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Brauerei Sinner

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Die Brauerei Sinner war eine Brauerei in Grünwinkel, die aus dem ehemaligen Hofgut der Markgräfin Sybilla Augusta von Baden hervorging.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Eine erste Brauerei ist auf dem Gutshof bereits im 18. Jahrhundert bekannt. Als Besitzer des Hofes mit Brauerei, Branntweinbrennerei, Puderfabrik und dem Gasthaus Badischer Hof wird 1807 der Major von Hornig genannt. 1811 erwarb Karl Maier den Besitz. Seine Brauerei und eine Essigsiederei fielen jedoch 1814 einem Brand zum Opfer. 1820 ging das Hofgut mit Essigsiederei und Brauerei in den Besitz des Staatsrats Wilhelm Reinhard über. Offenbar waren die Gebäude nicht vollends niedergebrannt. Bekannt ist jedenfalls, dass ein zweistöckiges Brauereigebäude auf dem Hofgut 1832 von Obriststallmeister von Seldeneck erworben wurde.

Um 1820 pachtete der Chemiker Anton Sinner (1786 - 1861) aus Waldshut einen Teil des Hofguts in Grünwinkel, um dort eine Farbenfabrik zu betreiben. Sein Sohn Georg Sinner (1823 - 1883) nahm ab 1845 die Leitung des Unternehmens in die Hand. Dieser erwarb 1849 das Hofgut käuflich und gründete nun auch eine Brauerei sowie eine Presshefefabrik. Sinner errichtete zu diesem Zweck ein neues Brauereigebäude. Im Laufe des 19. Jahrhunderts wuchs Sinner zum größten Unternehmen der Nahrungsmittelindustrie in der Region und bot den Bewohnern des Ortes, die zuvor über das Bulacher und das Beiertheimer Feld zu Fuß zur Arbeit gehen mussten, Arbeitsplätze.

1883 übernahm Robert Sinner (* 1850) das Unternehmen in der Durmersheimer Straße 55 von seinem verstorbenen Vater und wandelte es 1885 in eine Aktiengesellschaft mit dem Namen Gesellschaft für Brauerei, Spiritus- und Preßhefefabrikation vorm. G. Sinner AG um. Ab 1922 etablierte sich die Kurzbezeichnung Sinner AG als Firmenname. Der Industriebetrieb expandierte in den Folgejahren besonders auf dem Sektor Preßhefe und Spiritus, jedoch nach und nach auch in anderen Nahrungsmittelbereichen wie Backwaren, Likör oder Haferflocken. Durch deutschlandweite Firmenaufkäufe wurde Sinner um die Jahrhundertwende größter deutscher Spiritusproduzent.

Doch auch der Brauerei- und Getränkesektor florierte. 1923 wurde am Standort Grünwinkel eine Flaschenfabrik errichtet. Der Bierausstoß erreichte bis zum ersten Weltkrieg 100.000 hl. 1912 übernahm Sinner die Brauerei Wilhelm Fels, 1918 die Aktienbrauerei Altenburg in Sinzheim, und 1920 schließlich die Mühlburger Brauerei AG. Die Sinner AG, der bis in die späten 1920er Jahre Robert Sinner als Generaldirektor vorstand - gefolgt von seinem Sohn Rudolf Sinner - gehörte nun zu den größten Brauereien der Region.

Dennoch führten die Konzentrationsprozesse in der Brauindustrie 1972 zur Übernahme der Brauerei durch die Moninger AG. 1974 wurde die Produktion der Sinner AG am Standort Grünwinkel eingestellt. Das Brauereigelände wurde jedoch ab 1982 mit einem neu erbauten Brauhaus zum neuen Firmenstandort der Moninger AG. Einige der Gebäude aus der Sinner-Zeit, wie z.B. das markante ehemalige Silogebäude und das große rote Mühlengebäude, sind noch heute erhalten und werden von der Brauerei Moninger genutzt. Sogar das ehemalige Herrschaftshaus des Hofguts der Markgräfin Sybilla Augusta von Baden steht noch heute und dient als Verwaltungsgebäude.

1994 verkaufte Moninger die Sinner AG Karlsruhe wieder.

Bilder

Standort

Letzte Adresse der Brauerei (1972)
Sinner AG
Karlsruhe-Grünwinkel,
Durmersheimer Str. 57-59

Quellen

"Hopfen und Malz - Die Geschichte des Brauwesens in Karlsruhe" 
Herausgeber: Heinz Schmitt, Ernst Otto Bräunche, Band 19 der Veröffentlichungen des Karlsruher Stadtarchivs, Badenia-Verlag, 1998, ISBN 3-7617-0323-6
"Wegweiser für die Großherzogliche Residenzstadt Karlsruhe", heute "Adressbuch der Stadt Karlsruhe" 
Ausgaben ab 1818, Verlag G. Braun - verfügbar im Lesesaal der Badischen Landesbibliothek
"Historisches Brauereiverzeichnis Deutschland" 
Herausgeber: IBV - Internationaler Brauereikultur-Verband e.V., Ausgabe 2005.
Brauwesen-Historisch - Das große historische Brauereiverzeichnis 
http://www.brauwesen-historisch.de/Uebersicht.html
"Karlsruher Chronik" 
Herausgeber: Manfred Koch, Band 14 der Veröffentlichungen des Karlsruher Stadtarchivs, Badenia-Verlag, 1992, ISBN 3-7617-0260-4
"Karlsruhe - Zwischen den Zeilen der Chronik" 
Herausgeber und Autor: Horst F. Pampel. Ohne Herausgabejahr und Bestellnummer.
"Karlsruhe - 275 Jahre Perspektiven, Perioden und Persönlichkeiten" 
Herausgeber und Autor: Horst F. Pampel. Ohne Herausgabejahr und Bestellnummer.
"Karlsruhe - Architektur im Blick - Ein Querschnitt" 
Herausgeber: Annette Ludwig, Hansgeorg Schmidt-Bergmann, Röser Verlag, 2005, ISBN3-9805361-2-2
"Grünwinkel und seine Umgebung" 
"Ein Heimatbuch für Jung und Alt" von Benedikt Schwarz, Verlag der Sinner AG Karlsruhe-Grünwinkel, 1925
"Industrie-Architektur in Karlsruhe" 
"Beiträge zur Industrie- und Baugeschichte der ehemaligen badischen Haupt- und Residenzstadt bis zum Ausbruch des Ersten Weltkrieges" von Rainer Beck, Veröffentlichungen des Karlsruher Stadtarchivs / hrsg. von der Stadt Karlsruhe ; 6), 2. überarbeitete Auflage, ISBN 3-7650-0402-2, Verlag Braun, 1993
Website der Sinner AG 
http://www.sinnerag.de
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