Romy Schurhammer

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Romy Schurhammer (*1936) ist eine in Durlach aufgewachsene Journalistin und Autorin.

Leben

Ihre Eltern führten die Weinhandlung Urban Schurhammer an der Blumentorstraße.

Arbeitete 1956 als "Reporterküken", sprich Nachwuchsjournalistin, für die Badische Neueste Nachrichten (BNN)

Für großes Aufsehen sorgte sie, als sie 1956 erst 19-jährig alleine in einem Ford Taunus 12M durch Afrika bis nach Kapstadt reiste. Ihre Erlebnisse schrieb sie in ihrem Buch „Romy fährt nach Afrika” nieder. 1959 folgte eine Reise in einem VW Bully bis nach Indien.

Sie heiratete 1963[1] den renommierten Fotojournalisten Hilmar Pabel und veröffentlichte mit ihm unter dem Namen Romy Pabel Reportagen in Magazinen wie dem Stern, der Bunte und GEO sowie zwei großformatige Foto-Bände. Aus der Ehe gingen zwei Töchter hervor.

Daneben erforschte sie drei Jahre lang das Leben ihrer aus dem Glottertal stammenden Vorfahren und ließ die Ergebnisse in die belletristische Darstellung "Die Wildlinge" (2001) einfließen. Die Buchvorstellung fand im Konferenzsaal der Sportschule Schöneck statt.[2]

Sie lebt heute mit ihrem jetzigen Mann in Oberbayern.

„Versuch eines Lebenslaufes“

„»Lieber zehn Jungens als noch so eine Tochter«, pflegen meine Eltern zu sagen. Leider muß ich gestehen, daß sie damit nicht ganz unrecht haben. Ich wurde schon immer von meiner Umwelt als harte Prüfung hingenommen. Vor allem von meinen Lateinprofessoren. In die Schule ging ich so ungern, daß ich gleich drei Klassen übersprang, um sie schneller hinter mich zu bringen. Nach der mittleren Reife und zwei Jahren Wirtschaftsoberschule versuchte mein Vater, mich zur perfekten Weinhändlerin auszubilden. Seine Bemühungen scheiterten kläglich, ebenso die meiner Mutter, wenigstens eine gute Hausfrau aus mir zu machen. Bis heute kann ich noch keine Socken stopfen. Dafür gibt es keine ernsthafte Entschuldigung - nicht einmal die, daß die „raffinierte Küche” mein Hobby ist. Eins meiner Hobbys! Die anderen: Reiten, Reisen, Tanzen und Schallplatten. Wichtigste Untugenden neben den schon genannten: ich habe keinen Sinn für den Ernst des Lebens und versuche gelegentlich, mit dem Kopf durch die Wand zu gehen. Tugenden: keine. Das ist, glaube ich, alles, was sich über mich sagen läßt. Zu ergänzen ist nur noch, daß Romy von Rosemarie abgeleitet wurde und nicht von Schneider, was sich ohne Schwierigkeiten beweisen läßt. -Romy Schurhammer“

(Klappentext „Romy fährt nach Afrika“, 1958)

Erste Reise nach Afrika

Die Vorbereitungen für die erste Reise begannen im Frühjahr 1956. Zu diesem Zeitpunkt hatte Romy Schurhammer bereits den erbitterten Widerstand ihres Vaters gegen diese Reise gebrochen und ihre ursprüngliche Idee einer Weltreise zu einer Afrikareise reduziert. Innerhalb von sechs Monaten gelang es ihr alle notwendigen Visa zu beschaffen, einen Schiffstransfer für sich und ihr Auto (das sie zu diesem Zeitpunkt noch nicht besaß) zu buchen, sowie alle benötigten Impfungen in Form von insgesamt 12 Spritzen zu empfangen.

Zur Finanzierung der Reise arbeitete sie sowohl im elterlichen Betrieb mit, als auch weiter als Reporterin für die BNN. Durch eine glückliche Fügung erlangte sie einen Vertrag als Werbefotograf und Fotomodell für die NSU-Werke Neckarsulm. Diesen Verpflichtungen ging sie an den Wochenenden nach. In der verbliebenen Freizeit ließ sie sich im Reparieren von Autos, in der ersten Hilfe und Behandlung von Verletzungen, sowie im Bedienen professioneller Fotoausrüstungen inklusive der Entwicklung von Negativen unterrichten. Von ihr angeschriebene Firmen sponsorten Teile der Ausrüstung, Nahrungsmittel, Medikamente usw.

Sie musste aber auch erkennen, dass nicht alle an den Erfolg ihres Projektes glaubten. Von 100 angeschriebenen Zeitungen mit der Anfrage ob diese ihre Reiseberichte abdrucken würden antworteten 96 gar nicht, zwei mit einem vorgefertigten Ablehnungsschreiben und nur zwei Zeitungen äußerten eventuelles Interesse. Selbst in der eigenen Zeitung gab es Widerstand. So lud der Chef vom Dienst ihren Vater ein und gab ihm den freundschaftlichen Rat die Tochter kurz übers Knie zu legen, um ihr „die Flausen auszutreiben“. „Im Übrigen sollten schreibende Damen ohne Ausnahme aufgeblasen und zerrupft werden“, erinnert sie sich in ihrem Buch.

Die Finanzierung des benötigten Autos blieb allerdings lange Zeit ungelöst. Vermutlich gerührt und in Anerkennung der Bemühungen seiner Tochter rückte der Vater von seinem Versprechen, keinen Pfennig zu diesem – in seinen Augen Unsinn – beizusteuern, ab. Er lieh ihr das benötigte Geld und sicherte sich im Gegenzug, Kaufmann der er war, eine Gewinnbeteiligung an den Einnahmen aus den abgedruckten Reiseberichten.

Von diesem Geld wurde ein gebrauchter Ford Taunus 12M Kombi angeschafft. Eine nicht sehr glückliche Wahl, wie sich herausstellen sollte, da der Wagen weder eine große Bodenfreiheit besaß, noch ein verbreitetes Fabrikat in Südafrika war, wo der Wagen verkauft werden sollte, um das Rückflugticket zu finanzieren. Schlafen wollte Romy Schurhammer im Heck des Wagens. Da sich aber die Hecktür nur von außen abschließen ließ und das Klettern über die Sitze und das Umräumen des Gepäcks sich als zu mühsam erwies, schlief sie letztendlich zusammengerollt auf den Vordersitzen.

Am 20. September 1956 startete Romy Schurhammer von Durlach aus ihre Reise, die, wie sich zum Schluss herausstellen sollte, sieben Monate dauern würde.

Die Route führte über Österreich und die Schweiz nach Neapel, wo „Fridolin“, wie sie ihr Auto getauft hatte, verladen wurde. Von dort ging es per Schiff durch den Suez-Kanal bis nach Massaua in Äthiopien. Von dort begann sie ihre Autoreise, die sie außer nach Äthiopien noch durch Kenia, Uganda, Tansania (damals Tanganjika), Rhodesien und Südafrika führen sollte.

Ihre unterwegs abgeschickten Reiseberichte wurden in den BNN und anderen Zeitungen abgedruckt und als sie schließlich in Südafrika eintraf, war sie der Aufhänger auf den Titelblättern der dortigen, aber natürlich auch der heimischen Zeitungen.

Zurück in Deutschland hielt Romy Schurhammer Vorträge und Dia-Schauen in der gesamten Republik und wurde letztendlich vom Bertelsmann-Verlag angesprochen, ihre Erlebnisse in Buchform zu fassen. Das Resultat war das 1958 erschiene Buch „Romy fährt nach Afrika“, das sie mit der Widmung „Meinen Eltern gewidmet, die sieben lange Monate hindurch sehr tapfer waren“ versah.

Wie sehr ihre Eltern während dieser Reise gebangt haben müssen, lässt sich aus der Tatsache erahnen, dass Romy ihr einzig verbliebenes Kind war. Ihre drei älteren Brüder waren alle in der Kindheit oder im Krieg gestorben. Hinzu kam, dass Romy Schurhammer ihre Reise zu einer Zeit antrat, als große politische Unruhen einige Länder die sie durchreiste erschütterten.

  • Sie durchfuhr den Suez-Kanal am 7. Oktober 1956, mitten in der Suez-Krise. Am 29. Oktober 1956 griffen Englische, Französische und Israelische Truppen Ägypten an, so dass der Suez-Kanal durch versenkte Schiffe bis April 1957 unpassierbar wurde.
  • Sie durchfuhr Kenia, während dort noch immer der Mau-Mau-Aufstand tobte und Opfer unter den Siedlern und Reisenden forderte.

Werke

  • „Romy fährt nach Afrika. Ein Mädchen, ein Auto und 20 000 Kilometer” (Bertelsmann Verlag 1958)
  • „Guten Tag, Pazifik! Romy fährt nach Ostasien” (Sigbert Mohn Verlag, 1960)
  • Warner, Denis, Hilmar Pabel und Romy Schurhammer (Fotos): „Der rote Drache wächst. China und seine Nachbarn. Mit vorwiegend unveröffent. Fotos v. Romy Schurhammer und Hilmar Pabel” (1961)
  • Hilmar und Romy Pabel: „Auf Marco Polos Spuren: Expedition Seidenstraße”, München 1986 ISBN 3-7991-6341-7
  • Hilmar und Romy Pabel: „Abenteuer Kanada”, München 1987 ISBN 3-7991-6373-5
  • „Meine Sehnsucht ist mein Kompaß” (Franz Schneider Verlag 1974) ISBN 3-505-06905-1
  • „Die Wildlinge. Das abenteuerliche Leben einer Familie aus dem Schwarzwald ... Im Glottertal, im Reich des Zaren und im Indianerland am Mississippi” (Buchendorfer, 2001) ISBN 3934036686

Weblinks

Fußnoten

  1. Intelligenz- und Provinzblatt für Durlach Nr. 35, S.9, Das abenteurerliche Leben von Romy Schurhammer
  2. Intelligenz- und Provinzblatt für Durlach Nr. 40, S.23, Romys Heimkehr nach Durlach"