Beiertheimer Altar

Aus dem Stadtwiki Karlsruhe:
Wechseln zu: Navigation, Suche
Der Beiertheimer Altar in der Hauptkirche von St. Michael Kirche
Der Beiertheimer Altar mit geöffneten Altarflügeln

Der Beiertheimer Altar ist der älteste Altar im heutigen Karlsruhe und ist in der St. Michael Kirche zu sehen.

Geschichte

Der Altar war eine Auftragsarbeit der „Bruderschaft unserer lieben Frau“. Vom Maler selbst wurden die Malereien mit dem Datum 1523 und seinem Kürzel „L.F.“ versehen. Bis heute ist unklar, um welchen Künstler es sich gehandelt hat. Die hölzernen Skulpturen stammen aus Straßburg aus der Werkstatt des Hans Wydyz. Von Anfang an war der Altar zur Aufstellung in der 1521 erbauten St.-Michael-Kapelle vorgesehen.

1702 wurde der Altar im Speyerer Visitationsprotokoll erwähnt, da Beiertheim in jener Zeit zum Bistum Speyer gehörte.

Um 1745 wurde der Altar auseinander genommen und die Heiligenbilder als eigenständige Bilder gerahmt. Die drei Skulpturen wurden in einem eigenen barocken Altar aufgestellt.

Der Altar verblieb bis zum Beginn des Zweiten Weltkriegs in der Kapelle und wurde dann aus Sicherheitsgründen nach Moosbronn ausgelagert, da ein Angriff Frankreichs auf das Deutsche Reich nicht auszuschließen war und Karlsruhe damit unmittelbar im Kriegsgebiet gelegen wäre.

In Moosbronn überdauerte der Altar unbeschadet das Kriegsgeschehen. Die St.-Michael-Kapelle wurde hingegen Ende 1944 bei einem Bombenangriff auf den Hauptbahnhof leicht beschädigt. Da Sicherungsmaßnahmen unterblieben, wurde die Kapelle schließlich 1957 abgerissen.

Der Altar wurde teilweise in der Beiertheimer Notkirche aufgestellt, in der Sakristei und im Speicher.

Als die St.-Michael-Kirche gebaut wurde, errichtete man am südwestlichen Bereich der Kirche die Marienkapelle, um den Altar dort wieder aufstellen zu können. 1988/1989 wurde der Altar erneut restauriert und anschließend im Altarraum der Hauptkirche auf einem Podest an der hinteren Kirchenwand aufgestellt. Seither ist er für alle Kirchenbesucher sichtbar.

Beschreibung des Altars

Ursprüngliche Form und Verwendung des Altars in der St. Michael Kapelle

Der Altar stellt seit seiner Restaurierung und Aufstellung 1965 in der Marienkapelle eine Komposition dar, da einzelne Bestandteile des Altars ursprünglich nicht dazu gehörten. Wie auf dem Bild rechts zu sehen ist, welches in der St. Michael Kapelle aufgenommen wurde, standen die Skulpturen links in einem separaten Bereich, während der Flügelaltar rechts stand und noch keinen Unterbau mit der Abendmahlszene besaß.

Kreuzigungsdarstellung

Auf dem Altar befindet sich ein Kruzifix mit der Figur der Maria und des Johannes. Diese Darstellungen stammen aus dem 19. Jahrhundert.

Die Skulpturen

Die Skulpturen des Altars

Die drei aus Lindenholz gefertigten Skulpturen im Altar stellen folgende Personen dar:

  • links den heiligen Wendelin in Schäfertracht, mit Hirtentaschen und seinen Attributen Hund und Ochse
  • in der Mitte die heilige Maria mit dem Jesuskind und der Mondsichel, in der ein Türkenkopf mit Turban dargestellt ist
  • rechts der heilige Michael mit seinen Attributen, dem Flammenschwert und besiegten Drachen

Der heilige Wendelin war der Ortsheilige von Beiertheim und der heilige Michael der Schutzpatron der Kapelle, der Beiertheimer Notkirche sowie der Kirche.

Die Mondsichel mit einem Türkenkopf zu Füßen der Gottesmutter soll den erhofften Sieg des christlichen Abendlandes über das islamische Osmanische Reich symbolisieren, der auch mit Hilfe der Fürbitte bei der Heiligen erlangt werden sollte. Der Halbmond wurde von den Osmanen in ihren Fahnen und Wappen geführt. Auch heute ist das noch bei zahlreichen islamischen Staaten der Fall. Zur Entstehungszeit der Skulptur war das Osmanische Reich noch in seiner Expansionsphase und bedrohte das christliche Abendland.

Die Abendmahlszene

Die Abendmahlszene des Altars

Die Szene befindet sich im unteren Altarbereich und zeigt die zwölf Apostel mit Jesus beim letzten Abendmahl. Wie in der Detailaufnahme zu erkennen ist, besteht die Szene zwischenzeitlich aus drei Teilen. Die Christusfigur in der Mitte wurde im 19. Jahrhundert ergänzt.

Die Bemalung der Altarflügel

Alle beiden Seiten der beiden Altarflügel sind mit Heiligen bemalt. Die Flügel sind beweglich, so dass es möglich ist, den Altar mit den drei Skulpturen zu verschließen und dadurch der Gemeinde auch die Motive auf den Flügelrückseiten zeigen zu können. Wann die Flügel geöffnet oder geschlossen werden, bestimmen liturgische Überlegungen. So kann ein Schließen des Altars in den Fastenzeiten, die Zeit zwischen Fasching und Ostern und im Advent, erfolgen oder je nach Art des Gottesdienstes bzw. Feiertags.

Linker Altarflügel

  • geöffneter Flügel
    • der heilige Valentin von Rätien, Bischof und Schutzpatron der Epileptiker, daher auch die Darstellung mit Kind
    • die heilige Margareta von Antiochia, Schutzpatronin der Bauern, der Jungfrauen, der Schwangeren, der Ammen und der Gebärenden
  • geschlossener Flügel
    • der heilige Leonhard von Limoges, Klostergründer, Schutzpatron der Bauern, Stallknechte und Haustiere, der Gebärenden und Helfer bei Kopfschmerzen; Darstellung mit seinen Attributen Regelbuch und Abtstab und Eber, den er an einer Kette hält
    • die heilige Ursula von Köln, Märtyrerin, Darstellung mit ihren Attributen: einem roten Mantel, einer Märtyrerkrone und einem Pfeil in ihrer Hand

Rechter Altarflügel

  • geöffneter Flügel
    • der heilige Blasius von Sebaste, Bischof und Märtyrer, einer der 14 Nothelfer, Schutzpatron u.a. der Ärzte, Maurer, des Viehs, bei Halsbeschwerden, Zahnschmerzen, Geschwüre, Pest; am 3. Februar wird der so genannten „Blasiussegen“ erteilt
    • die heilige Juliana von Nikomedia, Märtyrerin und Schutzpatronin für Entbindungen und Krankheiten, ihre Darstellung erfolgt mit einer angeleinten Teufelsgestalt, die sie mit ihrer linken Hand mühelos bändigt
  • geschlossener Flügel
    • die heilige Anna, Mutter von Maria
    • die heilige Apollonia von Alexandria, Märtyrerin, Schutzpatronin der Zahnärzte und Darstellung mit Zange und einem Zahn.

Die Stegflügel

Wenn beide Altarflügel geschlossen sind, werden links und rechts jeweils so genannte Stegflügel sichtbar.

Der linke Stegflügel zeigt den heiligen Theodulf, der Bischof war und ihn mit Bischofsstab und Buch zeigt. Auf dem Bild wird ein Zettel mit der Jahreszahl 1523 gezeigt, welches auch als Entstehungsjahr des Altars gilt. Im Schweißtuch des Bischofsstabs wird ein „L“ angegeben. Am rechten Stegflügel befindet sich ein „F“. Beide Buchstaben werden als Initialen des Malers angesehen.

Der rechte Stegflügel zeigt den Heiligen Wolfgang von Regensburg, Bischof von Regensburg. Er wird mit seinen Attributen Kirche und Beil dargestellt und ist u.a. Schutzpatron der Holzarbeiter, Zimmerleute und Hirten und wird bei verschiedenen Krankheiten wie Gicht, Fußleiden, Lähmungen angerufen.

Literatur

Weblinks