Georg Sinner

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Georg Sinner (*8. August 1823 in Lahr; † 1883 in Grünwinkel) war ein Fabrikant und Unternehmer. Er gilt als der eigentliche Begründer des späteren Sinner-Konzerns.

Leben

Georg Sinner war der älteste Sohn des aus Waldshut stammenden Chemikers und Fabrikanten Anton Sinner und Elisabeth (Lisette) Hockenjos († 1843), der Tochter des Stadtküfermeisters von Lahr.

Er besuchte zunächst die Schule in Karlsruhe und trat dann eine Kaufmannslehre bei C.M. Eisenlohr in Durlach an. Nach seiner Lehre ging er nach Frankreich und arbeitete eine zeitlang in einem Großhandelshaus in Lyon. Um 1844 kehrte er nach Deutschland zurück und trat den Militärdienst an. Nach einem Jahr wurde er als Reservist beurlaubt. Da die Essigsiederei und die Bleizuckerfabrikation seines Vaters in Grünwinkel keinen wirtschaftlichen Erfolg erzielten, übernahm Georg Sinner 1845 die Leitung der Fabrikation.

Am 15. April 1848 heiratete er Sophie Kist († 1894), eine Tochter des Gastwirts Ignaz Kist, der die Gastwirtschaft Zum Badischen Hof (das frühere Herrschaftliche Wirtshaus) auf dem Hofgut Grünwinkel betrieb.

1849 erwarb Georg Sinner das noch im Besitz des Staatsrats Wilhelm Reinhard († 1858) befindliche ehemalige Hofgut mit Fabrikanlagen käuflich für 27.000 Gulden und gründete eine Offene Handelsgesellschaft. Anstelle der Bleizuckerverarbeitung richtete Georg Sinner eine Stärkemittelfabrik ein und erweiterte den Betrieb später um eine Presshefefabrik und eine neue Brauerei. Unter seiner Leitung nahm das Unternehmen einen bedeutenden Aufschwung. Als Georg Sinner 1883 starb, übernahm sein Sohn Robert die Geschäftsleitung.

Wirken

Während sein Vater sich lieber den Wissenschaften und der Forschung gewidmet hatte, war Georg Sinners Bestreben nicht zuletzt aufgrund seiner kaufmännischen Ausbildung vor allem auf wirtschaftlichen Erfolg ausgerichtet. Durch Geschick und ausgeprägte Zielstrebigkeit formte er innerhalb weniger Jahre aus einem maroden Betrieb ein expandierendes Wirtschaftsunternehmen, das im Jahr 1880 zwar noch immer weniger als 100 Beschäftige hatte, jedoch schon größter Arbeitgeber in Grünwinkel war. Insbesondere seinen ältesten Sohn Robert Sinner bereitete Georg Sinner schon früh auf die Rolle des künftigen Unternehmensleiters vor, jedoch wurden auch sein Bruder(?) Julius und später die übrigen Söhne Albert, Karl und Georg, sowie sein Schwiegersohn mit leitenden Aufgaben im Unternehmen betraut. Damit legte Georg Sinner bereits den Grundstein für ein weitverzweigtes Familienunternehmen.

Georg Sinner war ein Anhänger der Badischen Revolution. Um sein Unternehmen nicht zu gefährden, beteiligte er sich jedoch nicht aktiv an den politischen Umwälzungen von 1848. Gleichwohl floh er vor dem Einmarsch der preußischen Truppen sicherheitshalber für kurze Zeit ins Ausland. Seine Schwester Karoline (Lina) Sinner († 1919) heiratete Carl Emil Sigel († 1901), den Bruder des legendären Oberbefehlshabers der badischen Revolutionstruppen und späteren amerikanischen Generals Franz Sigel (1824-1902).

Auch im Grünwinkler Vereinsleben hat sich Georg Sinner einen Namen gemacht. Er gehörte 1862 zu den Mitbegründern des Turn- und Sportvereins Grünwinkel und war bis 1865 dessen 1. Vorsitzender. Für den Verein stellte er einen Schuppen für den Winterbetrieb und später auch das Gelände für den Turnplatz zur Verfügung, auf dem sich noch heute die Vereinsanlage befindet.

Ehrungen

1909 wurde die Sinnerstraße in Grünwinkel nach Georg Sinner benannt.

Literatur

„Grünwinkel und seine Umgebung – Ein Heimatbuch für Jung und Alt“ 
von Benedikt Schwarz, Verlag der Sinner AG Karlsruhe-Grünwinkel, 1925
„Grünwinkel – Gutshof-Gemeinde-Stadtteil“ 
Herausgeber: Manfred Fellhauer, Manfred Koch u. Gerhard Strack, Info-Verlag Karlsruhe, 2009, ISBN 978-3-88190-539-8