Krautkopfbrunnen

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Krautkopfbrunnen und Pelikanbrunnen (rechts)

Der Krautkopfbrunnen ist ein 1905 im Auftrag der Stadt Karlsruhe von Friedrich Ratzel entworfener und 1908 fertiggestellter Weststadt-Brunnen und steht auf dem Gutenbergplatz.

Geschichte

Ab 1904 wurde der Wochenmarkt auf den Gutenbergplatz verlegt, an dem zwischen 1900 und 1905 an seinen Längsseiten vier- bis fünfgeschossige Mietshäuser sowie zwischen 1898 und 1908 an der nördlichen Schmalseite die Gutenbergschule und an der Südseite 1908-11 das Lessing-Gymnasium erreichtet worden war und der Platz damit seine heutige Größe und Funktion erhielt. Eine Initiative des Stadtrats plante im Juli 1904 einen "monumentalen Marktbrunnen" und gewährte für dessen Errichtung eine enorme Summe von 50 000 Mark, die alles überstieg, was bis dahin in der Stadt für einen Brunnen ausgegeben worden war.

Am 7.10.1905 legte Friedrich Ratzel dem Stadtrat erste Zeichungen des neuen „Brunnen auf dem Gutenbergplatz“ vor. Die Fertigstellung erfolgte Ende September 1908 nach Ratzels Freitod, auf eine offizielle Einweihung des Brunnens wurde verzichtet.

Die "Badische Landeszeitung" hob in ihrer Besprechung des neuen Brunnens am 28.9.1908 dessen "seltsame" Erscheinung hervor und betonte damit, wie wenig er gängigen Anschauungen entsprach. Bald schon wurde der Brunnen zu einem signifikanten Bestandteil des Gutenbergplatzes, und Friedrich Ratzels letztes Werk genoss ein positives Echo in der Karlsruher Bevölkerung. Auch über die Region hinaus wurde der Brunnen in Bau- und Kunstzeitschriften bekannt gemacht und wegen seiner gelungenen Einbindung in den vorgegebenen Platzraum gelobt.

Im Jahr 1940 wurden die Bronzerippen und der Krautkopf für die Rüstungsindustrie eingeschmolzen. Im August 1952 wurde der Brunnen reaktiviert. Auf Initative des Bürgervereins der Weststadt wurde zwischen 1960 und August 1962 eine Rekonstruktion der Bronzeteile aus Kupfer gebaut, am 5. August 1962 wurde die Wiedereinweihung gefeiert.

1961 wurde das untere Brunnenbecken zugeschüttet und bepflanzt sowie die Einfriedung entfernt. Die komplette Brunnenanlage existiert noch unter der Zuschüttung.

Architektur- und Kunstgeschichliche Details

Die architektonischen und plastischen Teile sind aus grauem Walldürner Muschelkalk gefertigt, die Rippen der Bekrönung aus Bronze, der Krautkopf aus Kupfer. Außerdem wurde grauer Granit und - für die Pflasterung - roter Sandstein verwendet.

Als eine originelle Schöpfung des ausgehenden Jugendstils folgt Ratzels Brunnenentwurf keinen gängigen, traditionellen Brunnentypen sondern verfolgt eine höcht individuelle künstlerische Lösung der Aufgabe. Ratzel beschäftigte sich in besonderem Maße mit der Frage der räumlichen Beziehung von Brunnen und Platz: "Bei der beträchtlichen Platzgröße darf der Brunnen nicht zu klein erscheinen", beschrieb er in seiner ersten Projektbeschreibung den Grundgedanken seiner Konzeption. "Bereits die Wahl des Standorts berücksichtige, daß der Brunnen auf dem weitläufigen, relativ ungegliederten Platz nicht wie verloren wirken sollte."[1]

Eine außergewöhnlich große Grundfläche zeichnete den Brunnen auf dem Gutenbergplatz aus. An den Ecken des oktogonalen Bassins wurden acht voluminöse Kugeln aus Muschelkalk aufgestellt, Einfassungen aus runden Steinpfosten mit waagrechten Metallstangen markierten die Ausmaße des Brunnens. "Das Bassin war ursprünglich einen Meter unter Platzniveau eingetieft; zwei hohe Stufen führten unmittelbar hinter der Einfassung hinunter zum Wasser, aus dem - wie aus der Tiefe aufsteigend - die sich nach oben verjüngende zylinderförmige Brunnenarchitektur auftaute. Sie spiegelte sich in der unbewegten, ruhigen Wasseroberglüche und erschien dadurch größer als sie tatsächlich war."[2]

Vorbilder für seine Anlage fand Ratzel im Baraccia-Brunnen von Gianlorenzo Bernini am Fuß der Spanischen Treppe in Rom. Hier fand Ratzel die Idee, das Umfassungsbecken unter das Niveau des Straßenpflasters abzusenken. Ebenfalls dem Vorbild römischer Brunnenanlagen folgte er bei Einfassung des Bassins mit Steinpfosten und Metallstangen.

Der besondere Brunnenaufbau und die darin enthaltenen Bildhauerarbeiten von Eugen Mezger erinnert an die beliebten dekorativen Tafelaufsätze der Zeit um 1900, die ab 1910 in einem Entwurf von Wilhelm Süß auch in der Karlsruher Majolika Manufaktur etwa in Form der Steingutschale mit einem Reigen tanzender Kinder gefertigt wurde.

Heute ist - nach der Zuschüttung dieses unteren Basins im Jahr 1960 - nur noch das etwas über der Höhe des Platzes gelegene Becken mit breitem Rand zu sehen, was dem Brunnen seine ursprünglich geplante Dimension und seine in die Platzgröße eingepaßte Gestaltung völlig nimmt."...das Erscheinungsbild der Brunnenanlage litt erheblich, und die von Friedrich Ratzel geplante Gesamtwirkung wurde empfindlich gestört." [3]

Die Wiederherstellung des tiefergelegten Beckens im Sinne Ratzels bleibt "ein aus gestalerischen Gründen wünschenswertes Anliegen". [4]


Verschiedenes

Der Brunnen wird von einem Krautkopf bekrönt und hieß daher im Volksmund Krautkopf-Brunnen. Ein weiterer Namen ist „Gutenbergbrunnen“. Erstmals 2007 gab es das Krautkopffest. Der Bürgerverein der Weststadt trägt den Krautkopfbrunnen in seinem Vereinswappen.

2008 heißt er amtlich „Brunnen auf dem Gutenbergplatz (Krautkopfbrunnen)“[5]

Bilder

Inschriften

keine

Standort

Der Brunnen steht auf dem nördlichen Gutenbergplatz vor der Gutenbergschule.

Dieser Ort im Stadtplan:

(H)  nächste Haltestelle: Yorckstraße   

Literatur

  • Gerhard Kabierske: 78 Brunnen auf dem Gutenbergplatz, in: Denkmäler. Brunnen und Freiplastiken in Karlsruhe 1715-1945 (Veröffentlichungen des Karlsruher Stadtarchivs, Bd. 7), S. 449 - 455. „Denkmäler, Brunnen und Freiplastiken in Karlsruhe 1715-1945“ (Band 7 der Veröffentlichungen des Karlsruher Stadtarchivs, Herausgeber Heinz Schmitt), 2. Auflage, Karlsruhe 1989. ISBN 3761702647
  • Brunnen auf dem Gutenbergplatz (Krautkopfbrunnen) (Brunnen 65) in Dietrich Maier: Karlsruher Brunnen: Bilder – Modelle – Fotografien. 2004, ISBN 3-89929-022-4
  • Elke Schneider: Brunnen auf dem Gutenbergplatz ist das Wahrzeichen der Weststadt – Schaukeln in Krautkopf-Blätter in Boulevard Baden vom 07.06.09, Seite 7

Weblinks

Fußnoten

  1. Gerhard Kabierske: "Brunnen auf dem Gutenbergplatz" S. 452.
  2. Gerhard Kabierske: "Brunnen auf dem Gutenbergplatz" S. 452.
  3. Gerhard Kabierske: "Brunnen auf dem Gutenbergplatz" S. 455.
  4. Gerhard Kabierske: "Brunnen auf dem Gutenbergplatz" S. 455.
  5. Brunnenliste des Liegenschaftsamtes Juli 2008