Tabakanbau

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Tabakpflanze in Staffort

Der Tabakanbau war bis Ende des 20. Jahrhunderts eine verbreitete Sonderkultur in der Oberrheinischen Tiefebene. Die wichtigste Forschungseinrichtung für die deutschen Tabakanbauer war die frühere Bundesanstalt für Tabakforschung in Forchheim.

Anbau

Tabakpflanze Sorte Burley mit Ernte- und Qualitätsstufen
Tabakeinfädeln von Hand
Als Tabakbandelier wurden die geernteten Tabakblätter zur Lufttrocknung aufgehängt
Nach 100 Tagen Trocknung konnte das Tabakbandelier abgehängt und weiter verarbeitet werden

Die Einnahmen aus dem Tabakbau waren ab 1920 eine der wichtigen Einnahmequellen für die Landwirtschaft der Hardt. Tabak bot vielen Landwirtsfamilien und Taglöhnern Arbeit und Einkommen.

Mit 2000 Arbeitsstunden pro Hektar war der Arbeitsaufwand sehr hoch. Der Tabaksamen ist einer der kleinsten Samen im landwirtschaftlichen Bereich. Zehntausend Tabak-Körnchen wiegen gerade 1 Gramm. Bei 40-50 Tausend Tabakpflanzen pro Hektar wird bewusst welch minimale Saatgutmenge jeder Betrieb benötigte.

Tabak ist eine subtropische Pflanze und benötigt für die Keimung hohe Temperaturen. Deshalb begann die Tabaksaison mit dem Einweichen der Körner, einwickeln in Leinentüchern und Erwärmung auf 36 Grad Celsus Temperatur. Dies geschah in aller Regel unter zur Hilfenahme von Bettflaschen die auch ins Bett mit genommen wurden.

Nach ca. 5-8 Tagen platzen die braunen Samenschalen auf und der weiße Keimling wird sichtbar. Jetzt ist der Zeitpunkt gekommen um in Frühbeetkästen zu säen. Die Frühbeetkästen, die das Bild der meisten Bauerngärten bestimmten, wurden rechtzeitig mit einem 20-30 cm dicken Mistbeet vorbereitet, auf dessen Oberfläche eine Spezialerde aus Torf und Mulch, genannt Fruhstorfer-Einheitserde, aufgebracht wurde. Zugedeckt wurden die Frühbeete mit Glasscheiben um subtropische Klimaverhältnisse zu schaffen.

Zwei Methoden der Aussaat wurden angewandt. Entweder wurde das Gieß- oder das Handsaatverfahren eingesetzt. Die Gießsaat erfolgte in der Weise, dass die für ein Frühbeet benötigte Tabaksaatgutmenge in die Gießkanne gegeben, die Kanne mit Wasser gefüllt und dann kräftig umgerührt wurde, damit alle Samen im Wasser gleichmäßig verteilt waren. Daraufhin wurde das Gieswasser gleichmäßig im Frühbeet verteilt. Die Hand-Sämethode, die von konservativen Landwirten benutzt wurde, basierte auf der Verwendung von Grieß. Man mischte den angekeimten Samen mit einem Pfund Grieß in einer Schale. Anschließend wurde diese Menge gleichmäßig im Frühbeet verteilt. Der weisse Griess und der braune Untergrund der Fruhstorfer-Einheitserde machten es relativ leicht, die Saatmenge gleichmäßig zu verteilen.

Für die ersten Tage wurden die Frühbeete mit Zeitungspapier abgedeckt, um den Boden vor schneller Austrocknung zu schützen. Nach ca. 3-4 Tagen konnte das Papier entfernt werden. Durch tägliches öffnen und schließen einzelner Scheiben wurde für Luftzirkulation und Wärmesteuerung gesorgt. Nach etwa 4 Wochen waren die Pflanzen groß genug um die ersten größeren Pflanzen zu pikieren, bzw. für das Feld zu entnehmen.

Die bis in die 1970er Jahre hinein verwendete Handpflanzung erfolgte in den fein krümelig hergerichteten Acker, nachdem mit einem Markierrechen die Pflanzstellen markiert wurden. Die Pflege des Tabaks auf dem Feld beschränkte sich bis 1958 in erster Linie auf die mechanische Unkrautbekämpfung mit Handhacke, Hackgeschirr und Häufelpflug.

Ernte

Die Ernte begann mit den unteren Blättern und ging pro Woche mit jeweils den nächsten 1-2 Blättern weiter. Das „Tabakbrechen“ im Acker erfolgte in der Regel am Vormittag, der Nachmittag und Abend wurde für das Einfädeln und Aufhängen des Tabaks benötigt. Der Arbeitstag dauerte während der Tabakerntezeit von morgens 6 bis abends 11 Uhr also 17 Stunden.

Rückgang der Anbauflächen

Mit dem Ausbruch der Blauschimmelkrankheit im Jahr 1960, die durch unvorsichtiges Handtieren eines Wissenschaftlers mit dem gefährlichen Peronospora-Pilz an der Bundesforschungsanstalt für Tabakbau in Forchheim verursacht wurde, war das Überleben vieler landwirtschaftlicher Betriebe in Frage gestellt. Die Flächenausstattung war zu gering um allein von der Landwirtschaft zu leben. Fortan galt der Zwang unter den Landwirten – „wachsen oder weichen“. Der Anbau von Tabak in Europa wurde von der EU stark subventioniert, doch seit 2005 wird ein Teil der Subventionen zum Umstieg auf andere Anbauerzeugnisse verwendet. So geht der Tabakanbau in Deutschland immer mehr zurück, im Jahr 2010 wurde in Bruchsal-Büchenau zum ersten Mal seit langer Zeit kein Tabak mehr gepflanzt.

Deutschlands älteste Tabakanbaugemeinde ist Hatzenbühl, Verbandsgemeinde Jockgrim, Landkreis Germersheim, die Landesanstalt für Pflanzenbau kontrolliert den Anbau.

Die Bedeutung des Tabaks für die Hardtregion ist unter Tabakanbau in Staffort beschrieben.

Literatur

  • Arnold Hauck: Duwaggbreche in Stutensee. Stutensee Hefte, Stadt Stutensee 2003.
  • Hanna Heidt: Erinnerungen an die Vergangenheit; Schwanen Stutensee.-Staffort 2003.
  • Manfred G. Raupp: Die Entwicklung des Tabakanbaus in Deutschland unter besonderer Berücksichtigung der Entwicklung in der Gemeinde Staffort; Ingenieurschule Nürtingen 1962; 2.überarbeitete und erweiterte Auflage Lörrach Oktober 2012, Herausgeber: Lörrach international, ISBN 978-3-9815406-3-5

Weblinks