Nathanael Weil (der ältere)

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Grabstein 2012. Die Schreibweise in der Inschrift ist Nataniel Weill.
Grabstein 2013.

Nethaneel ben Naftali Tzvi Weil (geb. 1687 in Stühlingen, gest. 7. Mai 1769 in Rastatt) war Rabbiner in Karlsruhe und ein bekannter jüdischer Gelehrter.

Leben und Wirken

Nathanael Weil wurde in Stühlingen im Südschwarzwald als Sohn von Naphtali Hirsch Weil geboren. Im Alter von zehn Jahren kam er mit seiner Mutter nach Fürth und kurz danach nach Prag, wo ihn sein Onkel Lippmann Weil adoptierte. Er wurde Lieblingsschüler und Schwiergersohn von Rabbiner Abraham Brod, den er bei seiner Berufung nach Mainz begleitete. 1713 kehrte er nach Prag zurück und wurde selbst ein gefragter Lehrer.

1744 vertrieb Kaiserin Maria Theresia alle Juden aus Böhmen. Daraufhin übernahm er das Rabbinat des Schwarzwalds, sein Amtssitz war in Mühringen bei Horb am Neckar. In dieser Zeit schrieb er den größten Teil seines Hauptwerks, ein Kommentar zum Werk von Asher ben Jehiel, der im 14. Jahrhundert die talmudische Literatur zu praktischen Handlungsanweisungen zusammengefasst hatte.

1750 wurde Weil nach Karlsruhe berufen. Hier vervollständigte er sein Werk und publizierte es 1755 an der neu eingerichteten Hebräisch-Druckerei unter dem Titel Korban Netan'el. Zwei weitere Bücher wurden postum von seinem Sohn Simeon Hirsch Weil veröffentlicht.

1769 starb Nathanael Weil während Beratungen in der jüdischen Gemeinde Rastatt. Mit Unterstützung von markgräflichen Truppen wurde er nach Karlsruhe überführt, damit er noch vor Sonnenuntergang auf dem Jüdischen Friedhof bestattet werden konnte. 1898 wurde sein Leichnam auf den Alten Jüdischen Friedhof an der Kriegsstraße gebracht.

Seine Nachkommen führten die Familientradition fort. Sohn Tia Weil (1721–1805) wurde sein Nachfolger, Urenkel Jacob Weil veröffentlichte 1839 ein eigenes Werk über Sabbatgesetze, dessen Sohn Nathanael Weil war Ende des 19. Jahrhunderts Rabbiner in Karlsruhe.

2013 wurde eine Kopie seines Grabsteins angefertigt, finanziert von Männern aus New York, die anonym bleiben möchten. Das Original wurde an die Friedhofsmauer versetzt.

Weblinks