiniger Inhaber, Herr Wolfgang Ebersberger, wurde schwer krank und schied deshalb aus der Firma aus. Das Geschäft ging auf die Familie Rees allein über. Im Jahre 1905 starb Frau Ebersberger im Alter von 76 Jahren nach einem arbeitsreichen Leben.

Der nunmehrige Alleininhaber der Firma Robert Rees führte das Geschäft zielbewusst weiter. Um 1900 hatte sich das Geschäft auf allen Gebieten so günstig weiterentwickelt, dass trotz aller Vergrößerungen die Räume nicht ausreichen wollten. Im Dezember 1903 kaufte man deshalb zusammen mit der Eisenbahnverwaltung das frühere Gelände der Firma Dyckerhoff & Widmann in der Wielandtstraße 25. Im Jahr 1905 konnte unter Leitung des Architekten Walder zum Neubau geschritten werden, ein Jahr später war das Werk vollendet. Am 1. Juli 1906 wurde das Geschäft von der Kronenstraße 48, wo es vierzig Jahre lang betrieben worden war, nach dem neuen Heim verlegt. Das Detailgeschäft bestand in der Kronenstraße weiter.

Am 15. August 1907 trat der älteste Sohn Robert Rees nach einer kaufmännischen Ausbildung im In- und Ausland in das Geschäft ein; im Jahre 1908 der zweite Sohn Eugen, der ebenfalls kaufmännisch ausgebildet ist, schon früher im Geschäft tätig war und inzwischen seine Kenntnisse durch Auslandreisen erweitert hatte.

Die Firma Ebersberger & Rees in der Wielandtstraße 25 stellte sich zu ihrem 50jährigen Jubiläum im Jahr 1912 wie folgt dar. Der ganze Betrieb zerfällt in drei Abteilungen:

  • Zuckerwarenfabrik (Bonbonsfabrikation, Marmeladekocherei und Bäckereiabteilung),
  • Kolonialwaren-Großhandlung und
  • Kaffee-Rösterei.

Das Hauptabsatzgebiet für die Abteilung Kolonialwaren ist die Stadt Karlsruhe und ihre weitere Umgehung; nördlich etwa bis Bruchsal südlich bis Rastatt und Baden-Baden. Die Erzeugnisse der Zuckerwarenfabrikation dagegen werden in ganz Südwestdeutschland abgesetzt. Die Firma E+R hat außerhalb Badens Vertreter in der Pfalz, im Reichsland Elsaß-Lothringen, im Rheinland und im Großherzogtum Luxemburg. Den Reisenden stehen ständig acht Fuhrwerke und ein Automobil zur Verfügung, um rasch von einem Platz zum andern gelangen zu können.

Die beiden Söhne des Geschäftsinhabers, Robert und Eugen Rees, übernahmen ab 1909 Zug um Zug den Betrieb. Am 15. Mai 1912 trat auch der viertälteste Sohn, Julius Rees, nach Beendigung seiner praktischen Ausbildung in das Geschäft. Der drittälteste Sohn Theophil Rees wurde Röntgenarzt und war ebenfalls in Karlsruhe ansässig.

Die Firma Ebersberger und Rees überstand den 1. Weltkrieg relativ gut, während die Fabrik im Zweiten Weltkrieg durch einen Luftangriff im Mai 1944 starke Zerstörungen erleiden musste.

Nachfolgend konnte sich die Firma durch Mangel an den notwendigen Grundstoffen und einer erwachenden starken Konkurrenz nicht halten und wurde geschlossen. Die Gebäude wurden bis in die 1970er Jahre als Großhandel genutzt. Später kamen ein Lidl-Markt und eine Getränkehandlung hinzu. In den 80er Jahren wurde das Firmengrundstück an die Deutsche Telekom verkauft, die die Gebäude abreißen ließ und Parkplätze für die Angestellten auf dem Grundstück errichtete. So zeugen heute nur noch Bilder von der einst erfolgreichen Firma.

Kaffeedosen
weitere Dosen

Die Nachfahren von Robert Rees leben heute in Karlsruhe, Pullach, Waldshut, Dossenheim und Seoul (Korea).

Letzte Adressen

Fabrik und Hauptgeschäft 
Wielandtstraße 25
Filiale 
Kronenstraße 48

Quellen