Anton Sinner

Aus dem Stadtwiki Karlsruhe:
Wechseln zu: Navigation, Suche

Joseph Anton Sinner (* 22. Mai 1786 in Waldshut; † 28. Dezember 1861 in Grünwinkel) war ein Chemiker aus Waldshut, der sich als Fabrikant auf dem ehemaligen Hofgut in Grünwinkel niederließ und dort die Firma Sinner begründete.

Leben und Wirken

Die Wurzeln der Unternehmerfamilie Sinner in Waldshut lassen sich bis um etwa 1720 zurückverfolgen. Anton Sinner wurde als Sohn von Karl Nikolaus Sinner und der Apothekertochter Maria Ursula Sutter in Waldshut geboren. Während er noch ein Kind war, zogen seine Eltern aus Waldshut fort, ließen ihn jedoch dort in der Obhut des Waldshuter Pfarrers zurück. Die Absicht der Eltern war es, ihren Sohn zu einem Geistlichen erziehen zu lassen. Inspiriert nicht zuletzt durch die Apotheke seines Großvaters, lagen Anton Sinners Interessen jedoch eher im Bereich der Chemie und der weltlichen Wissenschaften. Also verließ er heimlich das Pfarrhaus in Waldshut und fand Aufnahme bei einem Freund seines Vaters in Basel. An der dortigen Universität begann er auf eigene Faust das Studium der Naturwissenschaften, insbesondere der Chemie. Anschließend zog er mehrere Jahre durch verschiedene Länder (zuletzt Italien), so dass er später fließend vier Sprachen beherrschte.

Er fand letztendlich eine feste Anstellung als Direktor der Königlich Württembergischen Saline in Schwäbisch Hall. Dieser Posten brachte ihm vermutlich das notwendige Kapital ein, um sich nun seinen eigentlichen Lebenstraum zu erfüllen. Um 1820 heiratete er Elisabeth (Lisette) Hockenjos († 1843), die Tochter des Stadtküfermeisters von Lahr.

Noch im selben Jahr wurde für das Hofgut in Grünwinkel, auf dem sich auch eine bestehende Brauerei, Essigsiederei und Brennerei befand, ein neuer Pächter gesucht. Anton Sinner griff zu und richtete neben den bereits bestehenden Produktionsstätten auch noch eine Fabrik zur Herstellung von Farbstoffen ein. Diese wie auch die Brauerei musste er jedoch nach kurzer Zeit wieder aufgeben. Essigsiederei und die Bleizuckerfabrik betrieb er dagegen weiter.

Da sein Sohn Georg Sinner im Jahr 1823 noch in Lahr geboren wurde, ist zu vermuten, dass Anton Sinner erst später seinen festen Wohnsitz in Grünwinkel nahm. Als Pächter taucht er urkundlich erst 1833 auf und wird auch im Steuerkataster von 1835 nicht als Grünwinkler Bürger aufgeführt. Das Hofgut, das sich zu dieser Zeit noch im Besitz des verschuldeten Staatsrats Wilhelm Reinhard († 1858) befand, war von diesem an das Bankhaus J. L. Le Grand de Neufville in Basel verpfändet worden. Anton Sinner übernahm jedoch um 1841 hierfür die Bürgschaft.

Dennoch warf Sinners Essig- und Bleizuckerherstellung nicht den erhofften Gewinn ab. Erst nachdem sein Sohn Georg 1845 nach Abschluss seiner Ausbildung und seines Militärdienstes in den Betrieb eintrat und sogleich die Führung übernahm, setzte ein deutlicher Aufschwung ein. Anton Sinner selbst zog sich danach in die Privatsphäre zurück, um sich seinen Versuchen der Farbenherstellung und der Chemie zu widmen. Er unternahm um 1856 noch eine Reise nach Amerika, um seine dort verheirateten Töchter zu besuchen, bevor er 1861 in Grünwinkel starb.

Literatur

„Grünwinkel und seine Umgebung – Ein Heimatbuch für Jung und Alt“ 
von Benedikt Schwarz, Verlag der Sinner AG Karlsruhe-Grünwinkel, 1925
„Grünwinkel – Gutshof-Gemeinde-Stadtteil“ 
Herausgeber: Manfred Fellhauer, Manfred Koch u. Gerhard Strack, Info-Verlag Karlsruhe, 2009, ISBN 978-3-88190-539-8