Robert Lynen

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Robert Lynen (* 24. Mai 1921 im Département Jura[1], Frankreich; † 1. April 1944 in Karlsruhe, erschossen) war ein französischer Schauspieler und Gegner des Nationalsozialismus.

Leben

Robert, ein Kind einer elsässischen Künstlerfamilie, wurde früh für den Film entdeckt und soll 1932 die Hauptrolle in dem Film „Poil de Carotte“ hinreißend gespielt haben. Weitere Filme und Theaterrollen folgten. Als „Der großartigste Schauspieler der Welt“ wurde er von einem Journalisten der „Sunday Express“ bezeichnet. Von der ersten Stunde der Résistance war Robert Lynen dabei. Eigentlich ein Pazifist, lehnte er Faschismus und Rassismus radikal ab. Mit seinem Schwager gründete er die Firma „Azur-Transport“, ein Unternehmen, das in der Hauptsache mit 15-Tonnern (LKW) Waffen für den Widerstand einsammelte und eine Adresse für Leute war, die sich auch der Résistance anschließen wollten.

Robert Lynen arbeitete auch mit dem Widerstandsnetz der Alliance von Marie-Madeleine Fourcade zusammen, z. B. als es um Sendemasten für britische Fallschirmjäger ging. Seine Stellung als junger Schauspieler benützte er zum einen, um für den Widerstand zu werben und zum anderen, um seine Tätigkeit als Geheimagent zu verdecken. Im Juli 1940 gründeten die Nazis die französische Propaganda-Abteilung, die ihre Anweisungen direkt von Goebbels erhielt. Die französische Filmindustrie ging nun in der früher deutschen „Continental“ auf. Man bot Lynen großartige Verträge an, die er jedoch ablehnte, weil er um die deutsche Einflussnahme wusste.

1943 wurde er durch Verrat von der Gestapo aufgespürt, verhaftet und in das Gefängnis Saint Pierre in Marseille gebracht. Auch jetzt lehnte er ab, für die Deutschen Filme zu drehen und wurde dafür gefoltert. Robert Lynen und die andere Mitglieder der Alliance sollten spurlos verschwinden und wurden deshalb nach Deutschland transportiert. Im Dezember 1943 wurden sie in Freiburg wegen Spionage zum Tod verurteilt und in das damals gefürchtete Gefängnis nach Bruchsal gebracht.

Am 1. April 1944 rief man Lynen und seine Kameraden zusammen und sagte ihnen, dass sie frei seien. Anschließend wurden sie mit einem LKW nach Karlsruhe transportiert. Dort führte man sie jeweils zu zweit zur Erschießung zum Schieß­platz Fürsten­­ber­­ger Schlag. Alle lehnten eine Binde um die Augen ab. Die Widerstandskämpfer hielten sich an den Händen und sangen die Marseillaise.

Erinnerung

Weder in Bruchsal, wo sie inhaftiert waren, noch in Karlsruhe, wo sie getötet wurden, fand man Hinweise auf Robert Lynen und auf die 13 weiteren französischen Widerstandskämpfer, wie der Biograf Lynens, Francois Charles, feststellte. Sie sollten vergessen, ihre Spur vernichtet werden, wie es bei vielen Mordopfern der Nazis geplant war.

Die BNN machten am 22. August 2002 auf das kurze Leben des französischen Kinderstars und Résistance-Kämpfers in einem Artikel von Sibylle Kranich aufmerksam.

Seit dem 1. April 2014 erinnert die Stele Réseau Alliance an die 1944 hingerichteten Widerstandskämpfer.

Weblinks

Fußnoten

  1. Die deutschsprachige Wikipedia zum Thema „Département Jura“